Erinnerung und Erneuerung Neue Synagogen in Deutschland und das Jüdische Museum in Dublin

Ulm Synagoge
Ulm Synagoge | Foto: Yohan Zerdoun

„Erinnerung als Geheimnis der Erlösung” (Ein Denkmal vor der neuen Synagoge für die jüdische Gemeinde von Ulm, die während des Holocausts umkam)

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 – der berüchtigten Kristallnacht – wurden über 1000 jüdische Synagogen in Deutschland und Österreich angegriffen, beschädigt oder niedergebrannt. Die historische Synagoge von Ulm war eine von ihnen. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in Deutschland über 100 neue Synagogen gebaut. Die Neueste wurde im Dezember 2012 von Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck in Ulm eingeweiht. Unter den mehr als 300 geladenen Gästen waren ehemalige jüdische Bürger von Ulm, die während des zweiten Weltkrieges geflohen waren.

Oft an zentralen städtischen Orten platziert, haben die meisten neuen Synagogen in Deutschland eine entschieden zeitgenössische bauliche Gestalt, so zum Beispiel die beeindruckende Ohel Jakob Synagoge (2006) am Sankt-Jakobs-Platz in München. Entworfen von den Architekten Rena Wandel-Hoefer und Wolfgang Lorch als markantes Gebäude aus Travertin mit einem Glaskubus obendrauf, ist die Synagoge Teil eines größeren Ensembles mit einem jüdischen Museum und einem Holocaust-Mahnmal. In Dresden wurde von den Architekten Wandel Hoefer Lorch mit Nikolaus Hirsch eine ausgesprochen zeitgenössische neue Synagoge und ein Gemeindezentrum gebaut an derselben Stelle, an welcher Gottfried Sempers Synagoge von 1840 fast 100 Jahre lang gestanden hatte, bevor sie in der Kristallnacht zerstört wurde.

Auch die Synagoge in Ulm ist bloß einen Katzensprung entfernt vom Standort des ehemaligen Gebäudes dank der Stadtverwaltung, die ein Baugrundstück auf dem historischen ‘Weinhof’ kostenlos zur Verfügung stellte. Die Stadt führte auch einen Gestaltungswettbewerb durch in Zusammenarbeit mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft im Bundesland Baden-Württemberg (IRGW), die die Finanzmittel bereitstellte. Die in Köln ansässigen Architekten kister scheithauer gross (ksg) gingen erfolgreich aus dem Wettbewerb hervor mit einem Entwurf, der laut Ulmer Baudezernent Alexander Wetzig „diese hochsensible Stelle im Ulmer Stadtraum bereichert, ohne ihr ihren einzigartigen Charakter zu nehmen”.

Wenn man sich der neuen Ulmer Synagoge nähert, schafft der schlichte Quader (24m breit, 16m tief und 17m hoch) einen deutlichen Kontrast zu den steilen Giebeln, die Ulm prägen. Der helle Dietfurter Kalkstein, welcher das Gebäude einkleidet, schafft eine willkommene Abwechslung zum dunkleren Stein des Ulmer Münsters, das über die Stadt ragt. Die glatte Steinfassade der Synagoge wird allein auf der südöstlichen Seite von einem erlesenen Eckfenster mit einem Davidsternmuster unterbrochen. Nachts strahlt daraus ein faszinierendes Licht auf den öffentlichen Raum in Form von Sternen, die auf dem Bürgersteig tanzen.

Architektin Susanne Gross erklärt: „Das Davidsternfenster und seine Ausrichtung nach Jerusalem (südöstlich von Ulm) waren eine der Gestaltungsänderungen, die nach dem Wettbewerb stattfanden und das Ergebnis von ausführlichen Diskussionen mit der jüdischen Gemeinde von Rabbiner Shneur Trebnik waren.” Trebnik repräsentiert eine stetig wachsende jüdische Gemeinde in Ulm mit mehr als 450 Mitgliedern. Vor dem Holocaust bestand Ulms jüdische Gemeinde aus 700 Leuten und schloss den jungen Albert Einstein ein. Trebniks Gemeinde ist jüdisch-orthodox, und die Entwurfsvorgaben beinhalteten eine Frauenempore im Obergeschoss, welche durch einen Wandschirm vom Hauptgebetsraum abgetrennt ist. „Der hölzerne Schirm kann während nicht-sakralen Veranstaltungen, beispielsweise bei Konzerten, wo die formale Trennung von Frauen und Männern nicht erforderlich ist, demontiert werden”, erläutert Gross.

Der Gebetsraum der Synagoge ist zweifellos der wichtigste Innenraum und ist architektonisch entsprechend behandelt. Durchs Erdgeschoß betreten, hat der Gebetsraum eine erhabene Höhe und wird vom Tageslicht des Jerusalemfensters und einem weichen Oberlicht erhellt. Den Schwerpunkt bildet der hohe Toraschrein, positioniert in der südöstlichen Ecke des Raumes. Eine erhöhtes Podium mit Pult zum Entrollen und Verlesen der Tora steht vorne und wird Bima genannt. Obwohl die Synagoge von außen täuschend klein scheint, enthält sie ein komplexes Innenleben von Gemeinschaftsräumen, Büros, einem Ritualbad (Mikwe) im Untergeschoß und einer Kindertagesstätte auf dem Dach. Die verhaltene Form gibt nur flüchtige Einblicke ins innere Leben der Synagoge preis, und das öffentliche Interesse an Führungen ist groß.

In Dublin werden gegenwärtig Pläne für die Erweiterung und Modernisierung des Irisch-Jüdischen Museums ausgearbeitet, welches sich in einer ehemaligen Synagoge in Portobello im südlichen Stadtzentrum befindet. Portobello war einst ein blühendes jüdisches Viertel, bekannt unter dem Namen „Kleines Jerusalem”, mit jüdischen koscheren Metzgereien, Bäckereien, Lebensmittelgeschäften, Schneidern und Buchhandlungen. Zwei Reihenhäuser, die Nummern 3 und 4 an der Walworth Road, dienten seit 1916 als Synagoge und wurden 1985 in ein Museum umgewandelt, als ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung in die Vororte zog. Das Museum wurde offiziell von Dr. Chaim Herzog eröffnet, dem in Irland geborenen früheren Präsidenten von Israel, der in der nahe gelegenen Bloomfield Avenue aufgewachsen war. Ebenfalls gleich um die Ecke befindet sich das fiktive Heim von Leopold Bloom, der jüdischen Hauptfigur in James Joyces Roman Ulysses. Das Museum umfasst den früheren Gebetsraum und beherbergt eine Vielzahl von Objekten und Manuskripten, die die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Irland erzählen. Doch wegen „starker Überlastung und mangelndem Raum konnte ein Großteil der umfangreichen Sammlung noch nie ausgestellt werden”, meint das Museum. Das vorgeschlagene Museum, das sich derzeit in Planung befindet, wird ein Archivlager enthalten und mehr Ausstellungsfläche sowie verbesserte Einrichtungen für Besucher, darunter ein audio-visuelles Theater, ein Café, ein Geschäft und einen Garten.