Gedenktag für die Opfer der Shoa Jom HaShoa

Es ist jedes Mal schwer, meinen Gefühlen und Gedanken als Leiter einer deutschen Kulturinstitution in Israel am Jom HaShoa angemessen Ausdruck zu verleihen. Diesmal werde ich es mit einer Geschichte versuchen.
 
Vor Kurzem traf ich einen jungen Lehrer aus Deutschland, der an einer Schule in einem Hamburger Problemviertel unterrichtet. Weil der Lehrer selbst in schwierigen Verhältnissen aufwuchs – seine Mutter stammt aus dem Maghreb und zog ihn alleine auf – genießt er bei den Schülern Respekt. Er will im Sommer mit ihnen nach Israel kommen und bat uns darum, ein Gespräch mit Überlebenden zu vermitteln. Einer der Gesprächspartner wird Nathan Diament sein, mit dem wir schon seit längerer Zeit in einem Projekt zusammenarbeiten. Jede Überlebensgeschichte aus dieser Zeit ist ergreifend, und jede ist sehr besonders. Hier ist Nathans Geschichte:

 
Diese Geschichte wird Nathan den Schülern erzählen. Was wird sie ihnen sagen? Mir selbst verdeutlicht sie vor allem die Macht des Einzelnen. Man hat, auch wenn dies Gefahren birgt, immer die Möglichkeit, Mensch zu bleiben. Alle Retter von Nathan und seiner Familie haben diese Möglichkeit für sich als moralische Verpflichtung erkannt.
 
Die Erinnerung an die Shoa und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit muss in Deutschland unveräußerbarer Teil der Identität sein. Auch und gerade in einer Zeit, in der das Land – zurecht – eine Million Flüchtlinge aufgenommen hat.
 
Wir gedenken der Opfer der Shoa, und wir denken in stiller Anteilnahme an ihre Angehörigen und Nachkommen.