FOTO AUSSTELLUNG Hybrid Modernism| Movie Theatres in South India

Saravana Theatre © gic

Fr, 19.12.2014 -
Mo, 05.01.2015

Woodlands Theatre, Royapettah, Chennai

HAUBITZ + ZOCHE
in Zusammenarbeit mit Chennai International Film Festival 2014

In Großbuchstaben schmückt die Aufschrift 'Neue Theater' ein Kinogebäude, dessen Fassade eine Collage aus verschiedensten Materialien und Formen im Stil der späten 1950er Jahre darstellt, während ein weitläufiger Parkplatz vor dem Kino auf Besucher wartet.

Die Serie Hybrid Modernism. Movie Theatres in South India untersucht die Aufnahme und Reinterpretation westlicher Architektur-Einflüsse in Südindien. Haubitz und Zoches sensible Annäherung und schafsinnige Beobachtung enthüllt die ästhetische Qualität dieser außergewöhnlichen Gebäude.

Kino und die Welt des Films stellen einen relevanten Faktor und sozialen Indikator der indischen Kultur dar - und das nicht erst seit Beginn des Bollywoodbooms der letzten Jahre. Das zeigt sich in den vielen Kinos, die bereits in den 1950er Jahren erbaut wurden und deren Architektur auf einer einzigartigen, irritierenden Mischung westlicher Einflüsse und lokaler Baustile basiert.

Die Rezeption modernistischer Architektur wurde nachhaltig von Le Corbusiers Bauprojekten in Indien in den 1950er Jahren inspiriert und spiegelt sich in den Gebäuden lokaler Architekten wieder. Dieser Einfluss wird anhand der Kino-Gebäude in Südindien deutlich sichtbar, gleichzeitig findet man dort auch Elemente die - aus westlicher Perspektive gesehen - als anti-modernistisch gelten würden.
Sie entstammen stilistisch zu gleichen Anteilen sowohl aus der traditionellen indischen Architektur als auch den Einflüssen des Art déco. Kurz: in indischen Kino-Gebäuden finden wir eine kulturell beeinflusste Re-Interpretation moderner Baustile, die sich nicht nur durch die oben beschriebene Mischbildung auszeichnen, sondern auch durch eine ausgesprochen Bühnen-ähnliche Inszenierung. Die Fassaden erinnern häufig an Attrappen, die am eigentlichen Gebäude befestigte wurden.

Auf diese Weise, werden sowohl die Funktion der Bühne, die die Filmwelt und das Kino determiniert, als auch der damit einhergehende Prozess des Eintauchens in eine andere Welt, der für die filmische Inszenierung und Präsentation so relevant ist, sogar außerhalb der Kinosäle zusammengeführt.

Diese auffallende Intensivierung der Gebäudefunktion findet im Innern des Gebäudes seine Fortsetzung. Auch hier trifft man oft auf extravagante bildhauerische Formen und Verzierungen, die den Besucher in eine bühnenähnliche Atmosphäre versetzen und ihn auf diese Weise auf das bevorstehende Kinoerlebnis vorbereiten.

In einem Land wie Indien, das jährlich mehr als 1200 Filme in 24 Sprachen produziert, hinterlässt die Welt des Kinos ihre Spuren überall. Die großformatigen Photos die die Kurzlebigkeit von Filmplakaten in ihrem urbanen Kontext einfangen, unterstreichen die gegenseitige Durchdringung von Film-Realität und der des alltäglichen Lebens.

Homi Bhabha hat den Begriff der Hybridität geprägt, der für die post-kolonialen Theorien der letzten Jahrzehnte von größter Wichtigkeit ist. "Für mich steht die Wichtigkeit der Hybridität für den dritten Raum, der es ermöglicht andere Positionen herauszustellen. (…) Der Prozess der kulturellen Hybridität führt zu etwas Anderem, etwas Neuem, bislang nicht Erkennbarem, einem neuen Verhandlungsraum von Sinn und Repräsentation. (Homi Bhabha, 1990 in einem Interview)
In seinem Hauptwerk, die Verortung der Kultur (1984) beschreibt Bhabha das Erscheinen eines dritten Raumes von der bewussten und unbewussten Aneignung der Zeichen und Symbole der kolonisierenden Kultur und ihrer Integration in das indigene Zeichensystem. Ein hybrider dritter Raum zwischen den Kulturen, der kritische Distanz erlaubt.

Mit ihrer Serie Hybrid Modernism. Movie Theatres in South India gelang es dem Künstlerduo Haubitz + Zoche, sich und ihr Werk in die derzeitige Diskussion über post-koloniale Theorie einzuordnen. Ihre Photographien visualisieren komplexe kulturelle Prozesse.

Die Photographien dieser Ausstellung wurden zwischen 2010 und 2013 aufgenommen. Eine Publikation ist in Vorbereitung.

Die Künstler Sabine Haubitz und Stefanie Zoche arbeiten seit 1998 zusammen und treten in der internationalen Künstlerszene mit ihren Photographien und Installationen unter dem Namen Haubitz+Zoche auf.

Sabine Haubitz erlag einem tragischen Unfall im März 2014. Stefanie Zoche wird ihre Arbeit im Namen beider Künstler fortführen.
 

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