Deutsch-griechisches Theater IPHIGENIE

Iphigenie @MEYER ORIGINALS

Fr, 13.10.2017

Stiftung Michael Cacoyannis

Peiraios 206
177 78 Tavros

von Kostas Papakostopoulos nach Euripides’ „Iphigenie in Aulis“

Iphigenie“ von Kostas Papakostopoulos ist das zweite Werk einer vom Regisseur konzipierten Trilogie mit dem Titel „Geliebte Hybris“ zur Krise der Demokratie in Europa. Der Zyklus begann 2015 mit „Antigone“ und wurde in der Spielzeit 2016/17 mit „Iphigenie“ fortgesetzt. In diesem Stück widmet sich das Deutsch-Griechische Theater einem weiteren Aspekt der europäischen Krise: dem Umgang mit dem Flüchtling.
 
Griechenland, als eine Union der freien Völker, deutet hier das Europa der Gegenwart an. Das Projekt Troja steht sinnbildlich für dessen oberstes Ziel: die Eroberung der globalen Märkte. Die Ankunft der Flüchtlinge gefährdet im neuen Stück die Einigkeit der Union. Sogar ihre Zukunft gerät in Gefahr, schnelle Lösungen sind gefragt. Die Zeit vergeht, das Bündnis der Feldherren wird brüchiger, die Wut der Völker wächst. Ein Opfer muß her, und es ist Iphigenie, die die Lösung bringen kann. Iphigenie, die als Flüchtling in Aulis ankommt, hofft auf Schutz in der Union der Demokratie und der Freiheit. Agamemnon, der oberste Feldherr des Bündnisses – dargestellt wird seine Rolle von einer Frau –, steht vor einem existenziellen Dilemma. Die Opferung Iphigenies – nämlich das Schließen der Grenzen der Union – würde für ihn zugleich die Opferung der ureigenen humanistischen Werte fordern, die er selbst, als Wächter der Ideale des Bündnisses, vertritt und propagiert. Doch ist es der einzige Weg, dem Druck der internen Rivalen standzuhalten. Oder aber er selbst wird der Wut der Bürger als Nächstes zum Opfer fallen. Angetrieben von den freien Völkern und den Intrigen seiner Anführer muss Agamemnon eine Entscheidung treffen: zwischen Gewissen, Pflicht und dem ungezügelten Wunsch nach Machterhalt.
 
In der ersten Hälfte des Jahres 2016 hat Papakostopoulos gemeinsam mit Flüchtlingen in Köln einen Film gedreht, in dem die Neuankömmlinge von ihrer Flucht und von ihren Hoffnungen und Wünschen in der neuen, fremden Heimat berichten. Anschließend hat der Regisseur dieses Filmmaterial mit eigenen Texten und Fragmenten der Tragödie „Iphigenie in Aulis“ von Euripides verbunden und so das neue Stück erschaffen. Es entsteht eine Theaterperformance an der Schnittstelle zwischen Theater, Film und Dokumentation.
 
Für Schulklassen haben wir in diesem Jahr eine eigene Vorführung reserviert. Sie findet ebenfalls am 13. Oktober, in der Stiftung Michael Cacoyannis statt und beginnt um 11.30 Uhr. Wir empfehlen den Besuch für die 10. bis 12. Klasse. Im Anschluss an die Vorstellung steht der Regisseur und Autor Kostas Papakostopoulos für ein Gespräch mit den Schülern zur Verfügung. Der Besuch der Veranstaltung ist für Ihre Schule kostenfrei.

 

Zurück