Ruth Klüger

Geboren am 30. Oktober 1931 in Wien/Österreich
 
Als am 30. Oktober 1930 geborene Tochter von Alma Klüger und ihrem zweiten Ehemann Viktor Klüger, verbrachte Ruth ihre frühe Kindheit in der österreichischen Hauptstadt, wo sie zur Zeugin jener umstürzlerischen Ereignisse wurde, die bald ihre Familie treffen würden.

Von der öffentlichen Schule verwiesen, besuchte sie acht verschiedene Schulen für jüdische Schüler und Schülerinnen, eine schlimmer und heruntergekommener als die vorherige, so dass sie bald auf Veranlassung der Mutter gar nicht mehr zur Schule ging.
 
Zuvor hatte Alma Klüger einen Sorgerechtsstreit um Ruths jüngeren Halbbruder Georg verloren, der nach einer Zeit mit den Klügers in Wien zu seinem Vater nach Prag zurückkehren musste. Ruths Vater Viktor, ein Kinder- und Frauenarzt, musste ins Gefängnis, nachdem er 1938 illegale Abtreibungen vorgenommen hatte. Er kam 1940 wieder nach Hause, um kurz darauf aus dem Land nach Italien und Frankreich zu flüchten, wo er in Drancy verhaftet wurde, ins Baltikum transportiert und ermordet wurde.

Georg wurde nach Theresienstadt deportiert (1941/42) und anschließend nach Riga, wo er ermordet wurde. Diese schlimmen Verluste hatten auf Klüger eine bleibende Wirkung, und die Geister ihres Bruders und Vaters tauchen wiederholt in ihren Schriften auf.

Nach der Shoah (dem Massenmord an den Juden durch die Deutschen zur Zeit des Nationalsozialismus) zog Ruth als Überlebende nach New York. Sie studierte am Hunter College und an der University of California at Berkeley, wo sie 1967 ihren Doktortitel für deutscher Literatur erwarb. Klüger wurde Professorin für Deutsche Literatur an der University of California. Sie unterrichtete ebenfalls an der University of Virginia und war Chair am Department of Germanic Languages and Literatures an der Princeton University. Sie bekam den Rauriser Literaturpreis (1993), den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis (1994) und die Ehrengabe der Heine Society (1997).
 
In ihrem weithin bekannten Werk weiter leben erzählt Ruth Klüger nicht nur von ihrer Kindheit in Wien und von ihrer Zeit in drei Konzentrationslagern, sondern auch von Erlebnissen im Nachkriegsdeutschland und als Immigrantin den Vereinigten Staaten. Die Verlängerung dieser Schilderungen in die Gegenwart und die Verbindung von Erinnerungen und kritischen Kommentaren zu verschiedenen Themen machen das Buch zu einer ungewöhnlichen, sogar unkonventionellen Holocaust-Autobiographie.
 
Neben weiter leben veröffentlichte sie Katastrophen: Über deutsche Literatur, Von hoher und niedriger Literatur, Frauen lesen anders sowie zahlreiche Artikel über Lessing, Kleist, Grillparzer, Stifter, Thomas Mann und Schnitzler.
 
Klüger lebt in Kalifornien und Göttingen/Deutschland. Sie ist in erster Linie als eine Literaturwissenschaftlerin mit dem Fachgebiet der frühen Moderne (insbesondere Barockdichtung) und für deutsche Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts bekannt.
Zusätzlich zu den zahlreichen Veröffentlichungen aus diesen Feldern beschäftigt sie sich mit feministischen Themen wie gender-spezifischen Interpretationen von Texten und der Repräsentation von Weiblichkeit in populärer Kultur.

In ihren Erzählungen gibt sie sich beinahe interaktiv: Sie erzählt einen Teil der Geschichte, um dann den Lesern Zeit zum Nachdenken darüber zu geben, wie man darauf reagiert, fühlt, antwortet, denkt. Sentimentalitäten oder zu viele Annahmen lässt sie nicht unkommentiert. Klischees finden ihre Kritik wie allzu „passende“ Antworten; manchmal widerspricht sie sich dabei zugegebenermaßen selbst. Sie schreibt beinahe wie eine unbeteiligte Betrachterin, ganz ohne Sentimentalitäten.
 

In unserer Bibliothek finden Sie die folgenden Bücher von Ruth Klüger Audiobooks mit ihren Texten:

Klüger, Ruth: Was Frauen schreiben. Zsolnay, 2010. 261 S.
ISBN: 9783552055094
      
Klüger, Ruth: weiter leben. Eine Jugend; [mit MP 3-Hörbuch gelesen von der Autorin]. Wallstein, 1992. 285 S. + 1 CD
ISBN: 9783835302983
    
In unserer eLibrary findet sich das folgende eBook von Ruth Klüger und ein Audiobook über ihr Leben:

Klüger, Ruth: Dichter und Historiker: Fakten und Fiktionen. Wiener Vorlesungen im Rathaus; Bd. 73. Picus-Verlag, 2012
http://www.onleihe.de/goethe-institut/frontend/mediaInfo,0-0-359066516-100-0-0-0-0-0-0-0.html
 
"Wir waren voller Hoffnung": Zeitzeuginnen des 20. Jahrhunderts im Gespräch (Audiobook) / Editor: Lerke von Saalfeld. Speaker: Ilse Aichinger, Wibke Bruhns and others. Hörverlag, 2016. 
ISBN: 9783844524338
http://www.onleihe.de/goethe-institut/frontend/mediaInfo,51-0-483532267-100-0-0-0-0-0-0-0.html