Stadtentwicklung Bankenarchitektur in Irland und Deutschland

Frankfurt
Frankfurt | Foto: © Getty Images

Während eine Debatte über Banken- und Währungspolitik in Europa in Rahmen der Europäischen Union als Ganzes tobt, spiegelt die Architektur der Banken, wie etwa der Europäischen Zentralbank [EZB], der deutschen Bundesbank oder der irischen Zentralbank (Central Bank of Ireland), die unterschiedlichen Bedingungen und die wachsenden Unterschiede zwischen diesen Institutionen.

Europas neues Wahrzeichen: die Zentrale der EZB in Frankfurt am Main

Im Zentrum der Diskussion steht die EZB, die die Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten steuert und kontrolliert. Dieser Goliath wird bald seinen gemieteten Standort im Herzen des Frankfurter Bankenviertels räumen und in eine neue Hochburg im Frankfurter Ostend einziehen, die schon jetzt als neues Wahrzeichen der Frankfurter Skyline auch aus großer Entfernung zu sehen ist. Ausgangspunkt für die Gestaltung der Türme war die Perspektive auf die Stadt Frankfurt. Mit einer Höhe von rund 185 Metern hat der Doppelturm mit seiner polygonalen Form und Ost-West-Ausrichtung, ein markantes Profil.

Wolf D. Prix, Gründer des Wiener Architekturbüros Coop Himmelb(l)au, verriet kürzlich in einem Interview unter dem Titel „Türme sind ein Zeichen der Macht“, dass sich die Europäische Zentralbank ein ikonisches Gebäudeensemble gewünscht hatte, das „Transparenz“ kommunizieren sollte. Diese Transparenz wird durch die Glas verkleidete facettenreiche Turmstruktur erzielt. Sie streckt sich dem Himmel entgegen und wird von den Architekten als „vertikale Stadt“ charakterisiert. Die ehemalige Markthalle auf dem Gelände wurde restauriert und dient heute als „urbanes Foyer“. Es beherbergt Konferenzräume und Besuchereinrichtungen. Mit dem Doppelturm ist es durch das Empfangsgebäude verbunden, das es kreuzt und das den Eingang deutlich markiert.

Die Nüchternheit der Architektur der Deutschen Bundesbank

Die aufsteigende Vertikalität der neuen EZB-Zentrale wurde von Kritikern als "Turmbau zu Babel" verhöhnt. Diese Kritiker meinen, dass die EZB ihr Mandat bezüglich der Fiskalpolitik in Europa überschritten habe. Die kühne Metaphorik der EZB steht in krassem Gegensatz zu der Architektur der Deutschen Bundesbank (Architekten: H.G. Beckert, G.Becker). Die Zentrale der Bundesbank in Frankfurt am Main aus den 1970er Jahren, im Internationalen Stil gehalten, ist nüchtern im Ton und geerdet durch die Horizontalität der Architektur.

Die sehr unterschiedlichen Sprachen von EZB und Bundesbank sind ein lebendiges Spiegelbild der immer größer werdenden Kluft bezüglich der Philosophie des Euro-Projekts. Diese Unterschiede sind dermaßen eskaliert, dass die Bundesbank gegen die Politik der EZB vor dem deutschen Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe geklagt hat.

Das Dilemma der irischen Zentralbank: Umzug in die Zentrale der „Giftbank“

In Irland wird die Zentralbank aus ihrem aktuellen Hauptsitz an der Dame Street, einem der markantesten Gebäude Dublins, ausziehen. Dieser äußerst selbstbewusste Bau von Sam Stephenson mit seinen kühnen Umrissen ist berüchtigt für seine Keckheit. Von Abscheu bis Bewunderung hat er im Laufe der Jahre unterschiedlichste Reaktionen hervorgerufen. Mitten in der grausamen Rezession der 1970er Jahren wurde diese Zentralbank mit einem Hauch von Trotz unter Umgehung von Bauvorschriften errichtet. Vor Kurzem diente sein Vorplatz den Occupy-Demonstranten als Zeltplatz. Auch wenn dieses Gebäude ein Symbol des modernen Irland bleibt, wurde sein robuster Gestus durch den Zusammenbruch des Bankensystems in gewisser Weise entwertet. Diese Umwertung verlief parallel zur Unfähigkeit der Zentralbank, vor, während und nach dem Zusammenbruch die Geschäftspraktiken der Banken zu kontrollieren.

Die Entscheidung der irischen Zentralbank, die halbfertige Struktur der Anglo Irish Bank zu kaufen, jener Bank, die Irland sozusagen in den Bankrott führte, ist in der Öffentlichkeit höchst umstritten. Die Anglo Irish Bank hatte die irische Zentralbank bei einer massiven Rettungsaktion im Hinblick auf den Umfang ihrer Schulden bewusst getäuscht - ein Fehlverhalten, für das die irischen Steuerzahler viele Jahre lang zahlen werden.

Die Entwürfe für die Zentrale der Anglo Irish Bank spiegeln die kühne Haltung der Bank während des Wirtschaftsbooms. Der ursprüngliche Entwurf besteht aus zwei achtstöckigen Gebäuden, nahezu rechteckig, mit zweischaligen Glasfassaden. Ein deutsches Verglasungsunternehmen war beauftragt worden, diese Fassaden zu konstruieren. Das Unternehmen scheiterte vor Gericht, als es versuchte, eine Entschädigung zu erzielen, nachdem das Projekt wegen des Zusammenbruchs der Anglo Irish Bank gestoppt worden war. Traurig steht das Betonskelett der halbfertigen Struktur am Rande des Irish Financial Services Centre. Es ist zum Synonym für das Scheitern der irischen Finanzwirtschaft geworden. Der genehmigte Entwurf des Architekturbüros The O‘Toole Partnership für die irische Zentralbank ist eine modifizierte Version des ursprünglichen Entwurfs für Anglo Irish Bank.

Architektur des Rückzugs bei den irischen Banken

Ein preisgekrönter Wettbewerbsbeitrag von GKMP Architekten für das Gebäude der Zentralbank an der Dame Street sieht nach dem Auszug die Errichtung einer städtischen Schule vor. Das Gebäude der Anglo Irish Bank an St. Stephen‘s Green wurde geräumt, seine Belegschaft hat sich in die grünen Vororte von Dublin 4 zurückgezogen. Die silbernen Buchstaben des Schildes wurden abmontiert. Man kann sie im Irischen Museum für Moderne Kunst zu besichtigen.

Die einst zuversichtliche Sprache der Türme der Ulster Bank am Dubliner George‘s Quay steht heute in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage dieser Bank. Sie ist durch schlechte Kredite belastet und versucht verzweifelt, die Schuldner durch Aufsehen erregende Gerichtsverhandlungen im Ausland zu verfolgen. Andere Banken haben Irland dauerhaft verlassen. Der von den Architekten RKD 2004 fertiggestellte Hauptsitz der Royal Bank of Scotland am St. Stephen‘s Green steht leer. Der ehemalige Sitz der Danske Bank am College Green steht ebenfalls zum Verkauf. Wahrscheinlich wird er das Schicksal anderer ehemaligen Bankgebäude im Stadtzentrum von Dublin teilen und bald als Filiale einer Geschäftskette genutzt werden.

Graffiti an den Hauptquartieren EZB und Irish Central Bank

Eine neue unerwartete Entwicklung auf den Baustellen der EZB-Türme und der künftigen irischen Zentralbank sind Graffiti. In Frankfurt am Main ist die Umzäunung der EZB-Baustelle mit Malereien vieler Künstlern verziert, auch von Künstler aus krisengeschüttelten Ländern wie Spanien und Griechenland. Viele dieser Bilder sind kritisch. Gleichwohl werden sie von der EZB im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts erlaubt und gefördert. Im Juni wurde der Rohbau der neuen irischen Zentralbank von Unbefugten mit Graffiti bemalt. Slogans enthielten Namen von Politikern und die beiden Worte: „irischer Verräter“.

Architekten von Bankeninstitutionen stehen in den kommenden Jahren vor der Herausforderung, das Vertrauen der Öffentlichkeit durch gelungene architektonische Gestaltung zurückzugewinnen.