Panel Diskussion Form folgt Konzept

Form folgt Konzept © Anschlaege.de

16.12.2021
14:00 - 16:00 Uhr (GMT+7)

Online GoetheHaus

Auf den Spuren der indonesischen Konzeptkunst bzw. des Konzeptualismus aus der Sicht von Asep Topan, Duto Hardono, Hendro Wiyanto und Mella Jaarsma.

Der Begriff der Konzeptkunst ist eng mit Joseph Beuys verbunden. Als Bewegung begann sich die Konzeptkunst in Europa und den Vereinigten Staaten in den 1960er Jahren zu entwickeln. Ihre Vertreter messen der Idee oder dem Konzept eines Kunstwerks eine größere Bedeutung bei als dem künstlerischen Können oder der Form eines Kunstwerks. Der Künstler Marcel Duchamp gilt als einer der Pioniere. Und so wie er bedienen sich Konzeptkünstler*innen im allgemeinen bei der Beurteilung der Qualität eines Kunstwerks nicht den Kriterien von Schönheit, Einzigartigkeit oder Können. Insofern erweiterte die Konzeptkunst die Grenzen und Definitionen des damals vorherrschenden Kunstbegriffs. Um dies noch zu unterstreichen, reduzierten nicht wenige dieser Künstler*innen die materielle Präsenz ihrer Werke auf ein Minimum - eine Richtung, die weithin als „Dematerialisierung“ der Kunst bekannt wurde.

Von diesem Geist inspiriert zielt diese Veranstaltung darauf ab, den Spuren der Konzeptkunst oder des Konzeptualismus in Indonesien von mehreren Perspektiven aus nachzugehen. Auch wenn die Frage, zu welchem Zeitpunkt diese Begriffe in Indonesien aufkamen, nicht genau beantwortet werden kann, existiert die Lesart, dass Erscheinungsformen des Konzeptualismus mit der „Bewegung für Neue Kunst in Indonesien“ (Gerakan Seni Rupa Baru Indonesia, GSRBI) in den 1970er Jahren auftraten. In jener Zeit war die Malerei dominant und Vertreter der GSRBI betonten ihre Haltung, dem Konzept oder der Idee eines Kunstwerks eine größere Bedeutung beizumessen als dem „Können“ bei der konventionellen Art des Kunstschaffens.

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Im institutionellen Bereich stellte die Gründung des Rumah Seni Cemeti im Jahr 1988 (heute Cemeti - Institute for Art and Society, dt. Institut für Kunst und Gesellschaft) ein wichtiges Ereignis dar, das die Fortführung der Tradition des Konzeptualismus in der Kunst in Indonesien markierte. Seit seiner Gründung präsentierte Cemeti Künstler*innen, die das Konzept ihres Schaffens in den Vordergrund stellten. Des Weiteren kamen der Präsentation verschiedener unkonventioneller Medien wie Installation, Medienkunst bis hin zu Performance eine große Bedeutung zu. Dies fiel eng mit der Entwicklung der zeitgenössischen Kunst in den 1990er Jahren zusammen, die vor allem auch von den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen in Indonesien geprägt war.

In aktuellen Entwicklungen tritt der Konzeptualismus in seiner substantielleren „Form“ in Erscheinung, denn hier verschwindet die wörtlich zu nehmende Form der Kunst und es wird der Fokus auf „Situationen“ und „Anweisungen“ gelegt mit dem Ziel, für das Publikum ein spezifisches Erlebnis zu schaffen. Dies demonstriert eine weiterführende Differenzierung des Begriffs der ,Dematerialisierung' der Kunst, dem Hauptansatz in der Konzeptkunst.

Einige der Fragen, die im Rahmen der Diskussion beantwortet bzw. behandelt werden:
  • Gibt es neben der Arbeit der „Bewegung für Neue Kunst in Indonesien“ (Gerakan Seni Rupa Baru Indonesia) weitere Quellen für Recherchen zur Entstehung des Konzeptualismus?
  • Welche Rolle spielen Kunstinstitutionen bei der Verbreitung des Konzeptualismus in Indonesien und wie beeinflussen sie heute die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst?
  • Welche Bedeutung messen indonesische Künstler*innen dem Begriff der „Dematerialisierung” in ihren Werken bei?

Asep Topan

lebt in Jakarta und arbeitet als unabhängiger Kurator und Dozent am Kunstinstitut Jakarta. Der studierte Künstler kuratiert zeitgenössische Kunst mit Schwerpunkt auf gesellschaftspolitischen Themen und transdisziplinären Formaten. Er erhielt einen Bachelor-Abschluss in Kunst am Kunstinstitut Jakarta (2011), schloss sein Kunststudium mit Schwerpunkt Kuratieren am Institut Teknologi Bandung, ITB, (2017) mit einem Master ab und besuchte das de Appel Curatorial Programme, Amsterdam (2015 - 2016). 2015 kuratierte er mit sechs weiteren indonesischen Kolleg*innen unter der Leitung von Charles Esche die Jakarta Biennale und 2016 kuratierte er im Dreierteam das Projekt „Young Must Make Your Death Public“ im Kunstzentrum de Appel in Amsterdam. Zuletzt arbeitete er als Kurator und als Leiter der Abteilung Kuration und Sammlung am Museum MACAN, Jakarta (2018 - 2021).

Duto Hardono

ist Künstler, experimenteller Musiker und Universitätsdozent in Bandung, Indonesien. Er war mit seinen Performances und Werken international an renommierten Orten wie dem Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (Belgien), dem Hara Museum of Contemporary Art (Japan), dem Haus der Kulturen der Welt (Deutschland) und der National Gallery of Australia (Australien) vertreten. Er war Teil einer Reihe von vielbeachteten Ausstellungen und Veranstaltungen, darunter der Shanghai Biennale (2012), Biennale Jogja (2013), Saitama Triennale (2016), Europalia Festival (2017), Contemporary Worlds: Indonesia (2019) oder Asia TOPA (2020). Er präsentierte Klanginstallationen, Collagen, ortsspezifische Werke und seine neueren immateriellen Werke auf der Grundlage von Text- und Anweisungspartituren. Er unterrichtet Klangkunst und Performance an der Fakultät für Bildende Kunst und Design am Institut Teknologi Bandung und betreibt eine Publikationsplattform sowie das Musiklabel Hasana Editions.

Hendro Wiyanto

studierte Kunst am Kunstinstitut Indonesien (Yogyakarta) und Philosophie an der Philosophischen Hochschule Driyarkara (Jakarta). Er hat mehrere Ausstellungen in Indonesien kuratiert und zahlreiche Texte über Künstler*innen verfasst, darunter Alit Sembodo, Dolorosa Sinaga, F.X. Harsono, Gerakan Seni Rupa Baru, Heri Dono, Jim Allen Abel, Jogja Agropop, Mahendra Yasa, Melati Suryodarmo, Theresia Agustina, Tisna Sanjaya, S. Teddy D. und Ugo Untoro.

Mella Jaarsma

studierte visuelle Kunst an der Minerva Academy in Groningen (1978 - 1984). Nach ihrem Studium verließ sie die Niederlande, um am Kunstinstitut Jakarta (1984) und am Kunstinstitut Indonesien in Yogyakarta (1985 - 1986) zu studieren. 1988 gründete sie zusammen mit Nindityo Adipurnomo das Cemeti Art House, das heute unter dem Namen Cemeti Institute for Art & Society bekannt ist und das sich als einer der ersten Orte in Indonesien der zeitgenössischen Kunst verschrieben hatte. Bis heute stellt es eine wichtige Plattform für junge Künstler*innen und Kunstschaffende regional und überregional dar. Mella Jaarsma ist als zeitgenössische Künstlerin aktiv und wurde insbesondere für ihre komplexen Kostüminstallationen bekannt. Ihr künstlerischer Schwerpunkt liegt auf Formen kultureller und ethnischer Vielfalt, die sich in Kleidung, Körper und Nahrung niederschlagen.
 

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