Mit Schauspielern, Musikern und Tänzern Falk Richter

Falk Richter

Falk Richter (*1969, Hamburg) gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Theaterregisseure und Dramatiker. Seit 1994 arbeitet er an vielen renommierten nationalen und internationalen Bühnen wie u.a. dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg, Schauspielhaus Zürich, Schauspiel Frankfurt, Schaubühne Berlin, Maxim Gorki Theater, Hamburgische Staatsoper, Nationaltheater Oslo, Toneelgroep Amsterdam, Théâtre National de Bruxelles, Ruhrtriennale, Salzburger Festspiele und dem Festival d’Avignon. Zu seinen bekanntesten und erfolgreichsten Texten gehören GOTT IST EIN DJ, ELECTRONIC CITY, UNTER EIS und TRUST. Seine Stücke, die von hoher Aktualität zeugen, liegen in mehr als 30 Sprachen vor und werden weltweit gespielt.

In den letzten Jahren entwickelte er zunehmend freie Projekte basierend auf eigenen Texten gemeinsam mit einem Ensemble aus Schauspielern, Musikern und Tänzern. Mit der Choreographin Anouk van Dijk entwickelte er mehrere Tanztheater-Projekte, die in ihrer speziellen Verbindung von Text, Tanz und Musik eine neue ästhetische Form begründeten. Ihre gemeinsamen Produktionen NOTHING HURTS, TRUST, PROTECT ME, RAUSCH und COMPLEXITY OF BELONGING touren mit großem internationalem Erfolg. 2013 gewann er den Friedrich-Luft-Preis für seine Musik-Tanz-Theater-Produktion FOR THE DISCONNECTED CHILD, die an der Schaubühne Berlin in Kooperation mit der Staatsoper im Schillertheater uraufgeführt wurde. 2014 feierte er mit seinem Stück SMALL TOWN BOY am Maxim Gorki Theater eine viel beachtete Premiere und begründete an der Schaubühne mit der Inszenierung NEVER FOREVER seine Zusammenarbeit mit dem Choreographen Nir de Volff. NEVER FOREVER war 2015 auf der Biennale in Venedig zu sehen. Richter unterrichtet als Gastprofessor Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin.

Richters Texte beleuchten kritisch gesellschaftliche, ökonomische und politische Themen. Sie beschreiben beispielsweise die Effekte unseres neoliberalen Systems auf das Individuum selbst, auf seine Gedanken, Gefühle, Sprache und sein Verhalten. Richter thematisiert eine Welt in der die Ideologie des Marktes – Effizienz, Beschleunigung und Selbstoptimierung – nahezu jeden Winkel der menschlichen Existenz vom Arbeitsleben bis zum Liebesleben durchdringt. Die Protagonisten in Richters Werken sind Menschen, die einerseits global vernetzt sind, global arbeiten und lieben und andererseits ihr Zugehörigkeitsgefühl, ihre Wurzeln verloren haben zu scheinen. Menschen, die in einer virtuellen Welt leben, die sich und das Bild, das andere von ihnen haben, permanent zu kontrollieren und optimieren versuchen. Einsame Individuen, die sich nach Anerkennung, Nähe und Liebe sehnen und im nächsten Moment einen Rückzieher machen, zurückschrecken und sich in emotionale Isolation zurückziehen.

Richters neueste Werke analysieren den Zwiespalt in westlichen Gesellschaften zwischen Liberalismus, Offenheit und Gleichheit einerseits und angstgesteuertem, rechten Populismus, Xenophobie, Homophobie, Sexismus und religiösem Fundamentalismus andererseits.  Die Produktion von „FEAR“ (Schaubühne, 2015) kritisiert prominente Politiker der extremen Rechten, wofür sowohl das Theater, wie auch Falk Richter verklagt wurden, um die Aufführung des Stücks zu verbieten – ohne Erfolg.

Viele von Richters neuen Projekten vereinen unterschiedliche Kunstformen und Disziplinen. Musik ist sowohl für seine Texte als auch als Element auf der Bühne von Bedeutung. Das Repertoire an Musik reicht von Popsongs bis hin zu komplexen elektronischen Kompositionen und Rhythmen und ist Motor, Impuls und Inspiration in seinen Produktionen. Richter arbeitet parallel als Autor und Regisseur und schreibt und improvisiert Texte und Bewegungen während der Theaterproben: Ein Text, so seine Divise, kann eine Bewegung inspirieren, ein Schauspieler oder Tänzer einen Text und vice-versa. Seine Zusammenarbeit mit Anouk van Dijk oder dem Choreographen Nir de Volff führen Schauspieler und Tänzer, Text und Bewegung zusammen und verwischen die Grenzen zwischen den Disziplinen.