VORFÜHRUNGEN IM GOETHE-INSTITUT ATHEN

FILM |17:00, 19:00, 21:30

  • Goethe-Institut Athen, Athen

  • Sprache s. einzelne Filme
  • Preis Eintritt frei
  • Teil der Reihe: WERNER HERZOG IN ATHEN

Land des Schweigens @ Werner Herzog Film GmbH

17:00
LAND DES SCHWEIGENS UND DER DUNKELHEIT (BRD 1971, 85´)
Dokumentarfilm
Drehbuch, Regie, Produktion: Werner Herzog
 
Die 56jährige Fini Straubinger ist in Folge eines Treppensturzes im Kindesalter seit ihrem 18. Lebensjahr taubblind. 30 Jahre hat sie im Bett verbracht, ihre Unbeweglichkeit aber schließlich überwunden. Inzwischen widmet sie sich ihren Leidensgenossen, die meist von Geburt an taubblind sind. Sie fährt durch Deutschland und besucht diese Menschen zu Hause und in verschiedenen Einrichtungen, trifft sich mit ihnen zu Ausflügen. Da sie alle weder sehen noch hören können, kommunizieren sie über das Lormen- Alphabet, das auf manueller Berührung in der Handfläche beruht. Fini Straubinger hat noch sprechen gelernt und gibt Einblicke in die Lebenssituation von Menschen, denen die elementarsten Mittel zur Kommunikation fehlen. Werner Herzog begleitet sie auf ihrer eindrücklichen Reise, die mit der Schilderung ihrer anfänglich prekären Hilfsbedürftigkeit beginnt und in einer Achterbahn der Gefühle endet, gipfelnd in dem Triumph, dass menschliche Kommunikation sich ihren Weg bahnen kann.
 
Zutiefst berührend und mit sinnlicher Kraft ist diese Reise in das „Land des Schweigens und der Dunkelheit“ ohrenbetäubend laut und taghell mitreißend. Der Film zeigt Werner Herzogs großartigen Blick auf die unsichtbarste geistige, aber gleichzeitig auch körperliche Seite der Kommunikation, die Menschwerdung erst möglich macht.
 
(Deutsch/Deutsche Gebärdensprache mit griechischen Untertiteln)

 
19:00
STROSZEK (BRD 1976, 116´)
Stroszek @ Werner Herzog Film GmbH Spielfilm
Drehbuch, Regie, Produktion: Werner Herzog
Darsteller: Bruno S., Eva Mattes, Clemens Scheitz, Wilhelm von Homburg u.a.
 
Der Berliner Straßensänger Bruno Stroszek kommt wieder einmal aus dem Knast. Zurück in seiner Wohnung findet er noch alle seine geliebten Habseligkeiten vor: die Ziehharmonika, das Klavier und seine sprechende Krähe. Eines Abends trifft Bruno in der Kneipe die Prostituierte Eva und nimmt sie mit nach Hause, um sie aus den Fängen ihrer Zuhälter zu befreien. Aber die finden sie ziemlich bald und bedrohen nun auch Bruno. So nehmen die beiden den Vorschlag von Brunos Nachbarn, dem alten Herrn Scheitz, an, gemeinsam nach Amerika auszuwandern und dort ihren Traum von einem besseren Leben zu verwirklichen.
 
Es ist der Film, den Ian Curtis von den Joy Division sich in den letzten Stunden vor seinem Tod angesehen hat und der Film, dem die Filmsprache von Jim Jarmusch wohl Einiges zu verdanken hat. „Stroszek“ ist so eigenwillig wie eine fröhliche Ballade über die menschliche Verzweiflung und so essentiell wie ein impulsives Roadmovie, das den „amerikanischen Traum“ mit dem nötigen Irrwitz und der gebotenen Melancholie einfängt.
 
Werner Herzog war vom wirklichen Leben seines Protagonisten Bruno S. - der sich selbst spielt - stark beeindruckt und hat das Drehbuch in nur drei Tagen geschrieben. Gedreht wurde „Stroszek“ in Plainfield, Wisconsin, der Heimat des Serienmörders Ed Gein, dem die Hauptfigur in Alfred Hitchcocks „Psycho“ nachempfunden ist. David Lynch nennt „Stroszek“ seinen Lieblings-Herzog-Film (der ihn eindeutig auch zu den tanzenden Hühnern in „Eraserhead“ inspiriert hat). „Stroszek“ bleibt mit seinem ureigenen Charme das Fanal der freien, kompromisslosen, realistischen, der charakteristischen Handschrift Herzogs.
 
(Deutsch/Englisch mit griechischen Untertiteln)
 
21:30
JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE – Kaspar Hauser (BRD 1974, 109´)
Jeder für sich @ Werner Herzog Film GmbH Spielfilm
Drehbuch, Regie, Produktion: Werner Herzog
Darsteller: Bruno S., Walter Ladengast, Brigitte Mira, Hans Musäus, Willy Semmelrogge, Michael Kroecher, Henry van Lyck, Enno Patalas, Kidlat Tahimik, Herbert Achternbusch u.a.
 
Kaspar Hauser ist angekettet und isoliert von der Außenwelt in einem engen Keller gefangen. Bis auf einen Fremden, der ihm Essen bringt, bekommt er keinen Menschen zu Gesicht und spricht mit niemandem. Er schläft und isst, lebt im Dunkeln wie ein Tier. Eines Tages zieht ihn der Fremde aus dem Verlies und bringt ihm notdürftig bei, ein paar Sätze zu sprechen, zu laufen und aufrecht zu stehen. Dann überlässt er Hauser mitten in der Stadt sich selbst, nachdem er ihm einen Brief an die Behörden mit der Aufforderung in die Hand gedrückt hat, sie mögen sich um ihn kümmern. Die irritierten Bürger wissen nicht, wie sie sich dem sonderbaren Mann gegenüber verhalten sollen. Hauser wird in einem Zirkus der Neugierde der Öffentlichkeit ausgesetzt bis ihn Professor Daumer unter seinen Schutz stellt. Daumer lehrt ihn nicht nur zu sprechen, zu schreiben und zu lesen, sondern erteilt ihm auch Unterricht in Musik, Logik und Ethik und ist erstaunt über seine Lernfähigkeit.
 
Werner Herzog hat sich von der überlieferten Geschichte eines 16jähringen Jünglings inspirieren lassen, der im 19. Jahrhundert völlig verwahrlost in Nürnberg aufgegriffen wurde. Ausgehend von dieser Vorlage hat Herzog vollendet, was viele für sein großes Meisterwerk halten: einen offenbarenden Filmessay über die (unbekannte) menschliche Natur, eine Anklage gegen die (bekannte) menschliche Grausamkeit, ein Märchen erwachsen aus der abscheulichsten Wirklichkeit. Lyrisch, poetisch, hart, witzig und genau da menschlich, wo man es nicht erwartet. Der Film lebt von der radikalen Anti-Interpretation des Kaspar Hauser durch den Laienschauspieler Bruno S. und der Titel könnte für Herzogs Gesamtwerk stehen. „Jeder für sich und Gott gegen alle“ hat ihm den Großen Preis der Jury des Festivals von Cannes eingebracht und bleibt eine der großen und maßgeblichen Sternstunden des modernen europäischen Kinos.
 
(Deutsch mit griechischen Untertiteln)
 
Filmtexte: flix.gr
Übersetzung aus dem Griechischen: Corinna Jessen