Film „Mutter Küsters´ Fahrt zum Himmel“

„Mutter Küsters´ Fahrt zum Himmel“ © RWFF

Do, 15.12.2016

Griechische Kinemathek

Iera Odos Straße 48 & Megalou Alexandrou
104 35 Athen

„Liebe ist kälter als der Tod“

19:00  „Mutter Küsters´ Fahrt zum Himmel“ (1975, 120´)
(Deutsch mit griechischen Untertiteln)
 
Einführung: Nikos Savvatis, Filmtheoretiker
 
Griechische Erstaufführung
 
Darsteller: Brigitte Mira, Ingrid Caven, Karlheinz Böhm, Armin Meier, Gottfried John u.a.

 
Schauplatz: Frankfurt. Hermann Küsters, seit 20 Jahren Arbeiter in derselben Fabrik, erschießt einen Vorgesetzten, dann sich selbst – Massenentlassungen hatten gedroht.
Seine Witwe, Mutter Küsters, ist hilflos: Sohn und Schwiegertochter verlassen sie, ihre Tochter, eine Sängerin, macht Karriere als „Tochter des Fabrikmörders“, die Presse bestürmt sie, die DKP nutzt sie aus, die Linksextremisten suchen sie auf ….
 
„Fassbinder macht nicht viel Federlesen mit seinem Urteil über die im Film auftretenden, jeweils typische Personen: sie sind allesamt kalt, verlogen, rücksichtslos und egoistisch. Es gibt nur eine Ausnahme: Mutter Küsters. Er macht sie zur regelrechten Über-Mutter, zur wahren Heldin seines Films. Sie arbeitet ohne zu klagen, den ganzen Tag. Sie schluckt ohne Vorwürfe den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen. Als die sensationslustigen Reporter wie die Aasgeier auf sie stürzen (…) lässt sie das geduldig mit sich machen …
Der Verleih des Films hat es im Sommer letzten Jahres, nach einer Sondervorführung auf der Berlinale nicht gewagt, den Film in Deutschland in die Kinos zu bringen. Aus Angst vor Protestaktionen der Linken. Nachdem der Film nun in Frankreich gezeigt worden ist und auch hier Gras über die Sache gewachsen ist, ist der Film gestern gestartet worden, und Verleih und Kino hoffen, dass nichts passiert“.

Rudolph Thome, Tagespiegel 2.1.1976
 
 
21:00 „Liebe ist kälter als der Tod“ (1969, 88‘)
(Deutsch mit englischen und griechischen Untertiteln)
 
Einführung: Lefteris Adamidis, Filmkritiker
 
Darsteller: Ulli Lommel, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder, Hans Hirschmüller u.a.

 
Der kleine Zuhälter Franz weigert sich einem Verbrechersyndikat beizutreten. Das Syndikat gibt scheinbar nach, setzt aber den schoenen Bruno auf ihn an. Franz liebt Bruno. Bruno, den die Polizei nicht kennt, begeht Morde, die dem Franz angelastet werden …
 
„Mir geht es darum, dass das Publikum, das diesen Film sieht, die eigenen ganz privaten Gefühle überprüft. Ja, darum geht es mir, um sonst gar nichts erst mal in diesem Film. Das finde ich politischer oder politisch aggressiver und aktiver, als wenn ich die Polizei als die großen Unterdrücker zeige. Das würde mich gar nicht interessieren im Moment. Im Moment gehe ich dagegen an, dass Leute heiraten zum Beispiel, dass Leute total sinnlos Kinder in die Welt setzen, ohne sich weiter Gedanken zu machen, oder dass Leute meinen, dass man sich zu dem und dem Zweck gern haben muss, obwohl sie gar nicht wissen, was da ist, wenn sie jemanden gern haben“.
Rainer Werner Fassbinder, 1969

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