FILM Portrait des Vaters zu Zeiten des Krieges (D-F-GR, 2016, 88 Min.)

Nelly (Ausschnitt) © Timon Koulmasis

Mo, 24.10.2016

Goethe-Institut Athen

Omirou 14-16
106 72 Athen

Nelly (Ausschnitt)

Ein Dokumentarfilm von Timon Koulmasis - Uraufführung

„Wie kann man durch Denken, durch
Poesie der Barbarei widerstehen?“
„Dann kam unerwartet und unbegriffen das Schicksalsschwere. Im Abendrot des Humanismus. Der Angriff richtet sich gegen den Menschen als solchen. Es ist das Problem ob der technische Roboter, ob der fanatisch Ichgläubige, ob der dämonisierte Massenmensch siegen wird oder ob es Europa weiter geben soll: Goethe und Hegel. Menschen mit Werten. Der Nagel, an dem die Welt hängt bricht. Es fragt sich, ob er neu einzuschlagen ist.“
Petros Koulmasis, Autor, Publizist (1914-2003)
 
Nicht heute, sondern am 17. August 1944 geschrieben. Brief an die Geliebte aus einem wütenden Krieg? Gedanken aus einer untergehenden (vielleicht schon untergegangenen) Welt an die heutige gerichtet?
 
„Ich bin ein unverbesserlicher Optimist. Ich glaube wieder an die Besseren. Ich habe immer auf sie gesetzt, hab schwer verloren – und habe doch recht!“
 
Petros Koulmasis‘ Sohn, Timon Koulmasis, wie sein Vater als Grieche in Deutschland geboren, den Widerstand seiner dort lebenden Familie gegen die griechische Obristendiktatur sowie die deutsche Geschichte der bewegten siebziger Jahre aus engster Nähe mit erlebend, heute in Paris und in Athen arbeitend, in Erinnerung und Film zuhause, ist so „unverbesserlich“ wie sein Vater: er filmt mit Schmerz und Hoffnung auf die Poesie im Leben dessen Briefe (1939-1944) an die geliebte Malerin und Bildhauerin Nelly Andrikopoulou (1921-2014); er setzt, genauso wie sein Vater, immer wieder gegen die Barbarei; er setzt auf den Film und das menschenwürdige Leben.
 
Dresden in schwarz-weiß, Erinnerung, die darum verwoben ist, ein Schlüsselloch in die Geschichte; Petros Koulmasis, der Weltbürger und stets überall der Fremde, in den nachdenklichen Farben des deutschen Waldes; das Deutsche Wissenschaftliche Institut in Athen (1941-1944), die seltsame Gestalt seines Leiters Rudolf Fahrner und dessen intime Verbindung zu den Brüdern Stauffenberg, Kamerafahrten, mal scharf, mal andeutend, zwischen den handgeschriebenen Zeilen, zwischen den Ländern, nach inneren Wahrheiten suchende Blicke. Und Athen hell und licht - trotz allem; von der Omirou Straße her blickt Nelly, gleichsam die Führerin im Film, dem Briefeschreiber, der deutschen Besatzungszeit in Athen, uns heute, mutig und frei und stark entgegen.
Ihre Briefe an Petros Koulmasis sind verloren, aber Timon Koulmasis lässt sie in seinem Film antworten. Und die Antwort ist entwaffnend, versöhnend.
 
„In Portrait des Vaters zu Zeiten des Krieges gebe ich nicht vor zu wissen, sondern versuche zu verstehen und Dinge, die in den Bildern allein nicht zu sehen sind, in Zusammenhängen zwischen den Bildern sichtbar zu machen. Der Film ist keine Chronik ’historischer’ Ereignisse, sondern eine Reihe von im Laufe der Geschichte erlebter und gelebter Momente.“
Timon Koulmasis
 
Im Anschluss an die Vorführung Gespräch mit
 
  • Timon Koulmasis
  • Dr. Phaedra Koutsoukou, Historikerin-Pädagogin
  • Eva Stefani, Dokumentaristin, Ass. Professorin für Geschichte und Theorie des Films, Universität Athen
 
Moderation: Prof. Nikolaos Tzavaras, Psychiater, Psychoanalytiker
  Produktion:
Lichtblick Film, Aia Films, WDR, ERT, CNC –
In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Athen

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