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Filmemacherin Beryl Magoko im Gespräch
„Mein Ziel war aufzuklären und Mut zu machen“

In Search...
In Search... | © Jule Katinka Cramer

Anlässlich der Vorführung ihres Dokumentarfilms In Search... auf dem Budapest International Documentary Festival 2020 sprachen wir mit Regisseurin Beryl Magoko über das Tabuthema der weiblichen Beschneidung.

Die Filmemacherin wurde als Kind in Kenia einem Ritual unterzogen, das bis heute viele Mädchen durchlaufen. Die Genitalverstümmelung ertrug sie unter furchtbaren Schmerzen als etwas, das zum Heranwachsen unabdingbar dazugehört. Heute weiß sie, dass es nicht so sein muss. In ihrem persönlichen und hochpolitischen Film konfrontiert die Regisseurin mit frappierender Offenheit, aber ohne Groll, die eigene Familie mit Fragen und Vorwürfen.


In Ihrem Dokumentarfilm „In Search…“ setzen Sie sich mit dem Tabuthema der weiblichen Beschneidung auseinander. Was für ein Weg hatte Sie zu diesem Film geführt und was war Ihr Ziel mit dem Film?
 
Als afrikanische Filmemacherin erzähle ich gerne Geschichten afrikanischer Frauen. Dazu gehört auch die relativ weit verbreitete Genitalverstümmelung. Da ich selbst betroffen bin, lag es nahe selbst zur Protagonistin zu werden. Das Ziel ist es, mehr Menschen aufzuklären und anderen betroffenen Frauen Mut zu machen.
 
Was waren für Sie während der Dreharbeiten die größten Herausforderungen als Regisseurin und als Protagonistin?
 
Die größte Herausforderung war, die beiden „Funktionen“ auseinander zu halten, auch weil die emotionalen Herausforderungen die Abgrenzung schwierig machten. Außerdem war es schwierig betroffene Frauen zu finden, die bereit waren, offen über ihre Operation zu sprechen.
 
Wie haben Sie die Frauen erreicht, die in Ihrem Film über ihre eigene Geschichte der Beschneidung erzählen?
 
Einen Teil der Frauen kannte ich vorher, die anderen habe ich durch eine lange Recherche gefunden. Bei einer jedoch hatte ich richtig Glück: Sie ist mir per Zufall vor die Kamera gekommen.
 
Wie wurde die weibliche Beschneidung im Dorf in Kenia, wo Sie aufgewachsen sind, behandelt, inwiefern hatten die Mädchen eine Möglichkeit, mit jemanden darüber zu sprechen?
 
Es war und ist noch immer ein Tabu, darüber zu sprechen. Inzwischen gibt es jedoch einige NGOs, die die Mädchen vor der Beschneidung beschützen und dort können die Mädchen Fragen stellen.
 
Mit wem haben Sie vor den Dreharbeiten Ihres Dokumentarfilmes über das Thema in Ihrer Familie, unter Ihren Verwandten oder Bekannten im Dorf gesprochen? Wie waren ihre Reaktionen auf Ihre Arbeit?
 
Schon bei meinem ersten Film „The Cut“ (2012) zum selben Thema habe ich mit Verwandten und anderen Dorfbewohnern gesprochen. Bei „In Search...“ habe ich ja auch mehrere Gespräche mit meiner Mutter geführt. Obwohl das Thema eigentlich Tabu ist, war sie sehr offen mit mir.
 
Im Film geht es nicht nur um die persönlichen Geschichten der Beschneidung, sondern auch um die Frage nach der Durchführung einer rekonstruktiven Operation. Wie viele Frauen haben tatsächlich die Möglichkeit zu einer solchen Operation zum Beispiel in Kenia?
 
Bis jetzt wurden fast 300 Mädchen und Frauen in Kenia operiert. Die Operation kostet im Vergleich zu Europa sehr wenig, trotzdem können es sich nur wenige Frauen leisten.

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