Fußball Endstation Super League in Indien

Manuel Friedrich ist ein Abenteurer. Mit 34 Jahren stürzte er sich noch einmal in den internationalen Spitzenfußball. Das ist nicht zwingend ungewöhnlich. Doch der Profi war fast fünf Monate vereinslos, hielt sich lediglich beim Regionalligisten RW Oberhausen fit. Ende November 2013 folgte der Wechsel zu Borussia Dortmund. Meisterschaftskampf, Champions League, verteidigen vor 80.000 Zuschauern. Dabei hatte er ein Abenteuer ganz anderer Art geplant. Das holt er jetzt nach. In der wohl exotischsten Liga der Welt. 


Bei Bayer Leverkusen ließ er seinen Vertrag im Sommer 2013 bewusst auslaufen, um sich seinen großen Traum zu ermöglichen: einen Wechsel nach Asien. Doch Friedrich fand keinen Verein. Und spätestens nach dem Anruf seines ehemaligen Mainzer Trainers Jürgen Klopp, dem er nach einer Verletztenmisere in Dortmund aus der Bredouille helfen sollte, war klar, dass der Fernost-Transfer nicht klappt.

Vor einigen Tagen unterschrieb Friedrich nun einen Vertrag für eine Saison beim Mumbai City FC, der in der erst im Oktober 2013 gegründeten Indian Super League spielt. Nicht Katar, nicht China, nicht Australien oder die USA – Indien ist das neue Auffangbecken für von der Bildfläche verschwundene Altstars. Hier versprühen sie den letzten Glanz alter Tage - bevor sie ihre Schuhe dann endgültig ausziehen.

Acht Ligateams wurden per Draftingsystem nach Vorbild der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA und klaren Vorgaben zusammengestellt. Neben jeweils einem sogenannten Marquee-Player, einem Vorzeigespieler wie David Trezeguet, Robert Pirès oder Fredrik Ljungberg, der mindestens ein Spiel bei einem kontinentalen Turnier bestritten haben muss, besteht ein Team aus 14 einheimischen Spielern sowie sieben weiteren ausländischen Profis.

Zu ihnen gehört nun auch Manuel Friedrich. Sein Trainer ist der Niederländer Ruud Gullit. "Ich bin sehr aufgeregt, Teil des Teams in Mumbai zu sein und werde mein Bestes geben", sagte der 34-Jährige, der im Vergleich zu einigen Altstars aber noch recht jung daher kommt. Spieler wie die italienische Ikone Alessandro Del Piero (39), der spanische Welt- und Europameister Joan Capdevilla (36), der Franzose Mikael Silvestre (37) oder dessen Landsmann David Trezeguet (36), der im EM-Finale 2000 gegen Italien (2:1) das Golden Goal erzielte, liegen bei 36 Jahren aufwärts.

Der einstige – und selten pannenfreie – englische Nationalkeeper David James fungiert mit 44 Jahren sogar in Doppelfunktion, ist zugleich auch Coach einer Mannschaft. Einer seiner Trainerkollegen ist die brasilianische Fußball-Legende Zico. Und auch ein alter Bekannter von Borussia Mönchengladbach findet sich nun in der Super League wieder: der Norweger Morten Skoubo.

In Indien, wo eigentlich Cricket als Nationalsport gilt, soll der Fußball durch die attraktiven Namen stärker in den Fokus der 1,2 Milliarden Menschen gerückt werden. Ein erster Versuch scheiterte aber bereits vor zwei Jahren, als sich ein ähnliches Projekt unter dem Namen "Premier League Soccer" nicht durchsetzte. Fünf Klubs lockten namhafte Spieler wie Fabio Cannavaro, Hernan Crespo, Jay-Jay Okocha, Juan Pablo Sorin oder Robbie Fowler nach Indien. Für eine Handvoll Spiele hätten sie noch einmal kräftig kassieren können. Doch der Ligabetrieb startete wegen finanzieller Probleme nie.

Manuel Friedrich reizt nicht in erster Linie das Geld. Er hat ein anderes Kalkül. "Es ist eben so, dass ich im Geschäft Bundesliga fast alles erlebt habe, was man erleben kann. Nun soll es eben eine neue Erfahrung inklusive unbekannter Sprache und Kultur sein – und das geht halt nur in solchen Ländern", erklärte er. Dortmunds Trainer Klopp, der den 1,89 Meter großen Verteidiger vielleicht sogar ein weiteres Jahr hätte beschäftigen wollen, bemerkte trotzdem süffisant: "Mir stellt sich schon die Frage, warum er künftig gegen Leute spielen will, die ihm nur bis zum Hüftknochen gehen."

Sicher: Sportlich ist es als ehemaliger Nationalspieler vielleicht nicht die allergrößte Herausforderung. Doch der frühere Bundesligaprofi hat andere Beweggründe: "Mich reizt es, in ein Land zu kommen, in dem ich erst einmal nichts lesen kann, niemand Englisch spricht und ich mich dennoch irgendwie verständigen muss." Er sieht das als reines Abenteuer. Nicht umsonst lautet ja auch sein Mantra: "Einfach kann jeder."