Bangalore Queer Film Festival Matratzen, Filme und Verrücktheiten

Bangalore Queer Film Festivals (BQFF) 2018
Bangalore Queer Film Festivals (BQFF) 2018 | © BQFF

Das Bangalore Queer Film Festival (BQFF), das vielleicht größte Filmfestival im Süden, das sich LGBT-Themen widmet, ist eine feste Einrichtung im Kulturkalender von Bangalore. Veranstaltet von einer Gruppe von Freunden, die sich rein ehrenamtlich engagieren, hat sich das Festival die Verbreitung von anspruchsvollen Queerfilmen, darunter auch solchen aus nicht-westlichen Gegenden, von Filmen von unabhängigen Filmemachern, von populären Filmen, in denen LGBT-Anliegen vorkommen, und von experimentellen Filmen, die ästhetische Grenzen überschreiten, zum Ziel gesetzt. Zu sehen bekam und bekommt man beim BQFF Filme von und für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle und anderen Gruppen, die aus der heterosexuellen Norm herausfallen – und deren Sichtbarkeit wird weiterhin gefördert.

In diesem Jahr (2018) fand das Festival vom 9.-11. März am Goethe Institut/Max Mueller Bhavan, Bangalore statt. Über 1300 angemeldete Teilnehmer*innen bedeuteten für die Filminteressierten volle Räume und eine lange Schlange bis ganz nach oben, wo diese auf diejenigen traf, die auf Kaffee und Croissants warteten.
 
Das BQFF ist ziemlich einzigartig in der queeren Kultur Indiens, denn das einzige andere vergleichbare Festival findet in Mumbai statt. Tatsächlich gibt es beim BQFF einen Südindien-Schwerpunkt.
 
Eines der ersten queeren Filmfestivals in Indien war das “Larzish: International Film Festival of Sexuality & Gender Plurality”, das 2003 in Mumbai stattfand. In gleichen Jahr wurde das erste queere Filmfestival in Bangalore veranstaltet und seither gibt es kein Zurück mehr.

Kein Zurück mehr

Das Festival hatte in den vergangenen neun Jahren jährlich jeweils zwischen 1000 und 1500 angemeldete Besucher, die keinen Eintritt bezahlen müssen und oft noch durch Spenden den Fortbestand des Festivals sicherstellten. Diese Unterstützung – die in all den Jahren kaum nachgelassen hat – ist ein Zeichen dafür, wie sehr die LGBT-Gemeinde solche Orte braucht – wie auch Zeichen für das wachsende Interesse an neuen Video- und Film-Formaten auf Seiten der Kulturkonsumenten. Und Jahr für Jahr versorgt sie das BQFF ganz in diesem Sinne – mit Kurz- und Langfilmen, Dokumentationen, Animationsfilmen und vielen anderen.
 
Filme jedoch sind nur die eine Seite des Festivals, das zahlreiche andere Kunstformen nach Bangalore bringt. Einen wichtigen Teil machen die Performances aus, bei denen oftmals Performer aus Reihen der LGBT-Gemeinde auftreten. Die BQFF-Performances sind eine Bühne für nicht-professionelle Künstler, die ihre Tanzstücke, Musik oder Theaterstücke vorführen.

Humor und eine Portion Unzüchtigkeit

Bei den Performances steht das Ausprobieren im Mittelpunkt, getragen von Humor und einer Portion Unzüchtigkeit, was sie zu den beliebtesten und den am besten besuchten Veranstaltungen des gesamten Festivals macht, eine lautstarke und lärmige Beteiligung des Publikums inklusive. Vom üblichen ruhig dasitzenden und stummen Publikum bei anderen Filmfestivals kann hier keine Rede sein, wo sich bei den BQFF-Performances jede einstudierte Nonchalance verliert. Diese höchst intensive Beteiligung des Publikums ist Ausdruck der Fortschrittlichkeit des Lebens in der Stadt und der LGBT-Gemeinde – etwas, was außerhalb des BQFF oder der Pride Parade ansonsten nur schwer wahrzunehmen ist. Ebenso wichtig sind die Foto- und Kunst-Ausstellungen, die das eigentliche Filmfestival begleiten. In eben jenen zehn Jahren, die das das BQFF nun beinahe besteht, hat sich die Sichtbarkeit von queerer Kunst und Kultur in Indien deutlich erhöht.
 
Die Anzahl indischer Filme, die gezeigt werden können, wird mit jedem Jahr größer, da sich Mainstream- und unabhängige Filmemacher dem Thema geöffnet haben und sich immer mehr Mitglieder der queeren Gemeinde in Bangalore und anderswo als Filmemacher versuchen und ihre Geschichten erzählen.
 
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Festivalprogramms sind populäre kommerzielle Filme in Tamil, Malayalam, Kannada und Telugu. Diese Filme, die normalerweise nur in kleinen Kinos vor dicht gedrängten Reihen gezeigt werden, stoßen hier auf lebhaftes Interesse und die Begeisterung des queeren Filmpublikums, das ehedem davon ausging, das gesamte LGBT-Kino sei anzüglich oder westlich.

Was ist queeres Kino?

Eine wichtige und fortgesetzte Debatte unter den Kuratoren des Festivals betrifft die Frage, wie queeres Kino zu definieren ist. Der eine Ansatz ist ganz einfach: Kino von und über LGBT-Menschen. Ein anderer Ansatz bestimmt queeres Kino allgemeiner als ein experimentelles, das unser Denken über das Kino als solches verändert. Diese produktive Spannung zwischen solch unterschiedlichen Definitionsansätzen liefert Anregungen für die ästhetische Vision des BQFF.
 
Die Frage, was sich daraus in den kommenden Jahren entwickeln wird, macht das BQFF zu einem der spannendsten Film- und Kulturfestivals im ganzen Land.