Stadtentwicklung Gemeinschaftsgärten in Berlin und Dublin

Gartenworkshop
Gartenworkshop | Foto: Robert Moss

Gemeinschaftsgärten sind eine neue Form von Stadtentwicklungsprojekten. Sie werden von und für Mitglieder einer lokalen Gemeinschaft angelegt und gestaltet. Sie tragen sich selbst, da sie ihre eigenen Ressourcen und ihre Pflege eigenständig organisieren. Außerdem sind sie sehr integrativ, da jeder, der sie mitgestalten möchte, sich dafür engagieren kann. In Dublin ist die Zahl der Gemeinschaftsgärten von 3 im Jahr 2005 auf mindestens 46 im Oktober 2013 gestiegen. In Berlin stehen Gärtnern 80 Gemeinschaftsgärten zur Auswahl. Im Folgenden werden einige Beispiele aus Dublin und Berlin vorgestellt.

Gute Nutzung ungenutzter Flächen

Der Gemeinschaftsgarten Heiterkeit im Norden Dublins wurde angeregt, weil diese zuvor ungenutzte Grünfläche verwahrlost war. „Das Grundstück musste gepflegt und bepflanzt werden. Hinzu kam, dass nur wenige Anwohner ihre eigenen Gärten hatten. Dies machte den Gemeinschaftsgarten Heiterkeit für viele Anwohner zu einem naheliegenden Projekt“, erklärt die Vorsitzende Marion Kelly. Der Garten wurde von der Dubliner Stadtverwaltung, von der Gemeinschaftsstiftung Irlands sowie vom Programm Grüne Gemeinschaften von An Taisce (gemeinnützige Organisation zum Schutz des natürlichen und kulturellen Erbes von Irland) unterstützt.

Von einer brachliegenden Fläche zum Gemeinschaftsgarten

In zentraler, südlicher Lage wurde im April 2005 in Dolphins Barn auf einem besetzten Grundstück entlang des Grand Canals einer der ersten Gemeinschaftsgärten Dublin ins Leben gerufen. Das Gewerbegebiet, dem diese Fläche gehörte, erzwang die Räumung des Gartens nach einem Jahr harter Arbeit. Das Land liegt bis heute brach. Als im Jahr 2007 Einigung darüber erzielt wurde, dass eine andere brachliegende Fläche in einen neuen Gemeinschaftsgarten verwandelt werden sollte, der sowohl der Erholung als auch der Gartenpflegeschulung dienen sollte, und zwar in den South Circular Road Gemeinschaftsgarten, erhielt der Dolphins Barn Gemeinschaftsgarten endlich die Unterstützung, die er verdiente. Finanzielle Hilfe erhält er durch Mitgliedschaften in Unterstützungsprogrammen und –netzwerken. Das Programm Grüne Gemeinschaften bietet ständig Schulungen in Gartenpflege und Umweltmanagement an. Dieses Programm bietet den Mitgliedern des Gartenvereins außerdem eine öffentliche Haftpflichtversicherung.

Gärtnern auf Schulland

Anderswo in Dublin gibt es auch Gemeinschaftsgärten, die sich auf Schulgeländen befinden, wie zum Beispiel den Gemeinschaftsgarten Saint Audoens. Ziel des Gartens ist es, den Kindern, ihren Eltern und der lokalen Gemeinschaft die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen mit dem Anpflanzen und Ernten in Hochbeeten und recycelten Containern zu machen. Der freiwillige Gartenhelfer Tony Lowth weist darauf hin, dass „ein Großteil der finanziellen Unterstützung des Garten durch das Sammeln und den Verkauf von Aluminiumdosen und selbstproduziertem Kompost gewonnen wird“.

Multikulturelles, organisches Gärtnern

Der erste Garten, den ich in Berlin besuche, ist der Gemeinschaftsgarten Bunte Beete in Kreuzberg, mitten in Berlin. Oliver Ginsberg, einer der Gründer, erklärt: „Kreuzberg war nach 1945 ein sehr armer Stadtteil. Erst vor 5 Jahren änderte sich das. Mehr als 50 % der Bewohner sind Immigranten. Ein primäres Ziel dieses Gartens ist es, einen positiven Austausch zwischen Menschen mit verschiedenem nationalen und kulturellen Hintergrund zu ermöglichen, und zwar dadurch, dass man sich auf das gemeinsame Interesse des organischen Gärtnerns konzentriert.“ Der Gemeinschaftsgarten Bunte Beete hat das Glück, dass ihr ein 1200 Quadratmeter großes Grundstück auf dem Gelände einer örtlichen Schule zur Verfügung steht. Zur kostenlosen Nutzung dieser Fläche gehört auch die Nutzung eines bereits vorher vorhandenen Grundwasserbrunnens. Allerdings fallen auch Kosten an. Hierzu gehört eine Versicherung für den Garten von jährlich 150 €, und außerdem ist in Berlin eine Gebühr für den Wassergewinnung zu entrichten. Zur Zeit beträgt sie € 2 pro Kubikmeter. Um eine Versicherung für das Grundstück zu bekommen und den Nutzungsvertrag von der Schule zu erhalten, musste dieser Gemeinschaftsgarten bereits 2008 ein eingetragener Verein (e. V.) werden.

Berlins erster interkultureller Garten

Mein nächstes Ziel ist der Wuhlegarten, ein großer, weit ausgedehnter Gemeinschaftsgarten mit vielen Einrichtungen und Annehmlichkeiten, einschließlich eines sehr geschätzten WCs. „Im Jahr 2003 war dies der erste interkulturelle Garten Berlins“, erklärt Brigitte Kanacher-Ataya, die mich an einem offenen Feuer mit einer heißen Suppe begrüßt. Der Garten wurde auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern angelegt, und 40 Menschen aus verschiedenen Kulturen pflanzen hier jetzt gemeinsam Obst und Gemüse an. Das Grundstück gehört der städtischen Behörde, und der Wuhlegarten pachtet es für etwa 100 € im Jahr. Die Versicherung beträgt 800 € im Jahr, und die Pacht ist an die Auflage gebunden, dass der Zustand der Bäume jährlich überprüft wird. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 5 € im Monat, und die Gebühr für eine Parzelle beträgt monatlich 10 €.

Zusammenarbeiten und eine Gemeinschaft bilden

Der dritte Garten, den ich in Berlin besuche, ist der Interkulturelle Garten in Lichtenberg. Er hat ein Fläche von 13.000 Quadratmetern mit einer Vielzahl von kleinen Wäldchen, Gartenparzellen, Bienenstöcken und gemeinschaftlichen Kompostierungsanlagen. Er ist der größte seiner Art in Berlin. Dieser Garten liegt zwischen riesigen, grauen Appartementhäusern aus Beton verborgen, die 1985 gebaut wurden. Bei den heutigen Bewohnern handelt es sich um häufig nicht integrierte Immigranten. Anne, die Leiterin des SozDia-Stiftungsprojekts, erzählt, wie der Garten bereits 2006 dadurch ins Leben gerufen wurde, dass einige der Anwohner eine eingetragene, freiwillige Vereinigung gründeten. Es gibt heute 51 Parzellen, von denen 35 von Anwohnern belegt sind. Die restlichen sind ein gemeinschaftlich genutztes Gelände. Die Gärtner erhalten keine formelle Ausbildung. Der Garten wird stattdessen als Experimentierfeld der Gemeinschaft geführt. Er dient dazu, Menschen verschiedener Nationalitäten zur Kooperation und zum Aufbau einer Gemeinschaft zu bewegen.
Dieser Garten wird für 10 Jahre für jährlich 900 € von der Stadt gepachtet. Zusätzlich fallen Kosten für Wasser, Elektrizität, Müllabfuhr und Straßenreinigung an. Um diese Kosten zu decken, zahlt jedes Mitglied monatlich 15 €. Anne betont: „Ein Mitglied des Netzwerks Interkultureller Garten zu sein fördert die Sichtbarkeit und hilft, durch das Website Listing neue Mitglieder anzuziehen.“

Einkommen aus den Prinzessinnengärten

Die Prinzessinnengärten schließlich sind ein Garten von der Größe eines Fußballfeldes. Er befindet sich an einer Ecke eine vielbefahrenen Kreuzung am Moritzplatz in Kreuzberg. Es ist ein Garten, an dessen Besuch ich aufgrund seiner Organisation seit der Gründung durch Robert Shaw und Marco Clausen besonders interessiert war. Wie Marco in seinem im Jahre 2012 verfassten Text „Eine andere Stadt kultivieren“ feststellte: „Wir dachten nicht an Selbstversorgung mit Lebensmitteln, sondern an wirtschaftliche Unabhängigkeit durch stetige Einnahmen.“ Wie trägt ein Gemeinschaftsgarten also nicht nur sich selbst, sondern auch seine Gärtner? Der Gärtner, der mich freundlicherweise Fotos machen ließ, erklärt, wie die Prozessinnengärten durch verschiedene Aktivitäten ihre Rechnungen und Steuern bezahlen und einer Reihe von Gartenangestellten einen Lebensunterhalt sichern. Hierzu gehören Workshops auf dem Gartengelände und die Einrichtung von Gärten für Schulen. Es wird sehr interessant sein mitzuverfolgen, wie die Prinzessinnengärten und andere Gemeinschaftsgärten sich als wirtschaftliche und kulturelle Vermögenswerte im Laufe der Zeit weiterentwickeln.