Achtung und Antwort

Titelblatt der Apostolidis-Anthologie mit der Widmung der Schüler (Privatarchiv D.Vakalis) Titelblatt der Apostolidis-Anthologie mit der Widmung der Schüler (Privatarchiv D.Vakalis) | In Posadowsky Nachlass fanden sich 28 Übertragungen griechischer Lyrik von Solomos bis Karyotakis, entstanden hauptsächlich in den ersten Thessaloniker Jahren. Seinem einführenden Text vom Mai 1980 - als er damit befasst war, die von ihm autorisierten Übertragungen zusammenzustellen - entnehmen wir, dass er als Quelle auf die Sammlung Αποστολίδη Ανθολογία 1708-1972 (I.N. Apostolidis, Anthologie) verweist; einem Hinweis von Dorothee Vakalis folgend, in deren Besitz dieses Exemplar überging, handelt es sich um den Band A-M der 5. Auflage im Hestia Verlag (1953) mit der handschriftlichen Widmung einer Klasse vom 4.7.1959 an den „lieben Lehrer zur Erinnerung“.

Was bewog Posadowsky, gerade diese Auswahl zu treffen? Erstaunlich ist der hohe Anteil an sarkastisch-humorvollen, ja frivolen Texten. Dafür hatte er in der Tat ein Faible. Ein weiteres Kriterium dürfte der Grad an Übersetzbarkeit nach den von ihm angewandten Kriterien gewesen sein. In einem Vortrag über „Neugriechische Lyrik in deutscher Sprache“ hat er diese benannt:

  • Größte Treue in der Wiedergabe des Metrums.
  • Größte Treue in der Wiedergabe des Rhythmus.
  • Treue in der Wiedergabe des Sinns.
  • Wichtiger ist, den Rhythmus wiederzugeben als den Sinn. Denn der tiefste Sinn eines Kunstwerks steckt im Rhythmus“
  • „Den lieb´ ich, der Unmögliches begehrt“ (Goethe).
Wenn Übersetzen über die Anwendung dieser Kriterien hinaus eine Methode ist, Fremdes und Anderes bis in die Tiefenstrukturen hinein zu verstehen, dann hat Posadowsky als Lyrikübersetzer tatsächlich manches erreicht, was schier unmöglich erschien. Er hat aus einer Haltung des Respekts vor dem Text und der Achtung dem Autor gegenüber diesen verstanden und darauf in seiner eigenen Sprache geantwortet.