Magazin „Straight“ Felicia Mutterer im Interview: „Ich fordere Akzeptanz“

Felicia Mutterer
Felicia Mutterer | Foto (Ausschitt): Felicia Mutterer

„Straight“ ist ein Slangwort für heterosexuell. Ausgerechnet so heißt eine neue Zeitschrift für „Frauen, die Frauen lieben“. Was das Heft von der lesbischen Szenepresse unterscheiden soll, erzählt Chefredakteurin Felicia Mutterer im Interview.

Frau Mutterer, woher kam Ihnen die Idee zu einem neuen Magazin für queere Frauen – gibt es das nicht schon?

Es gibt mit LMag und Missy Magazine schon zwei Angebote, aber das Missy Magazine versteht sich eigentlich nicht als Magazin für lesbische oder frauenliebende Frauen und LMag hat auch einen ganz eigenen Ansatz. Das finde ich prima, aber das eine ist mir zu wenig frauenliebend, das andere zu speziell. Deswegen war der Ansatz, etwas zu machen, was frauenliebend, aber ein bisschen mehr an Lifestyle orientiert ist.

„Straight“ sieht sich als Magazin „für Frauen, die Frauen lieben“. Haben Sie sich bewusst für diesen weit gefassten Titel entschieden?

Ja. Ich finde das total wichtig. Bisexualität ist ja auch so ein Thema, da findet oft Ausgrenzung auch innerhalb der LGBT-Szene statt. Ich beglückwünsche jeden Menschen, der eine klare, eindeutige Identität hat. Ich glaube aber auch, dass da etwas im Fluss ist und sich manche Identitäten finden oder verändern. Dem wollen wir Genüge tun, indem wir sagen: Wir sind dafür offen. Es gibt ja auch Frauen, die in heterosexuellen Beziehungen leben, auch noch nie was mit einer Frau hatten, aber danach lechzen, ein bisschen was mitzubekommen.

„Wir sind selbstbewusst und wir sind da, ganz selbstverständlich“

Was ist das Lebensgefühl von „Straight“?

Wir gehen nicht mit Kampfeshaltung an die Sache ran, sondern wollen zeigen: Wir sind selbstbewusst und wir sind da, und wir sind ganz selbstverständlich da, ohne jetzt so einen Riesen-Aufwasch machen zu wollen. Leute können sich manchmal für ein Thema mehr begeistern, wenn sie sehen, dass das nicht so vollkommen gravierend ist. Wir versuchen eher auf die unterhaltende Art und Weise vorzugehen. Aber wir positionieren uns klar für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare, und wir sagen auch: Niemand darf aufgrund seiner Sexualität benachteiligt werden. Das ist eine Diskriminierung. Unser Staat macht das immer noch, von anderen Ländern ganz zu schweigen. Wir sind dafür da – und insofern finde ich uns hochpolitisch – da immer wieder den Finger in die Wunde zu legen.

Arbeiten in Ihrem Team nur Frauen?

Nein. Unser Grafikdesigner Andreas Pietsch ist ein Mann. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen: Wir trennen hier mal auf. Ich spiele auch in einem Fußballverein, wo durchaus mal darüber diskutiert wird, ob ein Mann im gleichen Raum Krafttraining machen darf. Es ist grundsätzlich vollkommen in Ordnung, dass man darüber diskutiert. Aber mir persönlich ist sowas ein Graus. Ich lebe eben nicht in einer separaten Welt, wo frauenliebende Frauen oder Frauen sich abspalten von einem anderen Teil, der hier auch mit lebt – und das sind Männer.

Bundeskanzlerin Angela Merkel als Lesbe – im „Straight“-Werbespot

Wer hatte die Idee für den Werbespot mit Angela Merkel?

Das ist eigentlich ganz unspektakulär entstanden. Es ist ja schon länger bekannt, dass sie vor der Bundestagswahl Dinge sagte, die nicht so schön sind, wenn man der Gruppierung der homosexuellen Menschen angehört. Wir haben uns in einer Teamsitzung überlegt: Was könnten wir da machen? Wir haben erst an Hillary Clinton gedacht, weil man ihr ja nachsagt, sie sei auch eine Lesbe. Dann meinte Andi, unser Grafikdesigner: [macht Männerstimme nach] ‘Aber die Merkel wär auch lustig!’ So kam das dann.

Würden Sie sagen, dass LGBT heute noch eine Szene oder eine Subkultur ist?

Ich würde schon sagen, dass es noch eine Szene ist. Ich glaube schon daran, dass sich in den letzten Jahren viel getan hat in puncto Offenheit – gerade in Städten. Wobei es hier in Berlin mit der Offenheit auch vorbei ist, wenn man in den einen oder anderen Kiez geht. Ich glaube, dass das abseits von Metropolen immer noch ein Thema ist: Ob man in der Norm zu Hause ist oder nicht so sehr, weil man eine andere Lebensmelodie für sich entdeckt hat und in anderer Form leben möchte.

„Was macht Frausein aus? Total vieles und auch total viel Unterschiedliches.“

Die erste Ausgabe hat viel Aufmerksamkeit außerhalb der Szenepresse bekommen. Wie wollen Sie es schaffen, dass „Straight“ nicht zu einem Nischenmagazin wird?

Wir wollen ein Magazin sein, das frauenliebende Frauen erreicht. Was aber der Nebeneffekt ist – und wir hoffen, dass wir das auch weiterhin erreichen: Dass wir gesellschaftlich hineinwirken und die Möglichkeit haben, für Selbstverständlichkeit zu werben. Letztlich geht es nicht darum, toleriert zu werden, sondern ich fordere Akzeptanz. Da ist es glaube ich ganz gut, in Erscheinung zu treten. Alles, was die Sichtbarkeit erhöht, ist wichtig.

Was bedeutet für Sie Frausein?

Das ist eine total schwere Frage. Was macht Frausein aus? Total vieles und auch total viel Unterschiedliches. Ich bin eine Frau, ich spiele sehr gern Fußball, interessiere mich für die Bundesliga, habe viele Züge der Ignoranz, bin nicht multitaskingfähig, - was man immer eher Männern zuschreibt - fühle mich aber trotzdem als Frau. Dass aber die Welt nicht schwarz und weiß ist und dass man Weiblichkeit und Männlichkeit nicht immer vollkommen voneinander trennen kann, das leuchtet mir schon ein.