Gesellschaftsspiele Gehe direkt ins Gefängnis. Gehe nicht über Los!

Spielspaß
Spielspaß | Foto: © Colourbox.de

Spielen ist ein grundlegendes Element der menschlichen Natur und Teil jeder Kultur. Etliche Spiele, die wir kennen, haben antike Vorfahren: römische Tempelbauer haben den Spielplan des Mühlespiels in Steinplatten geritzt, indische Herrscher mit lebendigen Figuren Pachisi, den Vorläufer unseres „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt und Ball-, Fang- oder Versteckspiele wurden zu jeder Zeit und auf allen Kontinenten gespielt. 

Gleichzeitig sind Spiele auch ein Spiegel der Kultur einer Gesellschaft, sie verraten etwas über das Leben in einem Land. Spielen braucht Zeit. Die gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen des 20. Jahrhunderts führten zunächst dazu, dass viele Menschen in Europa mehr freie Zeit zur Verfügung hatten, die sie auch zum Spielen nutzten. Einige Klassiker unter den Brett- und Gesellschaftsspielen stammen aus der Zeit: Halma (Ende des 19. Jh.), Mensch ärgere Dich nicht, Monopoly (1904 in Nordamerika auf den Markt gebracht und während der Weltwirtschaftskrise populär geworden), Scrabble (1931).
 
Im 21. Jahrhundert fehlt es in Deutschland an Zeit zum Spielen. Eine Vielzahl von alternativen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung konkurriert miteinander: Medienkonsum in all seinen Facetten, an feste Zeiten gebundene sportliche und musikalische Aktivitäten u.v.m. nehmen vor allem Kindern Zeit zum freien Spielen.

Wer spielt mit wem und wer spielt was

Während bis vor 20 Jahren innerhalb einer Familie mit Kindern ab dem Kindergartenalter hauptsächlich Legespiele wie Memory, Brettspiele wie Mensch ärgere Dich nicht oder Kartenspiele wie Uno gespielt wurden, später dann Schach (das bereits im Mittelalter zu den erstrebenswerten Tugenden eines Ritters gehörte), Tabu, Doppelkopf oder Mau-Mau angesagt waren, spielen Eltern und Kinder heute neben diesen zum Teil auch gemeinsam online Rollenspiele.

Untereinander spielen jüngere Kinder vor allem ohne Vorgabe oder Spielanleitung. Im Rollenspiel üben sie dabei individuelle und soziale Fähigkeiten, es vermittelt Werte und Haltungen und bereitet sie auf das Leben vor. Schulkinder spielen gleichermaßen traditionelle Spiele, sind Räuber und Gendarm oder messen sich an der Spielkonsole miteinander. Jungen spielen dabei mehr draußen und sind sportlich aktiver als Mädchen, die eher kreativen Aktivitäten nachgehen. Bei Jugendlichen stehen dann sportliche Spiele und vor allem Computerspiele im Vordergrund. Erwachsene spielen hauptsächlich Brett- und Kartenspiele, zunehmend aber auch Computer- und Online-Spiele.

Das Spiel des Jahres

In Deutschland wird seit 1979 das „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet. Das kann sowohl ein Brett- als auch ein Kartenspiel sein, seit 2001 wird gesondert auch das „Kinderspiel des Jahres“ gewürdigt. Die Spiele sind mit einem Halmakegel-Logo (rot für Erwachsenenspiel, blau für Kinderspiel) markiert. Bekannte Preisträger sind „Die Siedler von Catan“ (1995), „Carcassonne“ (2001) oder „Hanabi“ (2013).

Draußen-Spiele

Während in vergangenen Jahrhunderten Kinder fast immer draußen spielten, ist das heute gerade für Stadtkinder nicht mehr selbstverständlich. Es fehlt an Spielorten, die leicht und sicher zu erreichen sind. Aber selbst auf dem Bürgersteig vor dem Haus oder auf dem Schulhof lässt sich Einiges spielen:
  • Sackhüpfen: Jedes Kind steigt in einen Sack und sie hüpfen auf einer bestimmten Strecke um die Wette.
  • Gummitwist: Zwei Kinder spannen ein zusammengeknotetes Gummiband um ihre Beine, andere Kinder hüpfen in einem bestimmten Sprung-Muster darüber. Erst in Knöchelhöhe, dann in Wadenhöhe etc.
  • Fangspiele, wie z.B. Fischer: Ein Kind ist der Fischer, die anderen Kinder stehen in einiger Entfernung und rufen „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?“ Der Fischer antwortet eine beliebige Tiefe, z.B. „20 Meter.“ Die Gruppe fragt „Wie kommen wir hinüber?“ Jetzt kann der Fischer verschiedene Fortbewegungsarten nennen, z.B. „Auf einem Bein hüpfen!“ Alle Kinder müssen so versuchen, das andere Ufer hinter dem Fischer zu erreichen, ohne von ihm gefangen zu werden.