Persönliche Erfahrungen Hoffnungslos romantisch in der queeren Welt

Paar im Park
Paar im Park | Foto (Ausschnitt): Manak

Ich bin hoffnungslos romantisch. Ich glaube ans Für-Immer-und-ewig. Ich glaube an glückliche Ausgänge. Zwangläufig leide ich an schlimmen Kopfschmerzen, an Beziehungsenden und an einer Serie von unglücklichen Beziehungen.

Aber ich habe nie aufgegeben, an die Liebe zu glauben. Vielmehr hat die Liebe mich nie aufgegeben. Das ist die Geschichte, wie sie die Mehrzahl der Menschen in meiner Stadt erzählen könnte, glaube ich. Wir sind gefangen in einer Zeit zwischen Nostalgie und Hoffungslosigkeit. Was mir die Sache nicht einfacher macht, ist die Tatsache, dass ich eine Lesbe bin. Auch wenn ich solche Festlegungen eigentlich überhaupt nicht mag, so ist dies für den Kontext meiner eigenen Erzählung doch schon von Bedeutung.

Selbstgewählte Isolation

In einer Welt der Ausgrenzungen, in der wir Gefahr laufen, für unsere religiösen Überzeugungen, unsere soziale Herkunft, unseren Lebensstil, unsere Kastenzugehörigkeit und anderes an den Rand gedrängt zu werden, macht mich meine sexuelle Orientierung umso angreifbarer für den Spott der Gesellschaft. Dies allerdings hinderte mich nicht daran, mich mit achtzehn zu meiner Sexualität zu bekennen. Ich fühlte mich ganz ohne jede Scham zu Menschen meines Geschlechts hingezogen. Ich interessierte mich für sie. Ich fühlte mich ihnen verbunden. Meine erste ernsthafte Liebesaffäre hatte ich auf dem College. Sie war introvertiert, wie es sich für eine Psychologiestudentin gehört, klug und außerordentlich belesen. Ich ließ keinerlei Zweifel an meinem Interesse an ihr erkennen. Das schien mir ganz normal und natürlich. Glücklicherweise erwiderte sie meine Gefühle. Wenn Freundinnen mir von ihren Affären erzählten, schnürte mich das hingegen ein. Mir wurde klar, dass sie für meine Geschichte noch nicht bereit waren. Also verschwieg ich das Geheimnis unnötigerweise vor meinen Freundinnen und fühlte mich sehr isoliert. Es war eine selbstgewählte Isolation, die ich wählte, weil ich die Konsequenzen der Offenheit fürchtete.

Mit der Zeit allerdings wurde ich zunehmend selbstbewusster. Mir wurde klar, dass niemand für mich eintreten würde, wenn nicht ich selbst. Also vertraute ich mich meiner Mutter an. Die Folgen waren für mich sehr kränkend, gelinde auszudrückt. Sie war entsetzt und verlangte von mir, mich anders zu orientieren. Nach einer Reihe weiterer offener Gespräche zeigte sie sich etwas verständnisvoller, blieb aber misstrauisch. Es war eine befreiende Erfahrung. Ich fühlte mich stark. Ich begriff, dass die von mir ersehnte Freiheit für viele nur ein unwirklicher Traum ist. Ich begriff, dass ich aufgrund meiner Herkunft privilegiert bin. Der von mir gewählte Lebensstil ist ein nur selten beschrittener Weg.

Trost in der Gemeinschaft

Ich wurde in einer Organisation aktiv, die sich für Menschen einsetzt, die sich als LBT (lesbisch, bisexuell und trans) verstehen. Ich besuchte ihre Treffen und Workshops. Nach einiger Zeit empfand ich unter den anderen Mitgliedern ein Gemeinschaftsgefühl. Wir durchlebten die gleichen Ängste, Kämpfe und bildeten so eine Gemeinschaft. Ich begriff, dass ich nicht allein bin. Ich fand Trost in der Gesellschaft jener, die von Kampf und Revolution sprachen. Es war ein herausfordernder Traum, aber nicht unmöglich. Mein Herz war voller Träume und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ich wusste, dass Freiheit nur durch Kampf zu erreichen ist. Ich wusste, ich war bereit, den entscheidenden Schritt in den Kampf zu machen.

Heute bin ich sechsundzwanzig. Ich habe eine Reihe von guten, schlechten, unvergesslichen Beziehungen hinter mir. An allen bin ich gewachsen. Jede Frau, mit der ich ein Verhältnis hatte, hat mir wichtige Dinge über das Leben mitgegeben, für die ich dankbar bin. Eines Tages wird die Homosexualität in meinem Land nicht mehr kriminalisiert sein. Eines Tages werde ich ein Leben in Würde führen können. Eines Tages werde ich die Justiz nicht mehr fürchten müssen und kann dann entscheiden, mit wem ich leben möchte. Eines Tages… Es ist noch ein langer Weg, bis ich dann ruhen werden kann.