Film „Warnung vor einer heiligen Nutte“

„Warnung vor einer heiligen Nutte" © RWFF

Di, 13.12.2016

Griechische Kinemathek

Iera Odos Straße 48 & Megalou Alexandrou
104 35 Athen

Vorführung: „Faustrecht der Freiheit“

19:00  „Warnung vor einer heiligen Nutte“ (1970, 103‘)
(Deutsch mit englischen und griechischen Untertiteln)
 
Einführung: Menelaos Karamagkiolis, Regisseur
 
Darsteller: Lou Castel, Eddi Konstantin, Hanna Schygulla, Marquard Bohm, Reiner Werner Fassbinder, Ulli Lommel u.a.
 
In einem Hotel irgendwo am Meer in Spanien wartet ein Filmteam auf den Regisseur, den Star, das Förderungsgeld aus Bonn und das Filmmaterial. Unter den Wartenden herrscht eine Stimmung, die schwankt zwischen Hysterie und Apathie. Als der Regisseur zusammen mit dem Star eintrifft, wird er sofort zum Mittelpunkt des Chaos. Das Team rebelliert.
 
„Ich glaube, dass es möglich ist, Filme weniger autoritär zu drehen, aber das erdordert, dass man von Anfang an sagt: Ich bin der Regisseur, du bist der Kameramann, und ihr seid die Schauspieler. Wenn die Arbeit von jedem klar definiert ist, dann kann sich jeder auf seinen Teil konzentrieren, anstatt dass alle alles teilen, denn dann wird nichts ordentlich gemacht. Das kann zwar diktatorisch klingen, aber von dem Moment ab, wo mir das klar wurde, war ich sehr viel weniger diktatorisch“.
Rainer Werner Fassbinder, 1971
 
21:00  „Faustrecht der Freiheit“ (1974, 123‘)
(Deutsch mit englischen und griechischen Untertiteln)

„Faustrecht der Freiheit“ © RWFF Einführung: Ilias Kanellis, Journalist
 
Darsteller: Rainer Werner Fassbinder, Peter Chatel, Karlheinz Böhm, Rudolf Lenz, Adrian Hoven, Ulla Jacobsen, Irm Hermann, Christiane Maybach u.a.
 
Franz Biberkopf, arbeitsloser Schausteller, glaubt fest an seinen Lottogewinn. Um den Einsatz zu finanzieren, macht er alles. So gerät er in pikfeine homosexuelle Kreise. Als er tatsächlich eine halbe Million gewinnt und Unternehmer werden will, nimmt sich Eugen, der hochnäsige Sohn einer bankrotten Unternehmerfamilie seiner an. Die Liebe zu ihm und sein Wahn, das Leben eines Angesehenen zu führen, machen Franz blind für die Tatsache, dass alle auf sein Geld aus sind …
 
„Ich glaube, dass es zufällig ist und wurscht, dass die Geschichte unter Schwulen spielt. Sie könnte genauso gut unter andern Leuten spielen. Ich glaube sogar, dass die Leute gerade deshalb genauer hingucken, als wenn‘ s nur eine ‚normale‘ Liebesgeschichte wäre, dann wäre auch der melodramatische Aspekt wirklich größer. Ich glaube, dass die Leute ab einem bestimmten Moment gar nicht mehr wahrnehmen, dass sie schwul sind, aber sie werden dann fragen: Was haben wir da eigentlich gesehen? Wir haben da eine Geschichte gesehen, die unter Leuten spielt, die wir eigentlich für unnormal halten. Und durch eine solche Verblüffung, durch ein gewisses Schockmoment, sieht man die ganze Geschichte auch anders. Ich glaube aber ohnehin, dass Filme erst dann Filme sind, wo sie angekommen sind, in den Köpfen der Leute. Und deshalb glaube ich auch nicht dass der Film auf der Leinwand zu Ende ist, sondern dass da eine Wut im Zuschauer entstanden ist auf die Leute, die vorweg die größeren Chancen und Möglichkeiten von der Gesellschaft erhalten haben“.
Rainer Werner Fassbinder, 1974
 

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