Orte mit Aura Das tanzende Mädchen

Mathura Museum. Die Kraft der Präsentation durch den Kontrast des Alten mit dem Neuen  verstärken.
Foto: Goethe-Institut / Leonhard Emmerling

Ist die Geschichte ein Projekt der Erinnerung? Wird diese Erinnerung mit Hilfe der Archäologie konstruiert? Ist damit das Museum bloße Folge der Archäologie? Würde das Museum ohne Archäologie seine Berechtigung verlieren?
 

Für mich gewann die Frage nach dem  Museum Kontur, als ich Jean Paul Sartres Bezeichnung des Louvre als 'Warenhaus der französischen Kultur' las. Ich begann, mir Gedanken über das Museum zu machen. Bis dahin hatte ich die Vorstellung einer Institution gehabt, die ganz offensichtlich zentral für das Vorhaben der Staatenbildung ist, die die gesamte Problematik des Nationalismus in sich trägt, die aber selbst im Bewusstsein der Menschen lediglich eine Randstellung einnimmt. Zumindest inGesellschaften wie der indischen ist das Museum eine Einrichtung mit Heiligenschein. Ein ländlicher Besucher in Delhi bekommt stets die gleiche Liste von Sehenswürdigkeiten präsentiert: Nummer Eins ist Rashtrapati Bhavan, die Residenz des indischen Präsidenten. Nummer Zwei ist das Parlamentsgebäude, der Tempel der Demokratie. Und der dritte Eintrag ist unweigerlich das Nationalmuseum, die Institution, die uns unsere Identität verleiht. Sie formt uns, sagt uns, warum wir InderInnen sind, inwiefern wir InderInnen sind, wie alt wir sind, in welchem Kontext wir leben, und vieles mehr. Es wird einem von Schultagen an eingehämmert, fast wie ein Drill; es erschafft eine Aura. In der eigenen Vorstellung begegnet man dem Museum als einem Ort mit einer Aura. Man betritt es wie eine Kirche oder einen Tempel mit einer gewissen Ehrfurcht, und all die Objekte sprechen zu einem wie Bausteine, wie die DNS der eigenen Vergangenheit. Man sieht sich kaum je genötigt, die Frage nach seiner Relevanz zu stellen – abgesehen von seiner speziellen Bedeutung  im Rahmen der nationalistischen Ideologie. Das war es, was ich lange Zeit mit dem Museum in Verbindung brachte – bis ich begann, Fragen nach dem Zusammenhang von Museum und Erinnerung zu stellen. Ist die Geschichte ein Projekt der Erinnerung? Wird diese Erinnerung mit Hilfe der Archäologie konstruiert? Ist damit das Museum bloße Folge der Archäologie? Würde das Museum ohne Archäologie seine Berechtigung verlieren? Und so fort.
 
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