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Kindertheater
Was für eine Kuh!

How Cow Now Cow
How Cow Now Cow | © Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Bangalore

Vier Jahre und 115 Aufführungen. In Büchereien, Buchhandlungen, Auditorien und sogar an einem Ort, der noch nicht einmal als Schuppen durchgegangen wäre. Bei Theaterfestivals und Veranstaltungen. Und in Schulen. In schmucken Privatschulen, in Durchschnittschulen für die Mittelklasse und in Schulen, die von NGOs oder der Regierung betrieben werden: Über die wunderbare Reise einer temperamentvollen Kuh und ihrer Menschentruppe.

Von Nimi Ravindran

Rosamma, die Heldin unserer Geschichte, tauchte zum genau passenden Moment im Rampenlicht auf. Ja, sie war eine Kuh, was sie aber nicht davon abhielt, zur wichtigsten Figur in unserem Stück zu werden. Bei den ersten Aufführungen des Stücks, das dann den Titel “How Cow Now Cow” tragen sollte, und unseren ersten Begegnungen mit der Presse wurden wir gefragt, ob das Stück vom Rindfleisch-Bann und den sich anschließenden Gewaltausbrüchen in Teilen des Landes handele. Das Timing war goldrichtig, auch wenn sich unser Theaterstück eigentlich an Kinder ab vier richtete.

Der perfekte Zeitpunkt für eine Kuh

Das war im Jahr 2015, als es die indischen Kühe auf die Titelseiten der Zeitungen des Landes (und sogar der im Ausland) schafften. Es war der perfekte Zeitpunkt, um eine Kuh zu sein. Und Rosamma nahm die Herausforderung mit Bravour an – ganz der Star, der sie war.
 
Ein Sprung ins Jahr 2019. Vier Jahre und 115 Aufführungen später besitzen Kühe weiterhin Relevanz. Zuletzt ging es um die Einrichtung einer Unfall-Ambulanz für verletzte Kühe in verschiedenen Teilen des Landes. Und wie es heißt, gibt es einen besonderen Plan, der vorsieht, dass auch Kühe Personalausweisnummern bekommen sollen. So gesehen ist unsere Zeit immer noch eine sehr gute für Kühe. Einschränkender rechtlicher Hinweis: #nichtallekuehe.

Kuh Rosamma geht in den Ruhestand

Auch wenn die Bedingungen weiterhin ‘stimmen’ und für Kühe ganz positiv sind, hat sich Rosamma, unsere Heldin, für den Ruhestand entschieden. Dafür, ihre Sachen an den Nagel zu hängen, könnte man sagen.
 
Rosamma und ihre kunterbunte Truppe aus Tieren vom Bauernhof haben einen langen Weg hinter sich. Streng genommen dauerte dieser vier Jahre, doch wenn man es etwas weniger genau nimmt, waren es sogar ungefähr zwölf Jahre. Es ist uns wichtig, zu den ersten Anfängen zurückzugehen, wenn wir diese epische Geschichte erzählen (denn sie ist wirklich episch, das kann man uns glauben).

Vom Workshop zur streitsüchtigen Kuh

Die Geschichte beginnt 2006 oder 2007, als Vinod Ravindran (der spätere Regisseur des Stücks) an einem Kindertheater-Workshop teilnahm, den das Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Bangalore organisiert hatte und der von Andrea Gronemeyer aus Deutschland durchgeführt wurde (die dann bei “Boy with a Suitcase” für Schnnawl/Ranga Shankara Regie führen sollte). Eine derjenigen, die den Workshop möglich machten, war die deutsche Dramaturgin und Regisseurin Sophia Stepf (die zu einer engen Freundin und Mitarbeiterin wurde). Während dieses Workshops hörte Vinod die Geschichte einer streitsüchtigen Kuh und er behielt sie im Kopf. Später vergaß er den Namen des Autors und alle weiteren Details. Erinnern konnte er sich nur, dass es sich um eine deutsche Geschichte handelte und er sie auf diesem Workshop zum ersten Mal gehört hatte.
 
Eine Fortsetzung fand die Geschichte dann 2015, als eine Schar von Theatermachern sich im Haus des Schauspielers Rency Philip traf, um mit der Idee im Kopf, ein Stück für Kinder zu schreiben, einfach ein paar Sachen auszuprobieren. Das Sandbox Collective war da gerade erst ein Jahr alt und wollte ein Stück für kleine Kinder auf die Bühne bringen. Da das Team aus alten Freunden und Kollegen von uns bestand, kamen wir mit an Bord und so begann, was unsere längste Zusammenarbeit wurde.

Die Rechte der Kuh

Es war der Moment gekommen, die Rechteinhaber der Geschichte zu ermitteln und uns die Aufführungsrechte für Indien zu sichern. Dabei halfen uns die bewährten Freunde vom Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan und sorgten mit dafür, dass wir die Rechte für ein ganzes Jahr erwerben konnten. Und so wurde aus “Die Kuh Rosemarie” von Andri Beyeler das Stück “How Cow Now Cow”, bei der Rosamma die Hauptrolle spielt.
 
Je weniger Worte über die ersten Aufführungen verloren werden, desto besser, erinnert sich Rency Philip als einer von denen, die auf der Bühne dabei waren: “Die Uraufführung war ein gewaltiger Reinfall vor einigen aufgedrehten und energiegeladenen Kindern, die sich gar nicht für das Stück interessierten. Die erste Festival-Teilnahme war ebenfalls ein Reinfall und das Publikum, das dort in Kerala mehrzählig aus alten Malayalee-Männern bestand, bekam gar nicht mit, dass das Stück zu Ende war, weil alle eingenickt waren.“

Die Kuh startet holprig

Nur zu sagen, das Stück habe daraufhin eine Transformation erlebt, wäre eine echte Untertreibung. Bald dann waren wir für unsere erste wirkliche Premiere beim Jagriti Theatre’s Kid’s Carnival at Summertime bereit. Die Aufführung wurde zum Riesenerfolg beim Jagriti, und Rosamma und ihre Truppe aus Bauernhoftieren begeisterten die kleinen Kinder mit ihrer Vorstellungskraft. Sie konnten einfach nicht genug von der missgestimmten Kuh und ihren Eigenarten bekommen. Fortan war das Stück ein Selbstläufer.

Pipi-Spuren und andere Missgeschicke während der Kuh-Show

Ohne uns in einzelnen Erlebnissen aus den folgenden 100 Aufführungen zu verlieren, kam man einfach sagen, dass es ein unglaublicher Ritt war, umso kostbarer dank der Kinder, die sich das Stück anschauten. Es gab kleine Kinder, die auf keinen Fall etwas von dem verpassen wollten, was auf der Bühne passierte und sich auf ihren Plätzen in die Hosen pinkelten.

Einmal musste sich ein Kind, das vor der Aufführung etwas zu viel gegessen hatte, mitten im Stück übergeben und wollte dann partout nicht den Zuschauerraum verlassen, um sich wieder sauber zu machen. Es gab auch solche, die auf dem Weg zurück auf ihre Sitze eine Pipi-Spur hinterließen, weil sie nicht fertig wurden, da sie Angst hatten, zu viel vom Stück zu verpassen. So etwas hatten wir natürlich vorher nie erlebt.

Shiva Pathak (die Produzentin des Sandbox Collective) baute nach kurzer Zeit in ihre Begrüßungsworte auch den Hinweis ein, wo sich die Toiletten befanden und dass es ratsam sei, die Kinder diese vor dem dritten Klingelzeichen aufsuchen zu lassen. Es dauerte einige Zeit, bis wir unserer Rolle im Umgang mit den Körperfunktionen des jungen Publikums den Feinschliff verpasst hatten.

Die Kuh tourt durch Indien

Wir traten in Büchereien, Buchhandlungen, Auditorien und sogar an einem Ort auf, der noch nicht einmal als Schuppen durchgegangen wäre. Wir traten bei einigen der besten Theaterfestivals des Landes auf und an solchen Veranstaltungsorten von The India Habitat Center in Delhi bis zum Prithvi Theatre in Mumbai und Ranga Shankara in Bangalore. Wir traten auch in Kerala, Pondicherry, Chennai und in Hyderabad auf. Und in Guwahati, wo die Wand unseres Gästehauses durch ein Erdbeben einfiel. Ein paar Schauspieler waren etwas durcheinander, die anderen schliefen einfach weiter.
 
Wir traten viele Male in den unterschiedlichsten Schulen auf. Von schmucken Privatschulen über Durchschnittschulen für die Mittelklasse bis hin zu Schulen, die von NGOs oder der Regierung betrieben werden. Wir traten in Schulen auf, wo die Schüler und Schülerinnen noch nie zuvor ein Theaterstück gesehen hatten. Gebannt schauten sie, wie ein Projektor wunderschöne Bilder erzeugte und sich ein Wischmopp ganz märchenhaft in einen struppigen Hund verwandelte. Damals wurde uns auch klar, dass Englisch die Sprache der Privilegierten ist und wir eine alternative Version des Stücks in Kannada brauchten, um die Kinder außerhalb der Privatschulwelt zu erreichen.

Die Kuh übersetzt

Wie immer waren es die guten Freunde vom Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan, die (wieder einmal) mit einer Förderung für die Übersetzung halfen, die eine Version des Stück in Kannada möglich machte.
 
Die Reise mit dem Stück war für uns – wie für die Tiere auf dem Bauernhof – eine reine Freude und ein uns glücklich machendes Erlebnis. Aber diese Reise muss nun – wie alle guten Dinge – zu einem Ende kommen. Während der Vorbereitung auf die zwei letzten Aufführungen von “How Cow Now Cow” beim Shoonya wurde uns bewusst, dass die meisten Dinge so und dort enden wie und wo sie beginnen. In unserem Fall beim Shoonya, wo unsere ersten paar Aufführungen stattfanden.

Danke Kuh!

Wie immer betonen wir, dass alle Tiere untereinander gleichberechtigt sind. Aber auf dieser Farm – wie in manchen Teilen des Landes – ist die Kuh doch etwas gleicher.
 
Wir alle vom Sandbox Collective wie auch die Schauspieler und das ganze Team von “How Cow Now Cow” möchte unsere tiefe Dankbarkeit bekunden und von ganzem Herzen Danke sagen für diese freudige Achterbahnfahrt. Ohne Eure Liebe und Unterstützung wäre das Ganze nicht möglich gewesen.  

How Cow Now Cow


Nach der Vorlage „Die Kuh Rosemarie“ von Andri Beyeler
Mit Unterstützung des Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan
Produziert vom Sandbox Collective
Regie: Vinod Ravindran
Schauspieler: Abubakar Siddiq/ Anirudh Mahesh, Rency Philip / Shweta Desai Sachin Gurjale / Vinod Ravindran
Licht: Lakshmi Menon / Parthasarathy Ausstattung: Aruna Manjunath
Übersetzung Kannada : K G Rajalakshmi, mit Unterstützung von Nrityagram und The Jamun.
Video: Virginia Rodrigues
Fotografie: Richa Bhavanam / Jazeela Basheer
Poster: Studio Smu

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