Interview Vier Fragen an Marius Hulpe - Makassar International Writer Festival

Makassar International Writer Festival © Goethe-Institut Indonesien
Makassar International Writer Festival © Goethe-Institut Indonesien

Doch auf dem Festival angekommen, wurde gleich deutlich, wie auch die Buchkultur gerade in der Lyrik eine enorme Rolle spielt. Die Indonesier sind sehr literaturinteressierte Menschen.

Vom 18. bis 21. Mai fand in Makassar, auf der indonesischen Insel Sulawesi, das Makassar International Writers Festival 2016 (MIWF) statt. Es bot lokalen, nationalen sowie internationalen Lyrikern, Autoren und Rednern eine Bühne, ihre Werke vorzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren. Das MIWF diente somit  als Plattform um Autoren, Journalisten, Studenten, Künstler und Literatur-Interessierte zusammen zu bringen.

Das Goethe-Institut Indonesien lud den deutschen Autor Marius Hulpe ein, ein Teil des Festivals zu sein. Herr Hulpe nahm als Experte an dem  internationalen Seminar „In Translations We Believe“ und dem Workshop „The essential things in poetry“ teil. Zudem leite er gemeinsam mit dem indonesischen Autor Aan Mansyur eine Lesung sowie einen Workshop für Deutschlernende an der Universitas Negeri Makassar.

Herr Hulpe, Sie waren vor 14 Jahren schon einmal in Indonesien. Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Sulawesi geflogen? 

Einerseits gab es die ganz praktischen Dinge. Vor 14 Jahren etwa hatte ich mich gegen Malaria geimpft, was keine gute Idee war. Nun habe ich darauf verzichtet. Andererseits sind da natürlich immer noch eine ganze Menge Bilder im Kopf vorhanden, damals war ich auf Bali, und ich freute mich nun einfach darauf, diese Bilder mit dem, was mir jetzt begegnen sollte, abzugleichen. Rückkehr nach langer Zeit ist etwas wirklich Schönes, habe ich gemerkt.
 
Welche Ereignisse während Ihres Aufenthaltes in Indonesien werden Ihnen besonders im Gedächtnis bleiben? 

Ganz eindeutig die unbeschreibliche Begeisterungsfähigkeit der indonesischen Leserinnen und Leser. So etwas habe ich in Deutschland bei Literaturveranstaltungen noch nicht erlebt, auch nicht bei Autoren mit sehr hohen Auflagen. Im Prinzip lässt es sich nicht anders sagen, als dass man wie ein Pop-Star behandelt wurde, überall mussten Autogramme gegeben und Selfies gemacht werden. Hunderte oder Tausende, ich kann es schon nicht mehr sagen. Vorher hatte ich einen Artikel in der FAZ gelesen, der zwar der Lyrik in Indonesien zwar einen gewissen Stellenwert einräumte, aber eben vor allem der gesprochenen. Doch auf dem Festival angekommen, wurde gleich deutlich, wie auch die Buchkultur gerade in der Lyrik eine enorme Rolle spielt. Die Indonesier sind sehr literaturinteressierte Menschen.
 
Wie hat Ihnen das Makassar International Writers Festival  2016 gefallen? 

Es ist ein außergewöhnliches Festival mit sehr verschiedenen Formen, die sich auf unterschiedliche Interessen- und sogar Altersgruppen beziehen, von der Release-Lesung eines Romans über Lyrik- und Übersetzungssymposien, kulturpolitische Konferenzen, poetologische Lounges, verschiedenste Konzerte, bis hin zur Sing- und Spielveranstaltung für Kinder war alles dabei. Ein bisschen hat es mich an das Prosanova-Festival in meiner ehemaligen Studienstadt Hildesheim erinnert, nur größer und vor allem viel tropischer.
 
Sie hatten die Möglichkeit, die indonesische Literaturszene genauer kennen zu lernen. Welche Eindrücke nehmen Sie aus dieser Begegnung mit? 


Mich freut und beeindruckt natürlich besonders, wie sehr man die Menschen hier für sich gewinnen kann. Der Text muss schon stimmen, doch fast genauso entscheidend ist dann auch die Performance. Man scheint keine großen Unterschiede zu machen, ob da gerade eine Rockband aus den USA oder ein Lyriker aus Deutschland auf der Bühne steht. Wichtig ist, dass eine Schwingung entsteht und ein Künstler sich dem Publikum hingibt. Wer das beherzigt, hat auf jeder indonesischen Bühne massiven Spaß. Wenn der Text funktioniert.