Rainer Werner Fassbinder und … Trockenbrot!

Die Ehe der Maria Braun © RWFF

23 Filme – 26 Veranstaltungen – 3 griechische Premieren

Veranstalter: Goethe-Institut Athen, Griechische Kinemathek, Internationales Filmfestival Athen „Premieren-Nächte“
Mit der Unterstützung der Abteilung für Kommunikation und Massenmedien der Universität Athen

 
Das Goethe-Institut Athen zeigte 1995 anlässlich „100 Jahre Kino“ das Gesamtwerk von R.W. Fassbinder. In 16mm-Kopien. Nun zeigt es anlässlich „apropos documenta“ 21 seiner Filme und 2 Dokumentarfilme, die auf sein Leben und Werk eingehen, in digital erschienenen Kopien, aber auch in 35mm-Filmaterial.
 
Der Auftakt findet in Anwesenheit des Schauspielers, Regisseurs und Freund Fassbinders, Harry Baer statt.
 
Die Vorführungen werden von griechischen Referenten aus allen Bereichen des Kulturlebens begleitet.
 
Warum jetzt in Griechenland „Rainer Werner Fassbinder … und Trockenbrot oder sonst gar nichts“
 
„In der Geschichte des Kinos hat es bisher keinen anderen Filmemacher wie Fassbinder gegeben. In nur 15 Jahren, vor seinem frühzeitigen Tod (1982), hat dieser fieberhaft und unablässig produktive Filmschaffende 41 Spielfilme, 3 Kurzfilme und 3 Fernsehserien gedreht, parallel dazu Theaterstücke geschrieben und inszeniert und außerdem als Schauspieler, Produzent, Kameramann, Komponist, Cutter und Bühnenbildner gearbeitet. Er hat ein vielschichtiges, kühnes und absolut modernes Werk hinterlassen. In diesem reichen, komplexen und widersprüchlichen Korpus, das keinem anderen in den Annalen der Filmgeschichte gleicht, ist es Fassbinder gelungen, die offenen Wunden der Nachkriegszeit in Deutschland und ganz Europa in einige der erschütterndsten und menschlichsten Filmerzählungen zu verwandeln, tief in die Psyche eines Landes einzudringen und auf bewundernswerte Art und Weise die entwaffnenden Geschichten einer Handvoll einfacher, alltäglicher Helden, die verzweifelt nach einem Platz in einer harten und ungastlichen Welt suchen, mit der kollektiven Geschichte zu verbinden.
 
Härter als die anderen Repräsentanten des Neuen Deutschen Films (der "Nouvelle Vague" des westdeutschen Kinos, das Ende der sechziger Jahre mit den Filmen von Werner Herzog, Wim Wenders, Volker Schlöndoff u.a. aus der Asche wieder auferstand), übte Fassbinder Kritik am moralischen und politischen System seines Landes nach dem zweiten Weltkrieg. Er beschrieb mal detailliert mal in Anspielungen den Verfall einer starr an den überkommenen, erstickenden und engstirnigen Wertevorstellungen festhaltenden Gesellschaft, die alle von der Norm Abweichenden dämonisierte. Und er blieb nicht dabei. Sein Gebrauch von Archetypen -Liebe, Eifersucht und Verrat- gab seinen Filmen einen universellen und zeitlosen Anstrich, der nur authentische Kunstwerke auszeichnet.
 
Eine Retrospektive seines Werkes in Griechenland im Jahre 2016 ist aktueller und notwendiger denn je. In der sich stetig verändernden Umwelt, die die langjährige wirtschaftliche Rezession und die politische Instabilität hervorgerufen haben, einer Welt, in der Migration, soziale Exklusion, massenhafte Unsicherheit und Ausbeutung den Alltag bestimmen, lehren uns die gejagten Außenseiter seiner Filme Menschlichkeit, gegenseitiges Verständnis und Mitgefühl für diejenigen, die von der Mehrheit als "fremd" oder "andersartig" und damit als verdächtig bezeichnet werden. Und diejenigen, die den Namen Fassbinder nur aus dem Lied von Jimmy Panoussis kennen, das der Retrospektive ihren Titel gibt, haben nun die Gelegenheit, das Werk eines der bedeutendsten, europäischen Regisseure, der 34 Jahre nach seinem ungerechten Tod revolutionär, unkonventionell und vor allem umwerfend modern geblieben ist, in allen seinen Facetten zu erforschen. Das Werk eines romantischen Anarchisten, voll anregender Leidenschaft für den Film und den Nächsten.

Text: Gelly Madmeli, Mitarbeiterin Festival „Premieren-Nächte“
Übersetzung ins Deutsche: Timon Koulmasis, Filmemacher
 
Zum Leben und Werk R.W. Fassbinders: www.fassbinderfoundation.de
 
Textquellen z.d. einzelnen Filmen:
- Broschüre: Rainer Werner Fassbinder – Dichter, Schauspieler, Filmemacher
Herausgegeben von der Rainer Werner Fassbinder Fundation für das Goethe-Institut
-Rainer Werner Fassbinder Foundation
-Filmkatalog des Goethe-Instituts
 
Textauswahl/Endfassung/Übersetzung: Internationales Filmfestival Athen „Premieren-Nächte“, Goethe-Institut Athen

Untertitelung: projectitling

Unser Dank gilt der Fassbinder Foundation, Frau Juliane Maria Lorenz und ganz besonders Frau Livia Anita Fiorio
 



Plakatentwurf: Vassilis Mexis

logo Fassbinder © Goethe-Institut Athen