VORFÜHRUNGEN IM ONASSIS KULTURZENTRUM
FILM |17:00, 19:00, 21:00, Kleiner Saal
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Onassis Kulturzentrum
- Sprache s. einzelne Filme
- Preis Eintritt frei
- Teil der Reihe: WERNER HERZOG IN ATHEN
Präsentation der Filme: flix.gr
Griechisch mit englischer Übersetzung und Simultanübersetzung in die griechische Gebärdensprache
17:00
Dokumentarfilm
Drehbuch, Regie, Produktion: Werner Herzog
Auf einem mystischen Streifzug durch schamanische Rituale, orthodoxe Taufen und Exorzismen, bei einem Jesus-Imitator, bei Wunderheilern, übergroßen Frauen und verwaisten Glöcknern spürt Werner Herzog in einer seiner experimentellsten und freiesten Erzählformen die Spiritualität des russischen Volkes in ihrer ganzen Intensität auf, vom Glauben bis zur Hysterie. Legende und Aberglaube, seltsame menschliche Geschichten, die verzweifelte Hingabe an eine übergeordnete Macht und eine surrealistische Aura, die in wilden Realismus umschlagen kann, lassen die 1993 in Sibirien gedrehte Dokumentation selbst zu einem Meditationsritual werden. Der zweite Teil handelt von der Stadt Kitezh, die Gott der Legende nach unter einem See versenkt und damit die Hilferufe ihrer verzweifelten Bewohner erhört hat, die nach Schutz vor den dauernden Angriffen von Hunnen und Tataren gefleht hatten. Das Bild von Gläubigen, die ihr Ohr aufs Eis legen, um die Glocken aus den Tiefen der Geschichte zu hören, reicht aus als erschütternder Beweis für das Bedürfnis des Menschen, an etwas Übermenschliches zu glauben.
(Englisch/Deutsch/Russisch mit englischen und griechischen Untertiteln)
19:00
Dokumentarfilm
Drehbuch, Regie: Werner Herzog
Produktion: André Singer, Lucki Stipetic
Werner Herzog lässt sich von dem Vulkanologen Clive Oppenheimer zu aktiven Vulkanen in der ganzen Welt führen – von Äthiopien bis Nordkorea und von Island bis Indonesien gibt er sich ganz der Faszination hin, die Vulkane seit Beginn seiner Karriere auf ihn ausüben (1977 hatte er „La Soufrière“ gedreht, einen Dokumentarfilm über den Vulkan La Grande Soufrière in Guadeloupe). Die Erkundungsreise der beiden erschöpft sich nicht im Kontrast der spektakulären Schönheit der Bilder von Lavaeruptionen, Magmaströmen und Ascheregen zu deren zerstörerischer Kraft. Sie reicht weiter, dorthin, wo einem die Flüchtigkeit des menschlichen Lebens bewusst wird, hat Vulkantätigkeit doch nachweislich im Paläozoikum so gut wie alles Leben auf der Erde ausgelöscht. Herzog spricht mit Wissenschaftlern und Einwohnern der Vulkanregionen, aber auch mit Vulkanverehrern in aller Welt und lässt auf seine bezeichnende Art und mit seiner anregenden Erzählstimme die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion ein weiteres Mal verschwimmen. Er philosophiert auf Bildern, die einem den Atem verschlagen, macht die Narben der heißen Lava als ständige Warnung an die Menschheit kenntlich und nimmt den Zuschauer an die Hand zu einer unvergesslichen Erfahrungsreise in eine faszinierende Hölle.
(Englisch mit griechischen Untertiteln)
21:00
Kurzfilm
Drehbuch, Regie, Produktion: Werner Herzog
Mit Polizeigewalt ist der letzte Bewohner von der kleinen Insel Spinalonga vor Kreta geholt worden, die Griechenland von 1903 bis 1957 offiziell als Leprakolonie gedient hat. Er lebt nun in Elounda auf Kreta, bleibt den ganzen Tag allein zu Hause, spielt abends in den Kaffeehäusern die kretische Lyra und singt dazu, wiederholt aber immer wieder, kein Wort mehr sprechen zu wollen. Der Film, der zwischen den Dreharbeiten zu Herzogs erstem Kinofilm „Lebenszeichen“ in drei Tagen (wie Herzog behauptet vor allem in drei Nächten) gedreht und an einem Tag geschnitten wurde, ist Fiktion im Format eines Pseudo-Dokumentarfilms. Die Idee vom letzten Bewohner von Spinalonga stammt von Herzog, inwieweit sie einen authentischen Hintergrund hat, bleibt ungeklärt. Der Darsteller ist ein tatsächlich sehr bekannter Lyra-Spieler. Während er sich zu sprechen weigert, sind alle um ihn herum damit beschäftigt, zu erklären, was mit ihm geschehen sein könnte. Die Aussagen seiner Mitmenschen muten in ihrer Wiederholung fast schon liturgisch an und verlieren letztendlich ihre Bedeutung.
Fasziniert von dem gespenstischen Ort der verlassenen Leprakolonie, den Kretern, ihrer traditionellen Lyra-Musik und der Theatralik ihrer Prosa - die in harmonischem Gegensatz zur Spontanität der Laiendarsteller steht - verschafft Herzog mit den „Letzten Worten“ dem Absurden einen kleinen Triumph, dem es gleichzeitig gelingt, zur existentiellen Deutung von Wortgewalt überhaupt zu werden – im Kino, im Leben, in der Menschheitsgeschichte.
Preis für den besten Kurzfilm auf dem Festival von Oberhausen 1968.
(Griechisch mit englischen Untertiteln)
Spielfilm
Drehbuch, Regie, Produktion: Werner Herzog
Μusik: Stavros Xarchakos
Darsteller: Peter Brogle, Wolfgang Reichmann, Athina Zacharopoulos, Wolfgang von Ungern-Sternberg, Werner Herzog u.a.
Der deutsche Fallschirmspringer Stroszek wird nach einer Gefechtsverwundung zur Genesung auf eine griechische Insel geschickt. In einer verlassenen Hafenfestung lebt er mit seiner Frau Nora und zwei weiteren Wehrmachtssoldaten, dem ungehobelten Mainhardt und dem introvertierten Becker, einem erklärten Bewunderer der griechischen Antike. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, ein Munitionslager innerhalb der Festung zu bewachen. Die Untätigkeit und Langeweile unter der gleißenden Sonne beginnen sie zu zermürben und ihren Bezug zur Wirklichkeit aufzuweichen.
Herzog schrieb das Drehbuch zu seinem ersten Spielfilm mit 19 und realisierte die Dreharbeiten im Alter von 24 Jahren. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit, von der Herzog später erfuhr, dass sie die Vorlage für Ludwig Achim von Arnims Erzählung „Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau“ gewesen war, die 1818 erschien. Gedreht wurde „Lebenszeichen“ mit einer gestohlenen 35mm Kamera und 20.000 Dollar, die Herzog bei einem Drehbuch-Wettbewerb in Deutschland gewonnen hatte, in Elounda auf Kreta und auf der Dodekanes-Insel Kos, wo sein Großvater, der berühmte Archäologe Rudolf Herzog viele Jahre gearbeitet hatte.
Auch wenn Herzogs Handschrift in seinem Debütfilm noch akademischer ist als in seinem späteren unkonventionellen Spielfilmwerk, ist „Lebenszeichen“ bereits ein grandioser Einstieg in das Leitmotiv seiner fast obsessiven Sicht auf den Menschen, der gegen seine Natur und deren Gesetze aufbegehrt – und scheitern muss. Der Kontrapunkt von moderner (im Abspann hören wir Musik von Stavros Xarchakos) und klassischer Musik (Chopin), die Naturlandschaft als ein Hauptdarsteller (ebenso komplex wie die Charaktere der Soldaten, was stark von der damals üblichen eindimensionalen Darstellung im Kino abweicht) und ein diffuses Gefühl für die kleine menschliche Geschichte, die sich in einem ökumenischen Apell gegen den Krieg verdichtet, machen „Lebenszeichen“ zu einem der richtungsweisenden Filme in Herzogs Werk. Ausgezeichnet wurde er mit dem Sonderpreis der Jury für erste Spielfilm-Regie auf dem Internationen Filmfestival Berlin 1968.
(Deutsch mit englischen und griechischen Untertiteln)
Filmtexte: flix.gr
Übersetzung aus dem Griechischen: Corinna Jessen
Griechisch mit englischer Übersetzung und Simultanübersetzung in die griechische Gebärdensprache
17:00
GLOCKEN AUS DER TIEFE – Glaube und Aberglaube in Russland (D 1993, 60´)
Drehbuch, Regie, Produktion: Werner Herzog
Auf einem mystischen Streifzug durch schamanische Rituale, orthodoxe Taufen und Exorzismen, bei einem Jesus-Imitator, bei Wunderheilern, übergroßen Frauen und verwaisten Glöcknern spürt Werner Herzog in einer seiner experimentellsten und freiesten Erzählformen die Spiritualität des russischen Volkes in ihrer ganzen Intensität auf, vom Glauben bis zur Hysterie. Legende und Aberglaube, seltsame menschliche Geschichten, die verzweifelte Hingabe an eine übergeordnete Macht und eine surrealistische Aura, die in wilden Realismus umschlagen kann, lassen die 1993 in Sibirien gedrehte Dokumentation selbst zu einem Meditationsritual werden. Der zweite Teil handelt von der Stadt Kitezh, die Gott der Legende nach unter einem See versenkt und damit die Hilferufe ihrer verzweifelten Bewohner erhört hat, die nach Schutz vor den dauernden Angriffen von Hunnen und Tataren gefleht hatten. Das Bild von Gläubigen, die ihr Ohr aufs Eis legen, um die Glocken aus den Tiefen der Geschichte zu hören, reicht aus als erschütternder Beweis für das Bedürfnis des Menschen, an etwas Übermenschliches zu glauben.
(Englisch/Deutsch/Russisch mit englischen und griechischen Untertiteln)
19:00
INTO THE INFERNO (UK/Ö 2016, 104´)
Drehbuch, Regie: Werner Herzog
Produktion: André Singer, Lucki Stipetic
Werner Herzog lässt sich von dem Vulkanologen Clive Oppenheimer zu aktiven Vulkanen in der ganzen Welt führen – von Äthiopien bis Nordkorea und von Island bis Indonesien gibt er sich ganz der Faszination hin, die Vulkane seit Beginn seiner Karriere auf ihn ausüben (1977 hatte er „La Soufrière“ gedreht, einen Dokumentarfilm über den Vulkan La Grande Soufrière in Guadeloupe). Die Erkundungsreise der beiden erschöpft sich nicht im Kontrast der spektakulären Schönheit der Bilder von Lavaeruptionen, Magmaströmen und Ascheregen zu deren zerstörerischer Kraft. Sie reicht weiter, dorthin, wo einem die Flüchtigkeit des menschlichen Lebens bewusst wird, hat Vulkantätigkeit doch nachweislich im Paläozoikum so gut wie alles Leben auf der Erde ausgelöscht. Herzog spricht mit Wissenschaftlern und Einwohnern der Vulkanregionen, aber auch mit Vulkanverehrern in aller Welt und lässt auf seine bezeichnende Art und mit seiner anregenden Erzählstimme die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion ein weiteres Mal verschwimmen. Er philosophiert auf Bildern, die einem den Atem verschlagen, macht die Narben der heißen Lava als ständige Warnung an die Menschheit kenntlich und nimmt den Zuschauer an die Hand zu einer unvergesslichen Erfahrungsreise in eine faszinierende Hölle.
(Englisch mit griechischen Untertiteln)
21:00
LETZTE WORTE (BRD 1968, 13´)
Drehbuch, Regie, Produktion: Werner Herzog
Mit Polizeigewalt ist der letzte Bewohner von der kleinen Insel Spinalonga vor Kreta geholt worden, die Griechenland von 1903 bis 1957 offiziell als Leprakolonie gedient hat. Er lebt nun in Elounda auf Kreta, bleibt den ganzen Tag allein zu Hause, spielt abends in den Kaffeehäusern die kretische Lyra und singt dazu, wiederholt aber immer wieder, kein Wort mehr sprechen zu wollen. Der Film, der zwischen den Dreharbeiten zu Herzogs erstem Kinofilm „Lebenszeichen“ in drei Tagen (wie Herzog behauptet vor allem in drei Nächten) gedreht und an einem Tag geschnitten wurde, ist Fiktion im Format eines Pseudo-Dokumentarfilms. Die Idee vom letzten Bewohner von Spinalonga stammt von Herzog, inwieweit sie einen authentischen Hintergrund hat, bleibt ungeklärt. Der Darsteller ist ein tatsächlich sehr bekannter Lyra-Spieler. Während er sich zu sprechen weigert, sind alle um ihn herum damit beschäftigt, zu erklären, was mit ihm geschehen sein könnte. Die Aussagen seiner Mitmenschen muten in ihrer Wiederholung fast schon liturgisch an und verlieren letztendlich ihre Bedeutung.
Fasziniert von dem gespenstischen Ort der verlassenen Leprakolonie, den Kretern, ihrer traditionellen Lyra-Musik und der Theatralik ihrer Prosa - die in harmonischem Gegensatz zur Spontanität der Laiendarsteller steht - verschafft Herzog mit den „Letzten Worten“ dem Absurden einen kleinen Triumph, dem es gleichzeitig gelingt, zur existentiellen Deutung von Wortgewalt überhaupt zu werden – im Kino, im Leben, in der Menschheitsgeschichte.
Preis für den besten Kurzfilm auf dem Festival von Oberhausen 1968.
(Griechisch mit englischen Untertiteln)
LEBENSZEICHEN (BRD 1968, 87´)
Drehbuch, Regie, Produktion: Werner Herzog
Μusik: Stavros Xarchakos
Darsteller: Peter Brogle, Wolfgang Reichmann, Athina Zacharopoulos, Wolfgang von Ungern-Sternberg, Werner Herzog u.a.
Der deutsche Fallschirmspringer Stroszek wird nach einer Gefechtsverwundung zur Genesung auf eine griechische Insel geschickt. In einer verlassenen Hafenfestung lebt er mit seiner Frau Nora und zwei weiteren Wehrmachtssoldaten, dem ungehobelten Mainhardt und dem introvertierten Becker, einem erklärten Bewunderer der griechischen Antike. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, ein Munitionslager innerhalb der Festung zu bewachen. Die Untätigkeit und Langeweile unter der gleißenden Sonne beginnen sie zu zermürben und ihren Bezug zur Wirklichkeit aufzuweichen.
Herzog schrieb das Drehbuch zu seinem ersten Spielfilm mit 19 und realisierte die Dreharbeiten im Alter von 24 Jahren. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit, von der Herzog später erfuhr, dass sie die Vorlage für Ludwig Achim von Arnims Erzählung „Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau“ gewesen war, die 1818 erschien. Gedreht wurde „Lebenszeichen“ mit einer gestohlenen 35mm Kamera und 20.000 Dollar, die Herzog bei einem Drehbuch-Wettbewerb in Deutschland gewonnen hatte, in Elounda auf Kreta und auf der Dodekanes-Insel Kos, wo sein Großvater, der berühmte Archäologe Rudolf Herzog viele Jahre gearbeitet hatte.
Auch wenn Herzogs Handschrift in seinem Debütfilm noch akademischer ist als in seinem späteren unkonventionellen Spielfilmwerk, ist „Lebenszeichen“ bereits ein grandioser Einstieg in das Leitmotiv seiner fast obsessiven Sicht auf den Menschen, der gegen seine Natur und deren Gesetze aufbegehrt – und scheitern muss. Der Kontrapunkt von moderner (im Abspann hören wir Musik von Stavros Xarchakos) und klassischer Musik (Chopin), die Naturlandschaft als ein Hauptdarsteller (ebenso komplex wie die Charaktere der Soldaten, was stark von der damals üblichen eindimensionalen Darstellung im Kino abweicht) und ein diffuses Gefühl für die kleine menschliche Geschichte, die sich in einem ökumenischen Apell gegen den Krieg verdichtet, machen „Lebenszeichen“ zu einem der richtungsweisenden Filme in Herzogs Werk. Ausgezeichnet wurde er mit dem Sonderpreis der Jury für erste Spielfilm-Regie auf dem Internationen Filmfestival Berlin 1968.
(Deutsch mit englischen und griechischen Untertiteln)
Filmtexte: flix.gr
Übersetzung aus dem Griechischen: Corinna Jessen