Fotografie-Ausstellung | Martin Barzilai Ghost Cemetery

Ghost Cemetery - Martin Barzilai ©Martin Barzilai

Di, 17.10.2023 –
So, 10.12.2023

18:00 Uhr

Jüdisches Museum von Thessaloniki

Thessaloniki PhotoΒiennale 2023

Nach der Reconquista vertrieb die katholische Königin Isabella mit dem Dekret von Alhambra 1492, die Juden aus Spanien. Das Osmanische Reich nahm die jüdische Bevölkerung auf, insbesondere auf dem Balkan und in Thessaloniki, wo sie im 17. Jahrhundert die Hälfte der Stadtbevölkerung ausmachten.

In den 1920er Jahren war die jüdische Bevölkerung von Thessaloniki gegenüber der griechisch-orthodoxen und der türkischen Gemeinde in der Mehrheit. Dadurch behielten die Juden von Thessaloniki ihre Sprachen bei - Spanisch-Jüdisch oder Latino. Der jüdische Friedhof war der größte in Europa und stammte aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Man schätzt, dass er 300.000 bis 500.000 Gräber enthielt. 1942 war die Stadt bereits seit einem Jahr unter deutscher Besatzung und die Deutschen zwangen der jüdischen Gemeinde ein unfaires Geschäft auf. Sie verlangten von der Gemeinde 3,5 Milliarden Drachmen als Gegenleistung für die Freilassung von 3.500 Gemeindemitgliedern, die unter harten Bedingungen Zwangsarbeit verrichten mussten. Zwei Milliarden in bar wurden von der Gemeinde gesammelt, und für 1,5 Milliarden wurde der Friedhof enteignet. Die örtliche christliche Bevölkerung, die vor dem Krieg versucht hatte, das begehrte Gebiet für ihre Zwecke zu nutzen, wurde damit zufriedengestellt.

Die Grabsteine wurden von den Deutschen als Baumaterial verwendet und dann von den Christen auf den Plätzen,
z. B. rund um den Weißen Turm, bei der Renovierung von 24 Kirchen, darunter St. Demetrios, und bei öffentlichen Bauvorhaben wie der Einfriedung des neuen Bahnhofs benutzt. Sie wurden und sind aber auch heute noch in zahlreichen privaten Räumen eingesetzt, sodass sie überall in der Stadt und ihrer Umgebung zu finden sind.
Zu dieser kulturellen Auslöschung kommt noch die physische Auslöschung der Gemeinschaft hinzu. Sie fand vor allem ab Februar 1943 mit der Umsetzung der Nürnberger Gesetze statt, die die Verwendung des gelben Sterns und Verkehrsbeschränkungen vorschrieben. Die Deportationen fanden von März bis August 1943 statt, bei der etwa 54.000 Juden aus Thessaloniki vernichtet wurden. Das entsprach 96% der jüdischen Bevölkerung vor Ort. Nur bei der polnischen Gemeinde war die Vernichtungsrate noch höher. Die meisten Juden von Thessaloniki starben in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau. Heute befindet sich an der Stelle des jüdischen Friedhofs der Campus der Aristoteles-Universität Thessaloniki.

Durch die Fotoausstellung von Martin Barzilai haben die Besucher die Möglichkeit, Orte, die sie bereits kennen, wiederzuerkennen und sie aus einer anderen Perspektive zu sehen. Der Fotograf konzentriert sich auf die Überreste zerstörter Grabsteine, die in verschiedenen Teilen der Stadt aufgestellt wurden und als Baumaterial für Denkmäler, Gebäude und Gehwege dienten bzw. dienen. Durch die Lektüre der Begleittexte zu den Fotografien wird der Besucher in die Lage versetzt, das widersprüchliche historische Ereignis der Zerstörung der alten jüdischen Nekropole zu verstehen.

–   Dauer: 17.10. - 10.12.2023
–   Veranstaltungsort: Jüdisches Museum von Thessaloniki
–   Öffnungszeiten:
ΜO | DI | DO | FR > 9.00-14.00,
MI > 9.00-14.00 & 17.00-20.00,
SO > 10.00-14.00
–   Eröffnung: Dienstag, 17. Oktober, 18.00 Uhr
 
KÜNSTLERBIOGRAPHIE
Martin Barzilay wurde in Montevideo, Uruguay, geboren. Nach seinem Abschluss 1994 an der Ecole Nationale Supérieure Louis-Lumière reiste er nach Südamerika, wo er sich auf politische und soziale Probleme konzentrierte. Außerdem hat er mehrere Fotoreportagen über Israel, Palästina und Tunesien veröffentlicht. Er arbeitet für zahlreiche französische (Le Monde, L'Obs, Courrier International, usw.) und internationale (New York Times, Rolling Stone, usw.) Publikationen. Er kombiniert Aufträge aus den verschiedenen Publikationen mit den Arbeiten des freischaffenden Fotografen. Neben Barcelona, Montevideo und Buenos Aires unterrichtet er jetzt Fotografie auch in Paris. Er wurde für die Teilnahme an der Nationalen Ausstellung der visuellen Künste Argentiniens (2014 und 2015) ausgewählt. Er erhielt den ersten Preis für ein Scrapbook beim Rendez-Vous Image Festival in Straßburg für "Refuzniks", veröffentlicht von Libertalia (2018). Seine Werke wurden in Paris, Barcelona, Sao Paulo, Buenos Aires, Montevideo und Los Angeles ausgestellt.

Mitveranstalter sind das Jüdische Museum Thessaloniki, die Jüdische Gemeinde Thessaloniki, das Goethe-Institut Thessaloniki, die Heinrich-Böll-Stiftung - Büro Thessaloniki
 

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