Ausstellung Amelie von Wulffen “Hedwigs Verrat”

Hedwigs Verrat @ Amelie von Wulffen

Di, 17.09.2019 -
Sa, 16.11.2019

Radio Athènes

Petraki 15
105 63 Athen

Malerei, Comics und ein Schrank

Mittwochs 16:00 -20:00 Uhr, samstags 13:00 -17:00 Uhr und nach Vereinbarung.
Eröffnung: 17.9.2019, 19:30 – 21:30 Uhr


„Hallo Flaumi, wir gehen zum See, um unser Spiegelbild zu betrachten, kommst Du mit?“, fragen die rautenförmigen Zeichen ihr bedrängtes junges Community-Mitglied Flaumi.
 
Wie in vielen Comics der Künstlerin mit ihren sprechenden Formen, kleinen Tieren, Obst und Gemüse, Galeristen, der Künstlerin selbst und ihrem Berliner Milieu erkundet Amelie von Wulffen in Flaumi is Developing Splendidly [Flaumi entwickelt sich prächtig] – eine der vier Geschichten, die anlässlich der Ausstellung bei Radio Athènes auf Englisch erschienen sind – die Wechselfälle der reflektierenden Repräsentation.
 
Der Spiegel (in diesem Fall der Fluss) als Aufzeichnungsfläche für visuelle Wahrnehmungen, aber auch als Oberfläche, hinter der Inhalte stecken – man denke nur an Alice hinter den Spiegeln –, kann als Metapher für die komplizierten Erzählungen im Bildraum von Amelie von Wulffen dienen. „Bin ich der Liebende oder der Geliebte – derjenige, der begehrt, oder derjenige, der begehrt wird?“, fragt Ovids Narziss, als er seinem Spiegelbild begegnet. Blicken wir auf das Verlangen der Malerin (bzw. ihre Fantasie) oder unser eigenes (bzw. unsere Fantasie)?
 
Die Grenzen zwischen persönlicher Erfahrung und gemeinsamen sozialen Ängsten, Ich und Introjekt, realer und imaginärer Zeit bzw. realem und imaginärem Raum explodieren in den Arbeiten von Amelie von Wulffen, die im Register des Unbewussten zu schürfen scheinen. Im Gegensatz zum Unbewussten des psychoanalytischen Subjekts, dessen Fantasien über Zeit und Raum nicht in Echtzeit und nicht im realen Raum stattfinden, begegnen wir hier jedoch dem Paradoxon der Gleichzeitigkeit: Kindheitserinnerungen, die Geschichte der Malerei, Szenen aus Netflix-Serien, Eiskremwerbung, Katzen, bayerische Landschaften, Liebende, Hunde und Innenräume fallen auf den Oberflächen der Künstlerin – darunter Materialien wie Leinwand, Holz und Papier bis hin zu Klavieren und gefundenen Möbelstücken wie antiken Schränke, Betten, Sofas und Schulstühlen – in sich zusammen.
 
Wie lässt sich der Tagtraum von dem eigentlichen Ereignis unterscheiden? Sind Autor und Held ein und dieselbe Person? Oder ist die Rolle des Künstlers (Subjekts) über die Erzählung verstreut? Ich denke hier nicht nur an die unerwarteten Verbindungen zwischen dem Zeitgenössischen und dem Unzeitgemäßen in vielen der Malereien und bleistiftgezeichneten Comics von von Wulffen – wenn sie sich zum Beispiel in ihrem autobiographischen Comic Am kühlen Tisch mit Francisco de Goya unterhält –, sondern auch an die Erzählung der Malerei als Medium und eine Art „spiralförmiger Nacherzählung“, die sich in den von der Künstlerin zitierten Malstilen manifestiert.
 
Pointiert und obskur, düster und witzig, und, so möchte ich behaupten, voller Zärtlichkeit zerdehnt Amelie von Wulffen „die Malerei und das Zeichnen in horizontaler Richtung, um sie in den Kaninchenbau des Alltäglichen zu schicken,“ wie die Künstlerin Amy Sillman einmal gesagt hat.
 
 
Amelie von Wulffen (geb. 1966 in Breitenbrunn/Oberpfalz, Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin.
 
Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen: Kunsthalle Bern, Bern (2019); Gio Marconi, Mailand (2018); Reena Spaulings, NY (2018); Studio Voltaire, London (2017); Galerie Barbara Weiss, Berlin (2016); Pinakothek der Moderne, München (2015); Freedman Fitzpatrick, Los Angeles (2015); Galerie Meyer Kainer, Wien (2015); Kunstforum Baloise, Basel (2014); und Gio Marconi Gallery, Mailand (2014). Unter ihren jüngsten Gruppenausstellungen sind: Universität für Angewandte Kunst, Wien (2019); Freedman Fitzpatrick, Los Angeles (2018); Oracle, Berlin (2018); Lulu, Mexico City (2018); Metro Pictures, New York (2017); Ludlow 38, New York (2017); Greene Naftali, New York (2017); Museum of Contemporary Art, Freiburg (2017); und MAMCO, Genf (2017). Eine Überblicksschau ihrer Arbeiten findet 2020 in den Kunstwerken Berlin statt.
 
Ihre Arbeiten sind Teil der Sammlungen der Pinakothek der Moderne, München; des Centre Pompidou, Paris; des Musée National d’Art Moderne, Paris; des Hammer Museum, Los Angeles; des Museum of Contemporary Art, Los Angeles; des MoMA, New York; des FRAC Auvergne, Clermont-Ferrand; und des Seattle Art Museum. 
 
Amelie von Wulffen ist Preisträgerin des Ruth Baumgarte Kunstpreises (2016).
 
 
Die Ausstellung wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung des
IFA






Die Publikation Amelie von Wulffen, Hedwig’s Betrayal: 4 Comics wurde ermöglicht durch Mittel des Goethe-Instituts.
 
Radio Athènes wird unterstützt von
Outset Contemporary Art Fund (Griechenland)

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