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Ein Gespräch mit Zsolt Horváth
Das Lächeln des Hasses | Romano Teatro

Das Lächeln des Hasses
Das Lächeln des Hasses | © Romano Teatro

Das neueste Stück von Romano Teatro, „Das Lächeln des Hasses”, befasst sich mit den Morden an Roma in Ungarn. Die Produktion ist Teil des Projekts Unzivilgesellschaft des Goethe-Instituts, das die Motive rechter Gewalt in Europa aus der Perspektive der Opfer und der betroffenen Gemeinschaften untersucht.

Wir haben mit dem Schauspieler Zsolt Horváth, Gründungsmitglied und Leiter des Romano Teatro, über die Arbeit und das neueste Stück des Theaters gesprochen.
 

Das Romano Teatro bringt seit mehr als 15 Jahren gesellschafts- und minderheitenbezogene Themen auf die Bühne. Was ist Ihr Hauptziel?

Unsere Zielsetzung besteht gerade darin, auf die Probleme in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Diese betreffen sowohl die Roma-Minderheit als auch die Mehrheitsgesellschaft.

Warum haben Sie das Theater als Medium gewählt?

Romano Teatro beschäftigt sich nicht nur mit dem Theater, sondern auch mit allen Aspekten und Segmenten der Kultur – wir organisieren Kunstausstellungen, Lesungen, Sportwochenenden. Es ist sehr wichtig, die Menschen – Roma und Nicht-Roma – einander näher zu bringen und die Gräben zu überbrücken, die in letzter Zeit in der Gesellschaft entstanden sind. Wir bauen und errichten Brücken, die frei überquert werden können, und dazu nehmen wir die Mittel der Kultur und der Kunst in Anspruch, nutzen also alles, was menschlich und wertvoll ist.

Welche besondere Rolle kann das Theater in diesem Prozess spielen?

Dramen sind oft am meisten geeignet, die Dinge erlebbar zu machen. Wir bringen musikalische Stücke auf die Bühne, denn das Publikum liebt Musik, es ist musikalisch, und deshalb versuchen wir, das Publikum mit den richtigen Liedern und der richtigen Musik ins Theater zu locken und zu berühren.

 Wie setzt sich das Ensemble zusammen, wer sind die Schauspieler?
 
Zsolt Horváth Zsolt Horváth, Schauspieler, künstlerischer Leiter des Romano Teatro Kulturvereins | Goethe-Institut Budapest 2005 fand in Miskolc ein Talentwettbewerb statt. Adrienn Horváth gewann in der Frauenkategorie, ich in der Männerkategorie und Dezső Szegedi, ein mit dem Jászai-Mari-Preis ausgezeichneter Schauspieler, saß in der Jury. Aus diesem Anlass kam ihm die Idee, das Musical „Der Mann von La Mancha“ mit Zigeunern, jungen Zigeunern unter dem Titel „Rom Quijote“ zu inszenieren. So kam das erste Stück vom Romano Teatro zustande, und das Ensemble wurde gegründet, wir haben junge Leute, Roma und Nicht-Roma, rekrutiert. So begann die Karriere des Romano Teatro.

Wie Sie erwähnten, sind sowohl Roma- als auch Nicht-Roma-Jugendliche an der Arbeit des Ensembles beteiligt. Warum ist das wichtig?

Damit die Mehrheitsgesellschaft und die Roma sehen können, welche wertvollen Dinge Roma und Nicht-Roma gemeinsam schaffen können, und dass es möglich ist, friedlich und Hand in Hand zusammenzuleben. Und auf die Fahne ist immer die Liebe geschrieben.

Ihre neueste Aufführung ist einer der Höhepunkte des Projekts „Unzivilgesellschaft“ des Goethe-Instituts, das sich mit rechtsextremer Gewalt aus der Perspektive der Opfer beschäftigt. Wie spiegelt sich das in Ihrem Stück „Das Lächeln des Hasses“ wider?

Das ist eine fiktive Geschichte, wir haben also keine realen Ereignisse inszeniert, sondern uns mit der Frage befasst, warum ein Zusammenstoß so ausufern muss, dass sie Menschenleben fordert, und warum man sich nicht hinsetzen und die Konflikte besprechen kann.
Für uns ist es wichtig, die Gegensätze aus mehreren Blickwinkeln darzustellen. Nicht nur von unserer Seite, von der Zigeunerseite, sondern auch von der anderen Seite, und am Ende sollte es ein "Aha-Erlebnis" geben, dass es gestoppt werden könnte und nicht so weit kommen dürfte.

Wir verwenden Humor in all unseren Stücken, denn wir können wichtige Botschaften durch Humor vermitteln. In den Liedern geht es auch um die Lösung von Problemen und die Liebe – so wie Shakespeare immer die Liebe benutzt hat, um Spannungen abzubauen, tun wir das auch.
 

Es gibt oft Momente, in denen man über die andere Person spricht. Aber in dem Moment, in dem wir anfangen, miteinander und nicht übereinander zu reden, kommen sich die Menschen näher. (...) Aber solange wir Dinge und Gruppen von Stereotypen geleitet wahrnehmen, dürfen wir nicht über eine Gruppe von Menschen den Stab brechen.

Zsolt Horváth


Worauf bezieht sich der Titel „Das Lächeln des Hasses“?

Der Titel hat einen doppelten Sinn. Denn auf der einen Seite gibt es Tränen, auf der anderen Spott und Belächeln. Es ist also wichtig, diese Tränen zu trocknen. In den Liedern wird auch erklärt, warum es wichtig ist, die Tränen zu trocknen. Denn was die Tränen auslöst, löst auch den Spott und das Lächeln aus. Deshalb haben wir diesen Titel gewählt und darum geht es auch im Titelsong.
 
Wie verliefen die Vorbereitungen und die Proben?

Wir führen eigene Produktionen auf, wir selbst schreiben die Stücke und machen die Musik. Die Stücke entstehen nicht nach fertigem Drehbuch und Leseproben usw., sondern in einem kreativen Prozess. Die Lieder werden geschrieben, dann kommen die Schauspieler und studieren sie ein, und bis das Stück fertig ist, kennt bereits jeder seine Rolle und wir können die Aufführung mit ein paar Proben auf die Bühne bringen.

Wie Sie gesagt haben, werden diese Stücke von Roma- und Nicht-Roma-Jugendlichen gemeinsam erschaffen. Gab es während des Probenprozesses Situationen, in denen dies eine besondere Bedeutung gewann? Weil die Opfer doch Mitglieder der Roma-Gemeinschaft waren.

Dies kommt natürlich auch in dem Stück zum Ausdruck, und es ist bewusst so aufgebaut: So sagt zum Beispiel die Hauptfigur, die sich mit extremistischem Gedankengut nicht identifizieren kann – obwohl sie sich als junger Mann voll und ganz damit identifiziert hat –, dass ihm beim Erwachsenwerden die Augen aufgegangen sind. Er hat also erkannt, dass Hass nichts bringt.
Es ist wichtig, dass es eine Lösung gibt, dass jemand sagt, „Wozu soll das gut sein?“, und es muss eine Person sein, die früher selbst mittendrin war und von der gegnerischen Seite kommt.

Was ist die wichtigste Botschaft des Stückes und welche Auswege gibt es aus den Konfliktsituationen, die im Stück erscheinen?

Es gibt oft Momente, in denen man über die andere Person spricht. Aber in dem Moment, in dem wir anfangen, miteinander und nicht übereinander zu reden, kommen sich die Menschen näher. So lernen wir die Kultur und die Bräuche der anderen kennen. Von diesem Zeitpunkt an wird jeder Mensch und jede einzelne Gruppe von Menschen zu akzeptieren sein. Aber solange wir Dinge und Gruppen von Stereotypen geleitet wahrnehmen – von Stereotypen, die wir in den Medien oder von anderen Menschen gehört haben –, dürfen wir nicht über eine Gruppe von Menschen den Stab brechen.
 

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