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Deutsche Liebesgedichte und –lieder
Herz über Kopf

#HerzüberKopf
#HerzüberKopf | © Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan New Delhi

Schmetterlinge im Bauch und auf rosa Wolken unterwegs? Von Amors Pfeil getroffen und im siebten Himmel sein? Wer bis über beide Ohren verliebt ist und weiche Knie hat, weil er nur noch an sein Herzblatt denkt, für den sind Liebesgedichte und -lieder genau das Richtige.
Wir haben uns im Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan New Delhi umgehört und nach den liebsten deutschen Liebesgedichten und Liebesliedern unserer Kollegen gefragt. Hier unsere kleine, subjektive Auswahl:

Sybille Deselaers, Leiterin der Bibliothek

Sachliche Romanze von Erich Kästner:
Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.
Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.
Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.
Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.
 



Olav Schroer, Projektleiter PASCH (Schulen: Partner der Zukunft)

Erinnerung an die Marie A. von Bertolt Brecht
An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: Ich küsste es dereinst.

Und auch den Kuss, ich hätt' ihn längst vergessen
Wenn nicht die Wolke da gewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.

 

Nidhi Rawat, Bibliothekarin

Was es ist von Erich Fried
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

 



Dr. Berthold Franke, Institutsleiter und Regionalleiter Südasien

Erstes Erblicken von Walther von der Vogelweide (um 1170-1230, Übersetzer aus dem Mittelhochdeutschen: Richard Zoozmann, 1863-1934)
Gelobt die Stunde, da ich sie erkannte,
Die Leib und Seele mächtig mir bezwungen,
Wo ich gebannt zu ihr die Sinne wandte,
Die sie durch ihre Tugend mir entrungen!
Dass ich ihr folgen muss, nicht anders kann,
Das wirkte ihre Schönheit, ihre Güte
Und ihres Lachemundes rote Blüte.

 

Erdmuthe Hacken, Webredakteurin

Freudvoll und leidvoll von Johann Wolfgang von Goethe
Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Hangen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt;
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.


Das Leben von Erich Fried
Das Leben wäre vielleicht einfacher
wenn ich dich gar nicht getroffen hätte
Weniger Trauer - jedes Mal
wenn wir uns trennen müssen
weniger Angst - vor der nächsten
und übernächsten Trennung
Und auch nicht soviel
von dieser machtlosen Sehnsucht
wenn du nicht da bist
die nur das Unmögliche will
und das sofort
im nächsten Augenblick
und die dann
weil es nicht sein kann
betroffen ist
und schwer atmet

Das Leben wäre vielleicht einfacher
wenn ich dich nicht getroffen hätte
Es wäre nur nicht mein Leben


Wenn du nicht da bist von Heinz Kahlau
Wenn du nicht da bist,
hab ich noch immer,
was du gesagt hast
und dein Gesicht.
 
Von deinen Worten
behalt ich am längsten
die leisen.
Fast ihren Klang nur,
das Streicheln.
Dann sind da solche,
die weh tun,
- schwer zu vergessen.
 
Von den Gesprächen wird bleiben,
nur was uns neu war.
Wo die Gedanken sich trafen.
Da ist der Klang deiner Stimme
am wenigsten weiblich aber
sehr menschlich.
 
Nie zu vergessen ist dein Gesicht.
Schönheit vergisst man mitunter
durch Nähe.
 
Mir aber ist dein Gesicht
so lebendig wie Erde.
So sehr
sind Gesichter oft selten.
 
Wenn du nicht da bist,
weiss ich ganz sicher,
was du gesagt hast
und dein Gesicht.
 



Eiti Burman, Bibliotheksmitarbeiterin

Die Liebe lehrt von Clemens Brentano
Die Liebe lehrt
Mich lieblich reden,
Da Lieblichkeit
Mich lieben lehrte.
 
Arm bin ich nicht
In Deinen Armen,
Umarmst du mich
Du süße Armut.
 
Wie reich bin ich
In Deinem Reiche,
Der Liebe Reichtum
Reichst du mir.
 
O Lieblichkeit!
O reiche Armut!
Umarme mich
In Liebesarmen.​

 

Thomas Meyer, Leiter Information & Bibliothek Region Südasien

 


 



Ute Reimer-Böhner, ehemalige Leiterin Information & Bibliothek Region Südasien

Sie war ein Blümlein von Wilhelm Busch
Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing.

Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
Und nascht und säuselt da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
Am hübschen Blümlein auf und ab.

Ach Gott, wie das dem Schmetterling
So schmerzlich durch die Seele ging.

Doch was am meisten ihn entsetzt,
Das Allerschlimmste kam zuletzt.

Ein alter Esel fraß die ganze
Von ihm so heißgeliebte Pflanze.
 
 

 

Weitere beliebte Gedichte & Lieder

Wirrsingsong von Wiglaf Droste
Ich bin ein bisschen durch den Wing
äh Wind. Mein Kopf ist da im Ding
im na, wie heißt es? Hose?
Mein Kopf, mein Dings
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Ich stotterstammel, nein: ich sing
den wirren Song, den Hop, den Sing
Den Wirrsing aus der Dose?
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Mein Popf, nein: Kopf ist weicher Quark
Was wäre, wenn's so bliebe?
Das wär, ich weiß es,
viel zu arg.
Ich wehre mich und bleibe stark
Ich topf den Kopf um jeden Tag –
Nutzt gar nichts: Es ist Liebe.


Was war das? von Erich Fried
Ohne dich sein
ganz ohne dich

und langsam
zu vergessen beginnen
wie es mit dir war
ganz mit dir

und dann halb
halb mit und halb ohne

und ganz zuletzt
ganz ohne


Ich hab dich geliebet von Heinrich Heine
Ich hab dich geliebet und liebe dich noch!
Und fiele die Welt zusammen,
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Rastlose Liebe von Johann Wolfgang von Goethe
Dem Schnee, dem Regen,
Dem Wind entgegen,
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Durch Nebeldüfte,
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Möcht ich mich schlagen,
Als so viel Freuden
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Alle das Neigen
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Wie soll ich fliehen?
Wälderwärts ziehen?
Alles vergebens!
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Glück ohne Ruh,
Liebe, bist du!


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Sieh, wie sie zueinander erwachsen:
in ihren Adern wird alles Geist.
Ihre Gestalten beben wie Achsen,
um die es heiß und hinreißend kreist.
Dürstende, und sie bekommen zu trinken,
Wache und sieh: sie bekommen zu sehn.
Laß sie ineinander sinken,
um einander zu überstehn.


 


 


 


 



 

Und was sind Eure liebsten deutschen Liebesgedichte und Liebeslieder? Wir freuen uns auf Eure Antworten im Kommentarbereich.

 

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