Indonesien an der Berlinale Kino trifft Weltpolitik

Edwin at Berlinale 2016
© Gerhard Kassner/Berlinale

Die Berlinale gehört zu jenen großen Filmfestivals, die sich konsequent mit aktuellen politischen Themen auseinandersetzen.

Die Berlinale gehört zu jenen großen Filmfestivals, die sich konsequent mit aktuellen politischen Themen auseinandersetzen. So sprachen etwa Festivaldirektor Dieter Kosslick und Meryl Streep, Vorsitzende der internationalen Jury und Hollywoodschauspielerin, sowohl während der Pressekonferenz als auch auf der Eröffnungsveranstaltung der diesjährigen Berlinale über die besorgniserregende Lage von Millionen von Flüchtlingen in Europa. Auch andere Filmstars lenkten die Aufmerksamkeit auf dieses Thema. Tatsächlich ist die heutige Filmindustrie mit außerordentlich komplexen globalen Fragestellungen konfrontiert, und viele Filmemacher machen nicht nur politische Filme, sondern machen diese auch auf politische Art und Weise.

Fast alle Sektionen des Festivals greifen unterschiedliche globale Themen auf. Das Forum und das Forum Expanded gehören dabei zu den interessantesten und gleichzeitig provokantesten. Die Sektion Forum Expanded zeigt beispielsweise eine ganze Reihe von filmischen Werken, die Filmsprache und geopolitische Landschaften des Militarismus und des Terrors ausloten. Sehr deutlich wird der Ansatz in der Arbeit des Künstlers Ahmad Ghossein aus dem Libanon am Eröffnungsabend. Sein Film When the Ventriloquist Came and Spoke to Me spielt in einem Teil Südlibanons, wo Kämpfer der Hisbollah im Krieg gegen Israel Denkmäler errichten.

Indonesien und Südostasien auf der Berlinale 2016

Indonesische Filme sind in diesem Jahr bedauerlicherweise in keiner der Hauptsektionen, wie Wettbewerb und Panorama, zu sehen. Der Filmemacher Edwin wird Indonesien aber in der Sektion Forum Expanded vertreten. Er nimmt am Festivalprogramm “Visionary Archive” teil, in dem sich alles rund um das Archiv und die Archivierung von Filmen dreht. Edwin wird neben seiner eigenen Arbeit auch das Lab Laba-Laba vorstellen, ein Kollektiv in Jakarta, das mit Footage von Propagandafilmen der Staatlichen Filmgesellschaft (PFN, Perusahaan Film Negara) arbeitet. Neben Edwin sind drei weitere Filmakteure aus Indonesien im Programm Berlinale Talents vertreten: der Schauspieler Reza Rahadian, der Kameramann Batara Gempar und Produzent und Filmdistributor Suryo Wiyogo. Indonesien ist alljährlich in diesem Programm mit dabei.
 
In der Sektion Wettbewerb tritt Südostasien mit dem Film Hele Sa Hiwagang Hapis (A Lullaby to the Sorrowful Mystery) von Lav Diaz an. Dieser recht lange (485 Minuten!) Film ist eine Gemeinschaftsproduktion der Philippinen und Singapur. Der Kurzfilm Pimpaka Towira Nimit Luang (Prelude to the General) wird im Programm Berlinale Shorts gezeigt; es ist der einzige thailändische Film, der im Wettbewerb antritt. Der burmesische Filmemacher Midi Z., der heute in Taiwan lebt, kehrte in sein Heimatland zurück, um einen Film über die wilde Förderung von Jade im Bundesstaat Kachin an der Grenze zu China zu drehen. Der Film Fei cui zhi cheng (City of Jade) von Midi Z wird in der Sektion Forum gezeigt. Das Schicksal eines Burmesen ist ebenfalls Thema des Dokumentarfilms Ta’ang von Wang Bing. Wang Bing gehört zu den bedeutendsten Dokumentarfilmemachern aus China.