Master Class - Film Eine Master Class und drei Filme

Die bitteren Tränen der Petra von Kant © Peter Gauhe München und Deutsches Filmmuseum Frankfurt am Main

Fr, 09.12.2016

Griechische Kinemathek

Iera Odos Straße 48 & Megalou Alexandrou
104 35 Athen

Master Class mit Harry Baer - Vorführung: „Götter der Pest“, „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“, „Querelle“

18:00 Master Class mit Harry Baer
(in deutscher und griechischer Sprache mit Übersetzung) 

Harry Baer © Daniel Sonnentag Moderation: Loukas Katsikas, künstlerischer Leiter des Festivals „Premieren-Nächte“

Harry Baer, Schauspieler, Regisseur, Mitglied der Deutschen Filmakademie, ist eine Hauptfigur im Leben und Werk Fassbinders. Zum ersten Mal vor der Kamera in „Katzelmacher“, Protagonist in der Folge in „Götter der Pest“, spielte er in mehreren Filmen Fassbinders, u.a. in „Faustrecht der Freiheit“, „Die dritte Generation“. Darüber hinaus wirkte er in mehreren Filmen als Regie-Assistent, als künstlerischer Leiter oder als Produktionsleiter.
Als Ehrengast der Hommage und engster Mitarbeiter und Freund Fassbinders spricht er über seine Erfahrungen an der Seite des einzigartigen Filmemachers.
„Von Fassbinder kommt man nicht mehr los. Ich habe 14 Jahre mit ihm exzessiv gearbeitet. Es waren die entscheidendsten Jahre meines Lebens, denn sie haben mich maßgeblich geprägt“, resümierte Harry Baer an seinem 65. Geburtstag, 27. September 2012
 
19:00 Vorführung „Götter der Pest“ (1969, 91‘)
(Deutsch mit griechischen Untertiteln)
  „Götter der Pest“ © RWFF Harry Baer, Protagonist des Films, führt ein
(Deutsch mit Übersetzung)

Darsteller: Hanna Schygulla, Margarethe von Trotta, Günther Kaufmann, Carla Aulaulu, Ingrid Caven u.a.
 
Franz wird aus dem Gefängnis entlassen und sucht frühere Bekanntschaften auf. Er findet Barbara, deren besitzergreifende Liebe seinen kümmerlichen Rest an Freiheit gefährdet. Er lernt auch Margarethe kennen, deren Liebe weniger anspruchsvoll ist. Und dann schließt er Freundschaft mit Günther, der seinen Bruder erschossen hatte …
Faszinierend wie Fassbinder die Gefühle dieser vier Menschen beschreibt, die sich lieben, hassen oder sich nur gleichgültig sind und dabei gemein, brutal, ja gar gewalttätig werden.
 
„Also, GÖTTER DER PEST ist ein ziemlich genauer Film über so ein Zeitgefühl, das es damals wirklich gegeben hat in dieser eigenartig nachrevolutionären Ära, die da 1970 war.“

Rainer Werner Fassbinder, 1978
 
20:45  Vorführung „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972, 124‘)
(Deutsch mit englischen und griechischen Untertiteln)
 
Einführung: Angela Brouskou, Theaterregisseurin

Darstellerinnen: Margit Carstensen, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Eva Mattes u.a.
 
Die Modeschöpferin Petra von Kant lebt in einem kostbar eingerichteten Wohn-Atelier zusammen mit ihrer Assistentin und Dienerin Marlene, die wortlos alle Befehle ausführt und alle Launen über sich ergehen lässt.
Petra verliebt sich in Karin, ein Mädchen, das gut zehn Jahre jünger ist als sie. Petra will die junge Karin ganz für sich haben, Karin will die vermögende Petra ausnutzen, jedoch ihre Freiheit bewahren. Als ihr Mann, der in Australien war, sich überraschend meldet, kehrt sie zu ihm zurück. Petra verzweifelt und bietet Marlene Zusammenarbeit, Freiheit, Spaß an. Doch Marlene verlässt sie.
 
„Marlene geht, weil sie ihre Rolle als Unterdrückte und Ausgebeutete akzeptiert hat und weil sie in Wirklichkeit vor der angebotenen Freiheit Angst hat. Freiheit bedeute nämlich, sich Gedanken über sein Leben zu machen, und daran ist sie nicht gewöhnt. Sie hat immer auf Kommando gehandelt und nie selber Entscheidungen getroffen. Deshalb hat sie Angst vor der Freiheit, und als sie zum Schluss Petra verlässt, geht sie meiner Meinung nach nicht in die Freiheit hinaus, sondern auf die Suche nach einer anderen Sklavenstellung. Viele haben den Film dahin interpretiert, dass sie sich zum Schluss befreit, aber daran glaub‘ ich halt überhaupt nicht. Es wäre viel zu optimistisch und utopisch, daran zu glauben, dass jemand der 30 Jahre lang nur das gemacht und gedacht hat, was andere für sie gedacht haben, sich plötzlich für die Freiheit entscheiden kann“.

Rainer Werner Fassbinder, 1973
 
23:15  Vorführung „Querelle“ (1982, 106‘)
(Englisch mit griechischen Untertiteln)
  „Querelle“ © Roger Fritz Einführung: Konstantinos Giannaris, Regisseur

Darsteller: Brad Davis, Franco Nero, Jeanne Moreau, Laurent Malet, Günther Kaufmann, Burkhard Driest, Dieter Schidor, Roger Fritz u.a.
 
Der Matroze Querelle ist jung, stark und gibt sich gern der Gefahr hin. Die Verbrechen, die er begeht, machen ihn frei, und diese Freiheit verleiht ihm Macht.
Während eines Landaufenthaltes in Brest begibt er sich in das Hafenbordell der Madame Lysiane, um mit Nono, dem Mann der Chefin ein Opiumgeschäft abzuklären. Und hier gleitet er in eine Welt von homosexuellen Leidenschaften in der Liebe und Tod nebeneinander hergehen.
 
„Bei ‚Querelle‘ geht es um den Entwurf einer möglichen Gesellschaft, die
nach aller Ekelhaftigkeit wunderbar ist.“

Rainer Werner Fassbinder, 1982
 
Gewidmet hat Fassbinder diesen seinen letzten Film seinem Freund El Hedi ben Salem m’Barek Mohammed Mustafa (Protagonist in „Angst essen Seele auf“).
 
 

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