Goethe-Medaille 2017 Auszeichnung für die indische Verlegerin Urvashi Butalia

Die indische Verlegerin Urvashi Butalia
© Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan New Delhi

Einmal jährlich verleiht das Goethe-Institut die Goethe-Medaille, eine offizielle Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland. Mit dieser Medaille werden Persönlichkeiten geehrt, die sich in besonderer Weise um die Vermittlung der deutschen Sprache sowie den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben.
In diesem Jahr werden drei Frauen ausgezeichnet: die libanesische Schriftstellerin Emily Nasrallah, die russische Journalistin, Übersetzerin und Historikerin Dr. Irina Lasarewna Scherbakowa und Urvashi Butalia aus Indien.

Urvashi Butalia ist Autorin und Verlegerin. Sie lebt in New Delhi, wo sie über zwanzig Jahre lang an der Universität gelehrt hat. 1984 war sie Mitbegründerin des ersten feministischen indischen Verlags Kali for Women. Heute leitet sie den Verlag Zubaan Books, eines der ambitioniertesten Verlagshäuser in Indien mit Schwerpunkt auf sozialwissenschaftlichen, insbesondere feministischen Themen. Ihr Engagement gilt vor allem marginalisierten Gesellschaftsgruppen. Urvashi Butalias Texte und die Publikationen von Zubaan Books zielen darauf, mit den Mitteln der Literatur und der Dokumentation auf deren Lebensumstände aufmerksam zu machen. In der Reihe Young Zubaan publiziert Urvashi Butalia außerdem Kinder- und Jugendbücher, die sich mit Themen auseinandersetzen, die in Indien weitgehend tabuisiert werden und vor allem darauf abzielen, gängige geschlechtsspezifische Klischees zu hinterfragen.
 



Ohne direkt politisch aktiv zu sein, ist Urvashi Butalia landesweit dafür bekannt, die Rechte von Minderheiten einzufordern und die jüngere indische Vergangenheit, insbesondere die Teilung Indiens, die sich 2017 zum 70. Mal jährt, unter neuen Gesichtspunkten aufzuarbeiten. Ihr Buch The Other Side of Silence ist eines der einflussreichsten Bücher des vergangenen Jahrzehnts im Bereich Südasienstudien. Es ist das Ergebnis von mehr als 70 Interviews, die Butalia mit Überlebenden der Teilung Indiens durchgeführt hat, und betont insbesondere die Rolle der Gewalt gegen Frauen in der kollektiven Erfahrung der Tragödie.
 
Seit 1997 veröffentlicht sie regelmäßig Artikel in Lettre International zur Lage der Frauen und zu sozio-politischen Entwicklungen in Indien sowie zur Erinnerungskultur auf dem Subkontinent nach der Teilung Indiens im Jahr 1947.
 
Urvashi Butalia hat in indischen und globalen Frauenbewegungen aktiv teilgenommen, unter anderem mit Samta, einer Organisation, die für einen Wandel der indischen Gesetze über Gewalt gegen Frauen, Mitgift und Vergewaltigung eintritt. Sie ist als Beraterin für verschiedene nationale und internationale Organisationen tätig.
 
Die Verbindung der Goethe-Institute in Indien, insbesondere des Goethe-Instituts New Delhi, zu Urvashi Butalia reicht zurück bis in die 1980er Jahre. Sie ist eine zentrale Ansprechpartnerin, wenn es darum geht, Erkenntnisse über die Situation von Frauen auf dem Subkontinent, über Menschenrechts- und zeithistorische Fragen sowie über die Literatur- und Verlagsszenen in Indien und den Nachbarländern zu gewinnen. Darüber hinaus wird Urvashi Butalia als unerschöpfliche Quelle für Inspiration und Rat bei der Planung von einschlägigen Projekten hoch geschätzt.
 
Die Goethe-Medaille wird am 28. August 2017 in Weimar an Urvashi Butalia verliehen und wir gratulieren ihr im Namen des Goethe-Instituts Indien bereits jetzt ganz herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung!