Film Reza Rahadian bei den Berlinale Talents 2016

Reza Rahadian - Berlinale Talents 2016
© Goethe-Institut Indonesien/Veronika Kusumaryati

Reza Rahadian gehört zu den herausragendsten Schauspielern Indonesiens. Hier berichtet er von seinen Erfahrungen bei den Berlinale Talents 2016

Wie kam es zu Ihrer Teilnahme an den Berlinale Talents 2016?
Ich war bereits drei Mal auf der Berlinale. Beim ersten Mal nahm ich am Programm “Generation Kplus” teil, und zwar mit dem Film The Mirror Never Lies (2011) von Kamila Andini. Das zweite Mal war ich 2013 hier, mit dem Film Something In The Way von Teddy Soeriaatmadja, der in der Sektion “Panorama” lief. Dieses Mal bin ich als Talent hier. Das Prozedere war eigentlich nicht fremd für mich. Ich habe das Formular aus dem Internet ausgefüllt und alle Fragen beantwortet. Es waren allerdings ziemlich viele Fragen - angefangen von Fragen zu meiner Person bis hin zu Fragen über meine berufliche Laufbahn, einschließlich meiner bisherigen show reels. Ich habe zwei Demoaufnahmen eingereicht: eine aus dem Film Something In The Way und die andere aus dem Film Guru Bangsa: Tjokroaminoto von Garin Nugroho. Man wird einfach auch von dieser Seite aus eingestuft. Außerdem habe ich eine Liste meiner bisherigen Auszeichnungen aus Indonesien angefertigt und eingereicht.
 
In Indonesien sind Sie bereits ein anerkannter Schauspieler. Warum haben Sie sich für das Programm Berlinale Talents beworben?
Ich will lernen. Und ich möchte auch die jungen Schauspieler in Indonesien dazu anhalten, mit dem Lernen niemals aufzuhören. Es wäre falsch, zu denken, man habe irgendwann genug gelernt, oder man könnte sich damit zufrieden geben, wenn man bekannt ist. Das Schauspielen ist keine einfache Arbeit nach dem Motto „Drehbuch lesen, Text lernen, spielen. Fertig.” Das will ich hinterfragen. Für einen Schauspieler hört das Lernen nie auf, er muss ständig weiter lernen. Das ist der eigentliche Grund, warum ich meine Bewerbung zur Berlinale geschickt habe. Davon abgesehen natürlich, dass ich neue Erfahrungen sammeln und neuen Menschen begegnen wollte. Hier trifft man Schauspieler aus der ganzen Welt.
 
Wie ist Ihr Eindruck von den Programmen, an denen Sie bislang teilgenommen haben?
Ich habe viel daraus mitgenommen, vor allem aus dem Acting Workshop, für den ich im hiesigen Schauspielstudio war. Vom Material her kann ich jede Menge mit nach Hause nehmen und in der Praxis umsetzen. Das hört sich vielleicht nach einem Allgemeinplatz an, und in Indonesien gibt es bereits viel von dem Stoff, der auch hier unterrichtet wird. Aber ich denke, dass in Indonesien noch einiges nicht bekannt ist, wie zum Beispiel die Alexander-Technik. (Anmerkung des Autorin: Die Alexander-Technik gehört zu den Pflichtfächern an Schauspiel- und Theaterschulen in den USA und in Europa.) Es handelt sich um eine Technik, die den Körper trainiert und die Stimme, oder kurz: das Schauspielen. So etwas kennt man bisher kaum in Indonesien. Für mich war es eine neue Erfahrung, und ich denke, dass ich hier viel gewinne. Außerdem ist es für mich eine Gelegenheit, andere Produzenten zu treffen. Ich habe eben erst einen Produzenten aus Montreal / Kanada für ein konkretes Filmprojekt getroffen. Das ist eines der Ergebnisse meines Austausch hier vor Ort.
 

Ein Treffen mit Meryl Streep

Was hat Sie hier auf der Berlinale am meisten beeindruckt?
Eine sehr interessante Erfahrung war für mich, Meryl Streep zu begegnen. Ich habe an ihrer Session teilgenommen. Es war, als wäre ich einer Göttin begegnet, einer Schauspielgöttin. Und: It was so much fun. Sie hat uns viel an Wissen über die Schauspielkunst weitergegeben, etwa wie sie sich als Schauspielerin auf ihre unterschiedlichen Rollen vorbereitet. Sie spielt ständig völlig unterschiedliche Charaktere. Und man kennt sie als ungeheuer flexible und - im guten Sinne - anpassungsfähige Schauspielerin, die sich in die ihr angebotenen Rollen einfühlen kann. Ihr persönlich zu begegnen und die Gelegenheit zu haben, ihr von Angesicht zu Angesicht eine Frage zu stellen, das hat mich sehr gefreut. It was a great experience. Ich habe fast geweint...***