Hintergrund Die Teilung Bengalens 1947

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© Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Kolkata

Erinnerung an die Teilung Bengalens im Jahre 1947, als die britische Kolonialmacht den Subkontinent verließ, nachdem sie zwei Staaten geschaffen hatte: Indien und Pakistan.

Während die weltweite Aufmerksamkeit gegenwärtig der syrischen Flüchtlingskrise gilt und den Debatten über die Aufnahme von Flüchtlingen in den verschiedenen europäischen Ländern, scheint dies auch der richtige Moment zu sein, auf eine der größten Flüchtlingskrisen und Migrationsbewegungen in der jüngeren Geschichte zurückzublicken. Die gegenwärtigen Diskussionen drehen sich meist um die generelle Frage, welche Folgen das Bleiben der Flüchtlinge in den jeweiligen Aufnahmeländern haben wird. Da scheint es passend, sich mit den Hinterlassenschaften, den zurückliegenden enormen Konflikten und den Flüchtlingsbewegungen zu befassen, die für die Aufnahmeländer so folgenreich waren.

Vor diesem Hintergrund kommt dem von den Goethe-Instituten in Kolkata und Dhaka gemeinsam initiierten Projekt ‘Inherited Memories: My Parents’ World’ [„Meiner Eltern Welt – geerbte Erinnerung“] eine besondere Bedeutung zu. Das Projekt gibt Gelegenheit, etwas darüber zu erfahren, wie Menschen, die auf der Flucht vor grauenhaften Gewalttaten entwurzelt wurden, sich in für sie unbekannten Gegenden niederließen und nun ihre Erinnerungen an diese Zeit an ihre Enkelgeneration weitergeben.

Gewaltkatastrophe und Entwurzelung

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs, als die Machtübergabe nur noch eine Frage der Zeit war, wurde die Forderung nach einem eigenen Heimatland für die muslimische Bevölkerung des Landes immer lauter und die auf die Trennung von Hindus und Muslimen bauende Politik wurde zunehmend bösartig. Dies führte zu einer Reihe von konfessionellen Aufständen und zu Morden auf hinduistischer wie muslimischer Seite, die am 16. August 1946 in Calcutta, der damaligen Hauptstadt der ungeteilten Provinz Bengalen, ihren Ausgang nahmen.

Die Eskalation der Gewalt war beispiellos. Sie kostete mindestens einer Million Menschen das Leben – mehrzählig in den Provinzen Bengalen und Punjab – und entwurzelte rund 15 Millionen, die die am 14. August 1947 mit der Gründung Pakistans neu geschaffenen Grenzen überquerten (aus “West-Pakistan” wurde das heutige Pakistan, aus “Ost-Pakistan” wurde Bangladesh). In dieser Zeit ereignete sich die größte erzwungene Völkerwanderung der Menschheitsgeschichte.
 
Auch wenn beide Staaten auf der Grundlage von Religionszugehörigkeit gegründet wurden, migrierten doch nicht alle Muslime nach Pakistan und nicht alle Hindus aus Pakistan zogen nach Indien. Der Flüchtlingsstrom hielt nach der Unabhängigkeit noch einige Jahre an, da es dauerte, bis religiöse Bestrebungen in beiden Ländern verebbten.
 
Das neu gegründete Pakistan zerfiel 1971, als sein östlicher Teil – Ost-Pakistan – abfiel und nach einem eigenen Staat verlangte. Auf diese Weise vollendete sich der 1947 begonnene Teilungsprozess in der Region mit der Gründung von Bangladesch im Jahre 1971. Doch der in 1947 begonnene und 1971 beendete Prozess hinterließ eine große Narbe in der politischen Landschaft des Subkontinents, und seine Folgen sind bis heute spürbar.