Stadtentwicklung Fahrradfahren in Dublin und Berlin

Radfahren in Dublin
Radfahren in Dublin | Foto: GI Irland

Unbekümmert radelte ich 1988 als Student und Tourist durch Irland, ohne viel über das Land zu wissen. Nach 25 Jahren im Juni 2013 wieder nach Irland zu kommen, um in Dublin im Rahmen der National Bike Week etwas über Radverkehrspolitik in Berlin zu erzählen, war eine gleichermaßen ungewöhnliche und ungemein bereichernde Erfahrung. Nun bin ich ein auf Radverkehrsförderung spezialisierter Verkehrsplaner, der Dublin mit ganz anderen Augen sieht.

Berlin und Dublin sind zwei ganz unterschiedliche Metropolen mit ihrer eigenen besonderen Geschichte. Vieles ist kaum vergleichbar, von der Stadtstruktur bis zu bestimmten ökonomischen Rahmenbedingungen. Und doch fühlte ich mich in Dublin, als ich die Stadt zu Fuß und per Rad erkundete, durchaus manches Mal an Berlin erinnert. Die Stadt scheint im Umbruch nach der Finanzkrise – und das zeigt sich auch im Verkehrsgeschehen.

In Berlin findet dieser Umbruch seit etwa 10 Jahren statt. Der Stadtentwicklungsplan Verkehr von 2003 möchte den Autoverkehr in Berlin deutlich reduzieren. Erste Erfolge zeigen sich schon im Verhalten der Bevölkerung. Nur noch gut 30 Prozent aller Wege legen die Berliner mit dem Auto zurück, aber schon fast 15 Prozent mit dem Fahrrad. Das sind 1,5 Millionen Wege per Rad an jedem Tag. Radfahren ist somit Teil eines urbanen Lebensstils geworden und prägt in vielen Teilen der Innenstadt bereits das Stadtbild. Diese Entwicklung hat natürlich mit allgemeinen Trends zu tun. Aber auch das integrierte Handlungskonzept zur Radverkehrsförderung in Berlin hat dazu beigetragen. Abmarkierte Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, die Reduzierung des „Stadttempos“ auf 30 Stundenkilometer auf 75% aller Straßen, sogar Hauptstraßen, die gute Verknüpfung von Fahrrad und öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) sind nur einige Beispiele. Doch auch in der „Fahrradstadt Berlin“ ist noch viel zu tun und die Zuwächse beim Radverkehr bringen neue Probleme mit sich, nicht nur regelrechte Staus von Radfahrern, sondern vor allem bei der Verkehrssicherheit und beim Verkehrsklima, wo falsches Verhalten von Radfahrern zu vielen Konflikten und Diskussionen führt. 2012 haben wir dazu eine Kommunikationskampagne gestartet.

Es ist vielleicht kein Zufall, dass genau in den Tagen meines Dublin-Besuchs ein Leitartikel von Fintan O’Toole in der „Irish Times“ sich diesem Thema widmete – falsches Verhalten der Radfahrer in den Straßen von Dublin, dabei allerdings vernachlässigend, dass dies kein Problem allein der Radfahrer ist. Dieser Diskussionsbeitrag zeigt mir: Dublin ist auf dem Weg, eine „Fahrradstadt“ zu werden. Und wenn man genau hinschaut, dann sieht man überall erste Zeichen dafür. In der Innenstadt ist unübersehbar, dass mehr mit dem Rad gefahren wird. Das Fahrradverleihsystem Dublin Bikes, die ersten Fahrradkuriere, hier und da schon Lastenfahrräder, Fahrradrikschas für Touristen, Fahrradstreifen der Gardaí, der Trend zu hochwertigeren und vielfältigeren Fahrradtypen – all das sind Zeichen dafür, dass Radfahren in Dublin dabei ist, populär zu werden.

Bei der Infrastruktur ist noch viel zu tun – aber das gilt auch für Berlin. Dort war es wichtig, dass Radverkehrsförderung fester Bestandteil der übergeordneten Verkehrspolitik ist, unter anderem durch eine eigene Radverkehrsstrategie (auf Englisch zu finden unter www.stadtentwicklung.berlin.de). Davon kann sich Dublin vielleicht inspirieren lassen – es muss aber vor allem seinen eigenen Weg finden. Denn der Radverkehr wird wichtiger werden – in Dublin und in Berlin. Diese Entwicklung muss offensiv begleitet werden, auch durch Entscheidungen gegen den Autoverkehr.