Podiumsdiskussion Der „Körper” besteht nicht nur aus Fleisch

Der „Körper” besteht nicht nur aus Fleisch © Cecil Mariani

29.07.2021
18:00 Uhr SGT

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Der Begriff „Körper” bezieht sich auf sehr viel mehr als nur Fleisch und Blut. In der Kunst, vor allem, wenn diese von Frauen gemacht wird, ist das Wort „Körper” lange Zeit viel zu oft mit den Themenbereichen Geschlecht und Biologie in Verbindung gebracht worden. Obwohl diese Themen zweifelsohne wichtig sind, interpretieren die drei Künstlerinnen in diese Gesprächsrunde den Begriff noch weiter und beschäftigen sich mit wechselnden Auffassungen des metaphysischen, politischen oder topographischen Körpers und untersuchen dabei die Themenfelder Spiritualität, Gerechtigkeit und die natürlichen Landschaften unserer Welt. Die Teilnehmerinnen werden hier ihre ganz persönliche Sichtweise auf solche „Körper des Wissens” erklären, wobei sie sich auf bestimmte persönliche Erfahrungen oder Ereignisse berufen, die den Ausschlag für ihr poetisches und kritisch-künstlerisches Interesse an diesem Thema gegeben haben und die am Ende verschiedenste Projekte von Performance und Installation bis hin zu Skulptur und Film hervorgebracht haben.
 
Die Künstlerinnen sind Teil der demnächst stattfindenden Ausstellung ERRATA im MAIIAM Contemporary Art Museum. Die von Gridthiya Gaweewong und Anna-Catharina Gebbers, Grace Samboh und June Yap kuratierte Werkschau beschäftigt sich mit regionalen Netzwerken und den Ansätzen von Künstlerinnen in Bezug auf Performancekunst, Fotografie und Medienkunst. Die Ausstellung zeigt inzwischen angezweifelte Narrative, „gemachte” Geschichte und Gegen-Geschichte angefangen von der Kolonialzeit bis hin zur Politik des Kalten Krieges. Untersucht wird die Beziehung zwischen dem von Joseph Beuys geprägten Begriff der „Sozialen Plastik” und deren Auswirkungen auf die südostasiatische Performancekunst, etwa die Chiang Mai Social Installation und regionale Künstlerkollektive.
 
Dieses Programm ist Teil von „Collecting Entanglements and Embodied Histories“, einem Dialog zwischen den Sammlungen von Galeri Nasional Indonesia, MAIIAM Contemporary Art Museum, Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin und Singapore Art Museum, initiiert vom Goethe-Institut.

Arahmaiani

wurde 1961 in Bandung geboren. Die Künstlerin zählt zu den einflussreichsten und renommiertesten Stimmen der zeitgenössischen Szene in Indonesien und genießt aufgrund ihrer starken und provozierenden Kommentare zu sozialen, politischen, kulturellen und ökologischen Themen seit langem internationales Ansehen. Arahmaiani arbeitet mit verschiedenen Medien, darunter Performance, Malerei, Zeichnen, Installation, Videokunst, Poetry, Tanz und Musik. Als Künstlerin war sie 2003 beim Indonesia National Pavilion bei der 50. Biennale in Venedig dabei. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit aktueller Politik, Gewalt, Kapitalismuskritik und dem weiblichen Körper. In letzter Zeit befasst sie sich auch zunehmend mit ihrer eigenen Identität als Muslima, die sowohl Züge aus dem islamischen und hinduistischen als auch dem buddhistischen und animistischem Glauben aufweist. Sie hat bereits an vielen internationalen Kunst-Events teilgenommen, darunter etwa die 2. Asia Pacific Triennial (1996), die Havana Biennale (1997), die Sao Paulo Biennale (2002), die Lyon Biennale (2000); die Werklietz Biennale (2000), die Gwangju Biennale (2002), die Biennale Of Moving Image in Genf (2003), die Venice Biennale (2003), das World Social Forum in Mumbai, Indien (2004), Global Feminism im Brooklyn Museum (2007) und die Kunming Biennale 2017).

Kawita Vatanajyankur

ist seit ihrem Bachelor-Abschluss in bildender Kunst an der RMIT University im Jahr 2011 eine vielbeachtete Künstlerin. 2015 war sie Finalistin beim Jaguar Asia Pacific Tech Art Prize, gleichzeitig waren ihre Arbeiten bei der Ausstellung Thailand Eye in der Saatchi Gallery in London zu sehen. 2017 wurden ihre Werke bei der Islands In The Stream Ausstellung in Venedig/Italien innerhalb der 57. Venice Biennale gezeigt. Auch bei der Asia Triennale Of Performing Arts im Melbourne Arts Centre und in der Reihe Negotiating The Future bei der Asian Art Biennial in Taiwan waren ihre Arbeiten zu sehen. 2018 zeigte sie ihre Exponate im Rahmen der Bangkok Art Biennale; im folgenden Jahr hatte sie in der Albright Art Gallery in New York ihre bis dato umfangreichste Museumsausstellung.

Vatanajyankur hat bereits in weiten Teilen Australiens ihre Kunst ausgestellt, auch in Asien, den USA und Europa konnte man ihre Arbeiten schon sehen. Vatanajyankurs Werke gehören zur National Collection Thailand sowie weiteren Museumskollektionen, darunter das Singapore Art Museum, die Dunedin Public Art Gallery (Dunedin Art Museum), das MAIIAM Contemporary Art Museum, das MOCA Museum Of Contemporary Art (Bangkok) sowie Universitätskollektionen und Privatsammlungen in Australien, Neuseeland, Asien, Europa und den USA.

Sutthirat Supaparinya

lebt und arbeitet in Chiang Mai und Lamphun, Thailand. Für ihre Arbeiten bedient sie sich einer Vielzahl von verschiedenen Medien wie Installation, Objektkunst oder Stand- und Bewegtbilder und betrachtet die Dinge meist aus einer dokumentierenden Perspektive.

In ihrer künstlerischen Arbeit hinterfragt und interpretiert sie öffentliche Informationen und macht deren Struktur sichtbar. In ihren jüngsten Projekten geht es vorrangig um die Frage, welchen Einfluss menschliche Aktivitäten auf andere Menschen und die Umwelt haben - im politischen, geschichtlichen und literarischen Sinn. Sutthirat hat an der Fakultät für bildende Kunst an der Chiang Mai University einen Bachelor-Abschluss und anschließend ein postgraduales Diplom in Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig erlangt.

Zoe Butt

ist Kuratorin und Autorin und lebt in Vietnam. Sie möchte mit ihren Arbeiten kritisches Denken fördern und historisch sensible künstlerische Gemeinschaften unterstützen, um den Dialog zwischen den Kulturen des zunehmend globaler werdenden Südens zu stärken. Derzeit ist Zoe Butt künstlerische Leiterin des Factory Contemporary Arts Centre in Ho-Chi-Minh-Stadt, zuvor war sie als Direktorin/Kuratorin bei San Art in Ho-Chi-Minh-Stadt, beim Long March Project in Peking und bei der Asia-Pacific Triennial Of Contemporary Art in der Queensland Gallery Of Modern Art im australischen Brisbane tätig. Zu ihren bekanntesten Werken zählen Pollination (2018-), Sharjah Biennial 14: Leaving The Echo Chamber - Journey Beyond The Arrow, (2019), Conscious Realities (2013-2016), Embedded South(s) (2016) und San Art Laboratory (2012-2015). Zoe ist Stipendiatin des internationalen Programms für Kuratierende im MoMA, Mitglied der Initiative Asia 21 der Asia Society, Mitglied des Asian Art Council für das Solomon R. Guggenheim Museum und wurde 2015 im World Economic Forum zum Young Global Leader ernannt.

 

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