Interview mit Ilse Lücke, der Prüfungskoordinatorin am Goethe-Institut Athen

Prüfung Foto: Goethe-Institut/Bettina Siegwart


Ilse Lücke ist seit über 30 Jahren für das Goethe-Institut Athen tätig. Als Projektkoordinatorin der Prüfungen ist sie für die Qualitätssicherung  verantwortlich. Zu ihren Aufgaben gehören dabei unter anderem die Auswahl, Schulung und Einsatzplanung der Prüfenden und Bewertenden, sowie die Überprüfung der Materialien, die von der Zentrale kommen. Zudem sorgt sie dafür, dass die Prüfungen korrekt und nach den weltweiten Richtlinien des Goethe-Instituts durchgeführt werden.
Wir haben mit ihr über neue Prüfungsformate, Digitalisierung und die Zukunft des Sektors gesprochen.

Ilse Lücke

 



 
Frage 1: Das Goethe-Institut steht für . . .
Dialog und Verständigung, und dazu müssen wir miteinander kommunizieren über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg.Unsere Prüfungen sind der Nachweis dieser Sprachkenntnisse, sie sind weltweit anerkannt und als Eintrittskarte in Studium und Arbeit im deutschsprachigen Raum unerlässlich.
 
Frage 2: Welches ist zurzeit die größte Herausforderung? 
Das ist der Umgang mit der Pandemie! Die Sicherheit bzw. Gesundheit unserer Kunden und natürlich auch unserer Mitarbeiter*innen steht an erster Stelle und da braucht es ein gut durchdachtes Konzept um Prüfungen abzunehmen. Das Prüfungsaufkommen ist trotz Covid sehr hoch, viele Menschen möchten Prüfungen auf unterschiedlichen Niveaustufen ablegen, um die Zertifikate dann für ihr Studium oder ihren beruflichen Werdegang zu verwenden. Also haben wir uns im Haus zusammengesetzt, uns aber auch Hilfe von außen geholt und dann eine der Pandemie angemessene Prüfungsdurchführung geplant. So ist es uns gelungen sowohl im Juni bzw. Juli als auch jetzt im September alle Prüfungen anzubieten und erfolgreich abzuwickeln.
 
Frage 3: Das Goethe-Institut ist der einzige Anbieter für Deutschprüfungen, der das ALTE-Q-Mark für seine Prüfungen erhalten hat. Was bedeutet das konkret?
Im Gegensatz zu den übrigen Anbietern von Deutschprüfungen ist das Goethe-Institut nicht nur Vollmitglied bei ALTE (Association of Language Testers in Europe – eine Vereinigung von Sprachtestanbietern, die eine faire und genaue Beurteilung der Sprachkenntnisse in ganz Europa und darüber hinaus fördern), sondern das einzige, das auf allen Niveaustufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens das international anerkannte Qualitätssiegel (ALTE-Q-Mark) für seine Prüfungen erhalten hat. Dieses Q-Mark ist auf allen Zertifikaten zu finden und garantiert die Qualität der jeweiligen Prüfung, aber auch, dass sie der Niveaustufe genau entspricht. Unsere Prüfungen halten damit alle Standards ein und spiegeln genau die zertifizierte Niveaustufe wider.
 
Frage 4: „Die richtige Vorbereitung bringt das gewünschte Ergebnis“. Stimmen Sie dieser Aussage in Bezug auf den Prüfungserfolg zu?
Ganz sicher spielt neben einem qualitativ guten Unterricht auch die Prüfungsvorbereitung eine wichtige Rolle für den Prüfungserfolg. Aber schon während des Unterrichts werden „die Weichen gestellt“. Neuere Lehrwerke, die auf die  aktuellen Prüfungen abgestimmt sind, führen die Lernenden  zu den jeweils geforderten Prüfungsformaten. So ist schnell sichergestellt, dass es keine bösen Überraschungen die Testformate betreffend während einer Prüfung gibt.
Etwas, was ich an dieser Stelle  noch betonen möchte, ist folgender Satz: „Oft kennen die Lernenden hauptsächlich die Stimme der Lehrkraft und wenig anderes.“  Jeder Unterricht sollte so oft wie möglich die Gelegenheit bieten, deutsch von unterschiedlichen Sprechern zu hören. Dann bleibt für eine letzte Prüfungsvorbereitung noch, einige Probetests in der durch das Format vorgegebenen Zeit abzunehmen. Dazu sollten auf jeden Fall die Modelltests von unseren Prüfungsseiten hinzugezogen werden, denn diese Modelltests spiegeln nicht nur genau das Format sondern auch den Schwierigkeitsgrad jeder Prüfung wider. Außerdem sollte jeder Teilnehmende schon  einmal  Antwortbögen und Aufgabenblätter gesehen haben.
 
Frage 5: Neben den klassischen Prüfungen bietet das Goethe-Institut auch digitale Prüfungen an. Was sind die Vorzüge des digitalen Formats und inwieweit kommt es der Generation der sogenannten "Digital Natives" entgegen?
Die digitalen Prüfungen wenden sich an Interessierte, die viel „digital“ unterwegs sind und so auch eine computerbasierte Prüfung der papierbasierten vorziehen. Der große Vorteil der digitalen Prüfung ist, das Termine kurzfristig angeboten werden können, also Interessierte, die schnell einen Sprachnachweis benötigen, so bedient werden. Auch die Ergebnisse liegen schneller vor.
 
Frage 6: Lässt sich eine Tendenz in der Entwicklung von Deutsch als Fremdsprache erkennen? Wie schätzen Sie die Zukunft des Sektors ein?
Der Trend geht zum stärker individualisierten Lernen, neben dem klassischen Präsenzunterricht werden digitale Formate immer stärker Bestandteil des Lernprozesses, die Lernenden wollen kurze überschaubare Einheiten und nachweisbare Erfolge erzielen. Aber auch wenn wir in unserem Alltag immer mehr digitale Sprachhelfer  nutzen, wird das Erlernen einer Fremdsprache sicher weiterhin wichtig bleiben.  Und Deutsch ist und wird eine der am meisten gelernten Sprachen in Griechenland bleiben  - davon bin ich überzeugt.