Was wissen wir, was müssen wir wissen?
Mit
Prof. Dr. Rahul Mukherji
Leiter des Departments für Politikwissenschaften
Stellvertr. Direktor | Südasien-Institut | Universität Heidelberg
Vorsitz
Prof. Dr. Amitabh Kundu
Distinguished Fellow
Research and Information System for Developing Countries (RIS) | Neu Delhi
Die indische Demokratie sieht sich zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Kann sie angesichts einer beispiellosen Diversität den Anliegen all ihrer Bürger gerecht werden? Wie konnte dieses bitterarme Land mit seiner so vielfältigen Bevölkerung nach seiner Unabhängigkeit 1947 überhaupt regiert werden? Westliche Gelehrte meinten damals, Indien als koloniales Konstrukt würde schon bald zerfallen. Wie gelang es der jungen Nation, die ihre Multikulturalität nicht nur akzeptiert, sondern oft sogar zelebriert, ein Gefühl der Staatsbürgerschaft zu etablieren? Bürgerschaft und Regierung sind auf vielfältige Weise verwoben; die Regierung kann Ordnung und wirtschaftliches Wachstum fördern, Rechte wie die freie Meinungsäußerung garantieren, sowie die Deckung der menschlichen Grundbedürfnisse. Indien ist, bezogen auf die relative Kaufkraft, die drittgrößte Marktwirtschaft der Welt, mit einer der höchsten Wachstumsraten. Interessanterweise wird das indische Wirtschaftswachstum in viel höherem Maße durch den Binnenmarkt als durch die globale Wirtschaft angetrieben. Rasantes Wirtschaftswachstum ist also möglich in einer postkolonialen und multikulturellen liberalen Demokratie. Doch Indien stellt uns vor ein Paradoxon: Wie kann eine Nation, in der mehr als ein Viertel der Bürger unterhalb der Armutsgrenze von auf die Kaufkraft umgerechneten $ 1,25 pro Tag leben, als Demokratie bezeichnet werden? Der politische Bürokratismus steht am Scheideweg; neue institutionelle Pfade tun sich auf, trotz erheblicher Widerstände.
© Südasien-Institut der Universität Heidelberg
Rahul Mukherji ist Professor und Leiter des Departments für Politikwissenschaften am Südasien-Institut der Universität Heidelberg und der stellvertretende Direktor des Südasien-Instituts. Rahul Mukherji ist Inhaber eines PhD der Columbia University. Er hat gelehrt an der National University of Singapore, der Jawaharlal Nehru University (Neu Delhi), dem Hunter College (New York) und der University of Vermont (Burlington). Er sitzt im redaktionellen Beirat von Journalen wie
India Review,
Pacific Affairs und
Governance. Seine jüngsten Buchveröffentlichungen sind
Political Economy of Reforms in India (Oxford University Press, 2014) und
Globalization and Deregulation: Ideas, Interests and Institutional Change in India (Oxford University Press, 2014). Sein derzeitiger Forschungsschwerpunkt ist die Rolle des Staates im Entwicklungsprozess.
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