Symposium BOTANIC FICTIONS Symposium

Queen Frederica @ www.agathe.gr

Sa, 14.09.2019

Agricultural University of Athens - Multifunktionsraum

Iera Odos 75
118 55 Athen

Queen Frederica planting a lauer tree at the Agora

On the Political Narratives of Plants

Pflanzen sind zwar schön anzusehen, gelten aber oft als passive Objekte. Pflanzen besitzen jedoch Handlungsmacht, sie sind Zeugen der Historizität und erzählen aktiv vom menschlichen Handeln und Geschehen – so gesehen können wir Pflanzen als Medium und nicht als Hintergrund politischer oder gesellschaftlicher Praktiken verstehen. Das Symposium „Botanic Fictions. On the Political Narratives of Plants“ versammelt drei Beispiele für politische Bedeutung, die durch botanische Metaphern oder Agenten erzählt werden. Die Schriftstellerin und Forscherin Chanelle Adams und die Künstlerinnen Natasa Biza und Sung Tieu sprechen über Pflanzenmedizin und kolonialistische französische Propaganda, über das Infragestellen institutioneller Macht und ein kryptokoloniales Athen sowie über die heimlichen und auf Blumen beruhenden politischen Strategien vietnamesischer Arbeitsmigranten nach der deutschen Wiedervereinigung.
 
Chanelle Adams
Pflanzenpropaganda: Marseille, Madagaskar, Heilpflanzen (1893-1916) [Arbeitstitel]
Was können uns getrocknete Pflanzen über den Kolonialismus sagen? Ausgehend von den Pflanzensammlungen im Herbarium des Kolonialmuseums von Marseille untersucht diese Studie die Konservierung, Organisation und Präsentation von Pflanzen aus Madagaskar im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ich betrachte Pflanzenheilkunde als Kulturgut und dokumentiere die Anhäufung und Bedeutungszuschreibung im Arzneibuch von Madagaskar, wie es in das französische Kolonialarchiv aufgenommen wurde. Die Behandlung von Heilpflanzen aus Madagaskar im Archiv spiegelt sich in ehrgeizigen Narrativen, die in der Sprache des wissenschaftlichen Fortschritts abgefasst sind. Die Pflanzen dienten als Arm der kolonialen Propaganda, um industrielles Interesse, enzyklopädische Autorität und internationalen wissenschaftlichen Einfluss zu gewinnen.
 
Chanelle Adams (BA Brown University, 2015; MA École des hautes études en sciences sociales, 2017) ist Wissenschaftlerin, Künstlerin, Übersetzerin und Essayistin. Ihr multidisziplinärer Ansatz kartiert Verbindungen (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) zwischen dem therapeutischen Pflanzenwissen Madagaskars und der französischen Kolonialwissenschaft. Adams wurde mit zwei Fulbright-Stipendien ausgezeichnet und hat kürzlich an einem Residenzprogramm des Visual Arts Network of South Africa teilgenommen.
chanelleadams.info

 
Natasa Biza
A Plan for Planting (2014) beginnt mit einer Baumpflanzung, die von der American School of Classical Studies in den 1950er Jahren an der antiken Athener Agora veranstaltet wurde – eine Initiative, die auf die „Wiederherstellung“ der alten Flora der Stätte abzielte. Bizas Arbeit offenbart die Zufälligkeit von archivarischem Wissen, indem es sich auf die nicht einheimischen, heute vor Ort zu findenden Pflanzen konzentriert und so die offizielle Erzählung des Bepflanzungsplans in Frage stellt. Biza untersucht und testet durch die Verarbeitung von Archivmaterial und die Erstellung neuer Dokumentationen die Grenzen institutioneller Praktiken der Aufzeichnung und Archivierung und widersetzt sich dem Anspruch der Institution auf Deutungshoheit.

Natasa Biza studierte an der Athens School of Fine Arts und erwarb dort einen Master in Fines Arts. Sie ist eine Künstlerin, deren Arbeit oft um die Gebiete Archäologie, Geschichte und Anthropologie kreist und die die Methoden dieser wissenschaftlichen Gebiete wie Archivforschung und Interviews für ihre künstlerische Praxis nutzt. Ihre Arbeiten hinterfragen die Autorität und Deutungshoheit von Institutionen wie Archiven, Bibliotheken und Museen und deren jeweiligen Formen der Wissensproduktion. Natasa Biza lebt und arbeitet in Athen und Paros.
 
Sung Tieu
TROI OI ist ein Gemeinschaftsprojekt von Nhu Duong und Sung Tieu. Ihr erstes Projekt fand 2014 in verschiedenen vietnamesischen Blumenläden in Berliner U-Bahnhöfen statt und zeichnete die Geschichte vietnamesischer Arbeitsmigration in die DDR nach. Nach der Wiedervereinigung kündigte die Bundesregierung an, dass nur diejenigen, die selbst für ihren Unterhalt aufkommen konnten, eine Aufenthaltserlaubnis erhalten sollten. Daraufhin verlegten sich immer mehr ehemalige nordvietnamesische Gastarbeiter auf informelle Arbeit. Blumenstände wurden zu einer wichtigen Quelle der finanziellen Stabilität für die Gemeinschaft. Im Rahmen des Symposiums wird Tieu die Ideen und Gedankenstränge hinter dem Projekt vorstellen.
 
Die künstlerische Praxis von Sung Tieu umfasst Installationen, Performances und öffentliche Interventionen. Sung Tieu ist Teil mehrerer Kunstkollektive, darunter TROI OI, Asia Art Activism und East London Cable. Ihre nächsten institutionellen Einzelausstellungen finden im Haus der Kunst und im Museum Nottingham Contemporary statt (beide 2020), zu ihren kommenden Performances gehören Auftritte in der Tate Modern und in der David Roberts Foundation (beide 2019).
 
Das Symposium wird von der Kuratorin Anja Lückenkemper moderiert.

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