Heavy Metal Bang Galore!!! Heavy Metal als Urlaub vom indischen Alltag

Bang Galore!!!
Bang Galore!!! | Foto: © Patrick Hain

Was hat Heavy Metal in Indien mit Deutschland zu tun? Wie ist die Szene auf dem Subkontinent organisiert? Und warum kann ein Konzertbesuch in Bangalore schnell zum Familienausflug geraten? Ein Überblick.  

Heavy Metal: Seit den frühen 1980er-Jahren entwickelt sich diese Subkultur immer weiter zu einem globalen Phänomen. Auf den ersten Blick scheint Indien auf der Weltkarte des Metal noch eine kleine Insel zu sein, doch schaut man tiefer in diese Szene hinein, eröffnet sich eine Welt voller fanatischer, fröhlicher Anhänger, Musiker und Fans, die (natürlich) schwarz gekleidet zu den vielen kleinen Events im ganzen Land pilgern.
 
Während sich die Konzerte in Delhi noch eher auf der Clubebene abspielen und nur vereinzelt internationale Bands hier aufgetreten sind, hat sich Bangalore zum Mekka der indischen Metalszene entwickelt. Hier sind auch schon große Acts wie Slayer, Metallica und Iron Maiden aufgetreten. Eine Vielzahl an indischen Bands bilden die indische Szene und werden auf Konzerten frenetisch gefeiert. Auf der internationalen Bühne genießen Bands wie Kryptos beachtliche Erfolge. Hierbei eifern sie nicht ihren Vorbildern aus der Frühzeit des europäischen Metals nach, sondern entwickeln ihre ganz eigene, indisch beeinflusste Spielart dieser Musik. Doch für die Fans und Musiker ist es mehr als nur die Musik: Es ist ein Lebensgefühl, das ein Ablassventil für den Druck der indischen Gesellschaft geworden ist.

Mit Uniabschluss und gut bezahltem Job

Im Gegensatz zu den europäischen Fans und Musikern der frühen 1980er-Jahre, die oft aus der Arbeiterschicht kamen, stammt eine Vielzahl der indischen Musiker und Fans aus der gehobenen Mittelschicht des Landes. Sie haben Universitätsabschlüsse und gut bezahlte Jobs. In Gesprächen machen sie immer wieder deutlich, dass es nicht um die aggressiven Inhalte der Texte geht, sondern vielmehr um den befreienden Frustabbau, eine Art Urlaub vom Alltag Indiens. Stellvertretend für viele Fans sagt Nolan Lewis, Sänger der Band Kryptos „Wenn ich nicht Metal entdeckt hätte, wäre ich wahrscheinlich kriminell geworden, oder so was“.

Die Szene hält zusammen und organisiert Konzerte. Konzertveranstalter sind oft Fans, die versuchen mit geringen finanziellen Mitteln oder durch Crowdfunding Festivals auf die Beine zu stellen. Dem Idealismus Einzelner ist es zu verdanken, dass es in Bangalore seit ein paar Jahren ein Festival gibt, zu dem Bands aus Bangladesh, Nepal, Sri Lanka, Singapore und weiteren Ländern anreisen können. Das Internet spielt hierbei eine wichtige Rolle. Über Facebook werden Konzerttermine verbreitet, in Online Shops wie „Metal-Masala“ können die Fans Musik und Fanartikel kaufen, die auf dem indischen Markt nur schwer oder gar nicht zu bekommen sind.

Metal als Familienausflug

Die Stimmung auf den Festivals oder Konzerten ist absolut positiv aufgeladen, die Menschen kommen ins Gespräch, Informationen zu Bands und Konzerten werden weitergegeben und es wild, wild gefeiert. Auch der Kontakt zwischen Fans und Musikern ist bei diesen Events weitaus enger als beispielsweise in Europa. Vor und nach den Auftritten der einzelnen Bands findet man fast immer alle Mitglieder im Publikum. Es werden CD verkauft, Autogramme gegeben, Kontakte geknüpft und zusammen gebangt.
Fans im Teenageralter werden oft von ihren Eltern begleitet: Während der Sohn oder die Tochter vor der Bühne den Kopf schüttelt, wird im hinteren Teil der Location gemütlich Chai getrunken. Metal als Familien Ausflug.

Unterstützung aus Wacken

Was hat das mit Deutschland zu tun? Viele junge indische Musiker geben an, dass sie sehr von den deutschen Metalbands der 1980er-Jahre beeinflusst wurden. Auf den Kutten und Shirts liest man die Namen Kreator, Sodom, Destruction. Das Bangalore Festival wird von den Organisatoren des weltweit berühmten Wacken Open Air gesponsert. Die Wacken Road Show verhilft indischen Bands zu Auftritten in Deutschland. Auch das Goethe Institut in Bangalore veranstaltet immer wieder Metal Konzerte und  bringt bekannte deutsche Bands wie zum Beispiel Kreator nach Indien.
 
Und dann sind da auch noch die Fans. Eine Gruppe von deutschen Metal Fans aus Delhi fliegt seit ein paar Jahren regelmäßig nach Bangalore, um dort ihre Lieblingsmusik zu erleben. Es haben sich gute Kontakte und Freundschaften zu den Musikern vor Ort entwickelt. Auch hier geht es um den berühmten „Break from Delhi“. Für die gute Stimmung sorgt hierbei nicht nur die gute Luft der Stadt... Nachdem Bangalore Open Air 2015 Anfang Juni richten sich die Gedanken jetzt bereits auf 2016.