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Hot and spicy
Fast Food auf Indisch: Hölle, Hölle, Hölle!

Indian Fast Food
Indian Fast Food | © Ulrike Putz

McDonalds, Kentucky Fried Chicken, Pizza Hut: Internationale Fast Food-Ketten erobern den indischen Markt. Doch Indien-Reisende, die glauben, dort bekämen sie statt Curry und Chicken Tikka endlich mal wieder vertraute Kost, sollten aufpassen: Die Angebote der Schnellrestaurants sind ... gefährlich.

Von Ulrike Putz

Wer gestandene indische Männer weinen sehen will, kann das zum Beispiel im Kentucky Fried Chicken Schnellrestaurant am Connaught Place in Neu-Delhi tun. Draußen tost der Großstadtverkehr um den gigantischen Verkehrskreisel, den die britischen Kolonialherren den Indern dagelassen haben. Drinnen sitzt der Fahrer Vicky und kämpft mit den Tränen. Vicky ist ein stattlicher Mann, 34 Jahre alt, ein stolzer Sikh aus dem Punjab, Familienvater und Body Building Fan. Seine Pranken sind fast so groß wie das Tablett, das vor ihm steht und auf das bereits zwei Tränen getropft sind.
 
Was passiert ist? Vicky hat gerade in eine "Flaming Crunch" Hähnchen-Keule gebissen. Dieses Folterinstrument wird am Tresen paarweise abgeben, für 155 Rupien (2,20 Euro) je zwei Stück. "Made with the worlds spiciest chili" steht in rot geflammten Lettern auf der Menukarte über der Kasse geschrieben. 

"Sehr scharf, sehr gut"

Man könnte das als Warnung verstehen, doch Inder wie Vicky scheinen von den Versprechungen von Höllenqualen geradezu angestachelt. Repräsentanten von KFC Indien zu Folge ist "Flaming Crunch" eins der meistverkauften Gerichte der Kette. Danach hat sich der Verkauf von panierten Hähnchenschenkeln seit der Einführung des "Flammenden Knuspers" verdreifacht. Auch Vicky isst seine mit giftig-orangenem Chili-Pulver bestäubten Keulen auf. "Sehr scharf, sehr gut", lobt er leicht verheult.
 
Das Inder gern scharf essen, ist bekannt: Wie scharf sie gern essen, haben westliche Fast Food Ketten, die auf Indiens 1,2 Milliarden Menschen großen Markt drängen, erst mühsam herausfinden müssen. 1996 eröffneten McDonalds, Dominos, Kentucky Fried Chicken und Pizza Hut ihre ersten Imbisse in Indien - ohne großen Erfolg. Die Inder, wenngleich neugierig auf die internationale Kost, konnten dem für ihren Geschmack faden Fraß nichts abgewinnen. 

Gemüsevielfalt statt Fleischlast

Erschwerend kam hinzu, dass Rindfleischkonsum im Land der heiligen Kühe strickt verboten ist: Das macht vor allem den Burgerbratern das Leben schwer. Burger gibt es in Indien allenfalls mit oftmals etwas zähem Büffelfleisch. Nächstes Problem: Mehr als die Hälfte aller Inder sind Vegetarier. Burgerschmieden und Hähnchenbrater mussten ihr fleischlastiges Angebot um sehr viel Gemüse erweitern, um bei diesem Klientel zu punkten. 
 
"Natürlich haben wir die Herzstücke unseres Menus beibehalten", sagt bei McDonalds am Connaught Place der Chef der Abteilung Qualitätssicherung. Pommes Frites und paniertes Huhn würden von jedem McDonalds rund um den Globus angeboten. Das wüssten vor allem die Ausländer zu schätzen. "Wir haben hier immer viele Touristen, die sich wie verhungert auf die Sachen stürzen, die sie von zu Hause kennen", sagt der Manager, der seinen Namen nicht gedruckt sehen will, weil er nicht als Sprecher authorisiert ist. 

Magnet: Blitzsaubere Klos

Wenn er die Ausländer anspreche erzählten viele, dass sie nach wochenlangen Reisen mit ausschließlich indischer Kost die Nase voll hätten von den vielen Gewürzen, erzählt der McDonalds-Mann. "Viele haben auch Magenprobleme.” Die Tatsache, dass sein Laden ein für indische Verhältnisse blitzsauberes Klo habe, sei ein Magnet für ausländisches Publikum. Auch freue es die Westler, wenn sie sich auch zu einem schnellen Essen mal hinsetzen können: Entlang der Straßen Indiens wird sonst eher im Stehen gespeist.
 
Selbst das Hamburger-Restaurant McDonalds erzielt in Indien etwa 70 Prozent seines Umsatzes mit fleischloser Ware. Größter Hit: Der McSpicy mit "100% Paneer Passion". Paneer ist der schnittfeste Frischkäse, den die Inder lieben. Zwischen zwei Brötchenhälften gesteckt und höllisch scharf paniert versöhnt er den südasiatischen Geschmack mit westlicher Esssitte. 

enormes Wachstum

Die Verrenkungen der internationalen Schnell-Ess-Ketten dürften sich lohnen: Die die Fast Food Industrie in Indien gilt Branche mit extremen Wachstumschancen. Die indische Beraterfirma Technopak schätzt, dass das jetzige Marktvolumen von knapp einer Milliarde Euro in den kommenden fünf Jahren auf bis zu 3.5 Milliarden Umsatz im Jahr ansteigen wird. 
 
Der Versuch, sich den lokalen Gepflogenheiten anzupassen, kann allerdings auch seltsame Ergebnisse hervorbringen. Seit einem Jahr bietet Pizza Hut Indien Birizza an, eine Fusion aus dem typischen Reiseintopf Biryani und Pizza. Dazu wird eine Schale mit dem Reisallerlei mit einem Deckel aus Pizzateig verschlossen und dann gebacken. Der Gast klopft den essbaren Deckel auf und löffelt den Inhalt mit einer - logo - teuflisch scharfen Soße zusammen aus. Auch bei den Getränken geht es bei Pizza Hut experimentell daher. Die Limonade wird mit der indischen Gewürzmischung Masala versetzt serviert. Und im Mangosaft schwimmt - was wohl? - eine Chilischote.
 

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