Roland Schimmelpfennig Meister der Collage

Roland Schimmelpfennig schreibt nicht nur für die Bühne, sondern seit 2016 auch Romane.
Roland Schimmelpfennig schreibt nicht nur für die Bühne, sondern seit 2016 auch Romane. | Foto (Zuschnitt): © dpa-Zentralbild / Jan Woitas

Roland Schimmelpfennig gilt als einer der produktivsten Theaterschreiber Deutschlands. 2019 waren gleich zwei seiner Stücke beim Jaffa International Theatre Festival in Israel vertreten.

Kurze, scheinbar zusammenhanglose Szenen; Snapshots vor der Kulisse eines Chinarestaurants, die – schnell geschnitten und überblendet – einen Einblick geben in unterschiedliche Lebenssituationen einzelner Menschen: Der Goldene Drache gehört zu den größten Erfolgswerken des Dramatikers Roland Schimmelpfennig.
 
Zehn Jahre nach seiner Uraufführung am Wiener Burgtheater wurde das Stück 2019 beim Jaffa International Theatre Festival gezeigt. Ebenso auf dem Spielplan des größten israelischen Theaterfests: Schimmelpfennigs Stück Wintersonnenwende. Eigens für das Festival wurde eine Übersetzung der Stücke ins Hebräische in Auftrag gegeben; gespielt wurden die Werke von Schauspielern des israelischen Gesher Theaters.
 

Produktiv im In- und Ausland

Roland Schimmelpfennig gilt als der zurzeit meistgespielte Gegenwartsdramatiker Deutschlands – und auch als der produktivste: Gut drei Dutzend Stücke und Hörspiele hat der Autor bislang verfasst. Schimmelpfennig studierte Regie an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Seit 2000 schreibt er Stücke für große Bühnen wie etwa das Deutsche Theater in Berlin, das Schauspielhaus Bochum oder, seit 2018, das Staatsschauspiel Dresden. Seine internationalen Auftragsarbeiten werden zudem an Spielstätten in Toronto, Tokio oder Stockholm aufgeführt.
 

Die Short-Cut-Methode

Charakteristisch für die Arbeiten des in Berlin und Havanna lebenden Autors sind vor allem collagenhaft zusammengesetzte Szenen, wiederkehrende Zeitsprünge, Ortsveränderungen und Perspektivwechsel. Das führt, wie etwa im Goldenen Drachen, zu einem besonderen Effekt. Denn hier treffe die „Short-Cut-Dramaturgie auf das Genre Sozialdrama“, wie Christine Dössel 2010 in den Mülheimer Theatertagen erläutert: Das Sozialdrama werde so aus der „miefigen Realismusecke“ herausgeholt, ohne es jedoch zu entschärfen. Das Stück erhielt 2010 den Mülheimer Dramatikerpreis, zuvor wurde es bei der Kritikerumfrage von „Theater heute“ 2009 zum Stück des Jahres gekürt. 

 
Vom Theater- zum Buchautor

Neben seiner Arbeit als Dramatiker öffnete sich Schimmelpfennig unlängst dem Format des Romans: 2016 veröffentlichte er sein Debüt An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, welches noch im gleichen Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde.