Marlen Haushofer

11. April 1920 in Frauenstein (Gemeinde Molln)/Österreich – 21. März 1970, Wien/Österreich

“Äußere Freiheit hat es wahrscheinlich nie gegeben und ich kenne auch niemanden, der innere Freiheit kennen würde.” Marlen Haushofer, Die Wand

Marlen Haushofer (geborene Maria Helene Frauendorfer) war einer der scharfsinnigsten österreichischen Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit. Geboren wurde sie am 11. April 1920 in Frauenstein, Molln, Österreich. Ihr Vater, der eine Fachschule für Waldkunde in České Budějovice besucht hatte, arbeitete als Förster in Effertsbach.

Ihre Mutter galt als tiefreligiöse und strenge Frau, zu der Haushofer eine angespanntes Beziehung unterhielt, die sich nach der Geburt des vier Jahre jüngeren Bruders Rudolf im Juni 1924 noch verschlimmerte. Wegen der abweisenden Art der Mutter wendete sie sich dem Vater, zu dem sie ein wesentlich innigeres Verhältnis hatte, wiewohl auch er in seinem Verhalten sehr unberechenbar war. Ihrem Bruder Rudolf Frauendorfer, dem sie ihr Buch Himmel, der nirgendwo endet widmete, war sie lebenslang sehr eng verbunden.

Sie besuchte ein katholisches Gymnasium, das unter der Nazi-Herrschaft in einer öffentlichen Schule umgewandelt wurde. 1940 nahm sie ein Germanistikstudium in Wien auf, das sie später in Graz fortsetzte. 1941 heiratete sie den Zahnarzt Manfred Haushofer, von dem sie sich 1950 scheiden ließ, um sich dann 1957 wieder mit ihm zu verbinden. Sie hatten zwei Söhne. 

Haushofer lebte als Hausfrau und Schriftstellerin in Steyr – nach einer kurzen Episode als aufstrebender Autorin im Wien der Nachkriegszeit. Simone de Beauvoirs Studie zur Situation der Frauen in Europa, Das andere Geschlecht (1949), prägte sie nachhaltig. Befremdet von unterdrückerischen Genderbeziehungen im katholischen Österreich zeichnet sie in ihrem 1956 publizierten Buch Die Vergissmeinnichtquelle nostalgische Kindheitserinnerungen auf, die sie erzählerisch mit Schilderungen der Natur, des Landleben und der Freiheit von sozialen Normen verband.

1969 erschien Die Mansarde, in dem beschrieben wird, wie die erfahrene Unterdrückung, Demütigung und Ausbeutung das Leben von Frauen in der Adoleszenz und im Erwachsenenleben prägen. Ihr berühmtestes Werk bleibt allerdings Die Wand. Es wurde 1963 veröffentlicht. Die darin erzählte Geschichte handelt von einer ganz gewöhnlichen namenlosen Frau mittleren Alters, die aufwacht und feststellen muss, dass sie der letzte Mensch auf der Welt ist. Sie vermutet, ihr Alleinsein ist Ergebnis eines fehlgeschlagenen Militärexperiments, und macht sich an die erschreckende Aufgabe nicht nur zu überleben, sondern auch sich selbst neu zu finden. Das offene Ende des Buches rief eine Vielzahl von Deutungen hervor.  

Haushofer veröffentlichte außerdem eine Reihe von Kinderbüchern, darunter Brav sein ist schwer und Schlimm sein ist auch kein Vergnügen. Sie wurde unter anderem mit dem Theodor-Körner- Preis (1963), dem Arthur-Schnitzler-Preis (1963) und dem Österreichischen Staatspreis (1970) ausgezeichnet.

Trotz aller erhaltenen Auszeichnungen und positiver Resonanzen bei der Kritik war Marlen Haushofer eine weitgehend vergessene Autorin, bis sie dann von Frauenbewegung wiederentdeckte wurde – mit einem ausgesprochenen Interesse an der Art, wie die Rolle der Frau in einer männer-dominierten Gesellschaft in ihrem Werk behandelt wird. In den meisten ihrer Texte beschreibt Haushofer, wie es Frauen unmöglich ist, den Fesseln der häuslichen Ehe zu entkommen. Dennoch erscheinen Frauen bei ihr nicht als reine Opfer. Als Mütter sind sie Komplizinnen und beteiligt an den schockierendsten Formen patriachaler Machtausübung. Ihr Schreiben beeinflusste Autorinnen wie die Nobelpreisgewinnerin Elfriede Jelinek, die ihr eines ihrer Prinzessinnendramen widmete. 

Marlen Haushofer starb am 21. März 1970 an den Folgen einer Knochenkrebserkrankung im Alter von 49 Jahren. 
 

In unserer Bibliothek finden Sie die folgenden Bücher von Marlen Haushofer und Audiobooks mit ihren Texten:

Haushofer, Marlen: Die Mansarde: Roman. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1994. 200 S.
ISBN: 3596254590
      
Haushofer, Marlen: Nowhere ending sky. Quartet Books, 2013. 178 S.
Original: Himmel, der nirgendwo endet
ISBN: 9780704373136
 
Haushofer, Marlen: Die Tapetentür. Roman. Zsolnay, 2000. 197 S.
ISBN: 3552049584
 
Haushofer, Marlen: The Wall. Cleis Press, 2012. 250 S.
Original: Die Wand (engl.)
ISBN: 9781573449069
      
Haushofer, Marlen: Die Wand. Roman. Claassen, 1997. 275 S.
ISBN: 3546000056
      
Haushofer, Marlen: Die Wand, gekürzte Lesung. HörbuchHamburg, 2005. 140 Min., 2 CDs
ISBN: 3899031962Liste 2