Anna Seghers

19. November 1900 in Mainz – 1. Juni 1983 in Berlin

“Wenn man jung und gesund ist, erholt man sich schnell von einer Niederlage. Verrat aber ist etwas anderes – er lähmt einen.” Anna Seghers, Transit
 
Geboren wurde Anna Seghers als Netty Reiling in Mainz in eine jüdische Familie aus dem gehobenen Bürgertum. Nach eigener Schilderung war sie während ihrer Kindheit oft krank und eher introvertiert, entwickelte sich dann zu einer intellektuell-aufgeweckten Studentin, die 1924 sogar einen Doktortitel in Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg erwarb.

Ihre erste Erzählung, die sie unter dem Namen Antje Seghers schrieb, wurde im gleichen Jahr veröffentlicht. Ihre ganz entschieden sozialistisch-kommunistische, antifaschistische Haltung geht zurück auf die Zeit ihres Studiums der Kunstgeschichte, Sinologie und Geschichte in Heidelberg, in der sie ihre bürgerliche Herkunft hinter sich ließ und sich proletarischen Idealen verschrieb, als sie dort gleichgesinnte Geister in vielen osteuropäischen Intellektuellen und Marxisten traf  – wie dem ungarischen Ökonomen László Radványi, den Seghers 1925 heiratete. Er wurde zu ihrem lebenslangen Partner und engstem Vertrauten.

1929 war Seghers Mitglied der kommunistischen Partei, hatte ihr erstes Kind zur Welt gebracht und den Kleist-Preis für ihren ersten Roman, Aufstand der Fischer von St. Barbara, erhalten. Nachdem sie sich 1933 in Frankreich niedergelassen hatte, musste sie nach der deutschen Besetzung abermals fliehen. Mit Hilfe von Varian Fry reisten Seghers, ihr Mann und die zwei Kinder per Boot von Marseille nach Mexiko – an Bord befanden sich unter anderen auch Victor Serge, André Breton und Claude Lévi-Strauss.

Nach dem Krieg kehrte Seghers nach Ostberlin zurück, wo sie eine emblematische Figur unter ostdeutschen Intellektuellen wurde und in ihrer Funktion als Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR den Werdegang vieler junger Autoren beförderte und selbst in stetiger Folge publizierte. Zu Seghers international gefeierten Werken zählen Das siebte Kreuz (1939; Filmadaption von 1944 durch MGM), eine der wenigen Beschreibungen der Konzentrationslager aus der Zeit des 2. Weltkriegs; die Novelle Der Ausflug der toten Mädchen (1945); Die Toten bleiben jung (1949) und Benito’s Blue, eine Erzählsammlung mit Übersetzungen ins Englische (1973).

1951 erhielt sie den ersten Nationalpreis der DDR und 1959 die "Ehrendoktorwürde der Universität Jena". 1981 wurde sie Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt Mainz. 1978 wurde sie schließlich aus der Pflicht als Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR entlassen und wurde Ehrenpräsidentin. Ihre Gesundheit war da bereits angegriffen, ihr Ehemann starb ebenfalls in jenem Jahr. Anna Seghers starb am 1. Juni 1983 in Berlin, wo sie auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof begraben liegt.   

Ihr Schreibstil ist einfach und klar, besitzt aber poetische Momente, die an die wirkmächtigen Bilder Rembrandts erinnern, die Anna Seghers als Studentin der Kunstgeschichte studierte. Ihr ausgesprochenes Interesse und ihre Beschäftigung mit dem Einzelnen und seinem Versuchen, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, findet heute wieder deutlichen humanistischen Widerhall. Die Helden ihrer Geschichten sind immer einfache, vom Leben gezeichnete Menschen.