Maxie Wander

3. Januar 1933 in Wien/Österreich – 20. November 1977 in Kleinmachnow nahe Berlin

Maxie Wander, die Tochter eines Wiener Tankstellenangestellten, wurde 1933 geboren. Als Schülerin erlitt sie verschiedene akademische Niederlagen und versuchte sich an einer Vielzahl von Tätigkeiten, um ihre Berufung zu finden. So verließ sie die Schule mit siebzehn und arbeitete als Sekretärin, als Reporterin, als Fabrikarbeiterin, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Sie schrieb für Zeitungen und Filme und veröffentlichte Kurzgeschichten.

1958 siedelte sie mit ihrem Ehemann Fred Wander in die DDR über. Der Umzug hatte viel mit Fred Wanders Schicksal als Überlebenden des Holocaust zu tun wie auch mit dem antifaschistischen Gründungsmythos der DDR. Nach Ansicht des Ehepaars gab es in Österreich und der Bundesrepublik keine ausreichend starke antifaschistische Gesinnung.

In Ostberlin bekam das Paar drei Kinder, schrieb Reisebücher und lebte von journalistischen Aufträgen. Sie gehörten zu einem größeren Künstlerkreis und waren besonders eng mit Christa und Gerhard Wolf befreundet. Inmitten all der häuslichen Aufgaben floh Maxie so oft wie möglich in ihren Garten, wo sie auf einem Holzstuhl mit der Schreibmaschine auf dem Schoß saß und ihre Überlegungen und Grübeleien zu ihrem nun gelebten Leben niederschrieb.

In den frühen und mittleren 1970ern unternahm Maxie Wander eine große Anzahl von Interviews mit Frauen allen Alters und aus allen Gesellschaftsschichten der DDR. 1975 beendete sie diese Sammlung und edierte sie. 1977 veröffentlichte sie den Band Guten Morgen, du Schöne – Frauen in der DDR: Protokolle.

Das Buch veränderte die literarische Landschaft auf einen Schlag. Nie zuvor hatten sich Frauen mit einer solchen Offenheit und Lebensbejahung geäußert. In den Gesprächen erzählen sie mit Scharfsinn und sprachlicher Überzeugungskraft von ihren Leben, ihrem Heranwachsen (überwiegend in der DDR), ihren neuen Familien, ihrer Arbeit und Sexualität sowie auch von unerfüllten Wünschen und ihren Träumen.  

Durch das Medium der Sprache erschließen sie ganz neue Lebensbereiche, die zuvor unerschlossen waren, schildern neue Möglichkeiten eines Lebens in Gemeinschaft oder für sich allein, indem sie die von ihnen in der Vergangenheit beschrittenen Lebenswege ins öffentliche Bewusstsein bringen. Kaum ein Werk erzählt eindrücklicher von der DDR als Maxie Wanders Aufzeichnungen.

Im selben Jahr, in dem ihr stark wahrgenommenes Werk erschien, bekam sie Krebs. Sie starb 1977 in Berlin. 1979 veröffentlichte ihr Witwer Fred Wander einige ihrer Tagebücher und Briefe (Tagebücher und Briefe), die später nochmal unter dem Titel Leben wär eine prima Alternative erscheinen sollten. Es ist eine tagebuchähnliche Chronik ihres Kampfes gegen den Krebs. 1996 wurde weiteres Material unter dem Titel Ein Leben ist nicht genug publiziert.

Mit Blick auf ihr bekanntestes Werk, Guten Morgen, Du Schöne, könnte man sagen, dass Wanders besondere Fähigkeit darin bestand, den Gesprächspartnerinnen eine eigene Stimme zu geben. Wenngleich die Fragen auch nicht direkt wiedergegeben werden, so spürt man doch ihre Präsenz als engagierte Interviewerin in den Antworten der Befragten. Die Stimme der Fragenden oder Interviewerin mag nicht unmittelbar präsent sein, doch auffindbar ist sie in vielen Nebenbemerkungen und Hinweisen zu den Texten. Es ist insofern weniger der Inhalt (das heißt gesellschaftliche Aspekte, über die zuvor in der DDR nicht gesprochen wurde) als vielmehr die Intensität des Ausdrucks der Behandlung dieser Themen, die das Buch so außerordentlich machen.