Der goldene Drache
Eine Lesung von Roland Schimmelpfennings bahnbrechendem Stück, gefolgt von einem Gespräch zwischen dem Dramatiker und Pragya Tiwari.
Der in Berlin lebende Dramatiker, Autor und Regisseur Roland Schimmelpfennig, der als einer der produktivsten und bekanntesten Dramatiker Europas gilt, trifft in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Literaturfestival Tata Literature Live! 2020 sein indisches Publikum zum ersten Mal in einer virtuellen Begegnung
.
Die Veranstaltung beginnt mit einer Einführung des Redners und des Vorsitzenden, an die sich die Aufführung von Der goldene Drache anschliesst. Danach folgt eine Gesprächs- und Fragerunde zwischen Roland Schimmelpfennig und Pragya Tiwari.
Die Veranstaltung wird auf allen Tata Literature Live! Kanälen, einschließlich Facebook, Twitter, YouTube und der Website des Festivals, www.tatalitlive.in, zu sehen sein.
Roland Schimmelpfennig:
Roland Schimmelpfennig, geboren 1967, ist einer der international meistgespielten zeitgenössischen Dramatiker. Er arbeitete als Journalist in Istanbul und war nach seinem Regiestudium an der Otto-Falckenberg-Schule bei den Münchner Kammerspielen engagiert. Seit 1996 ist Roland Schimmelpfennig als freier Autor tätig. Seine Stücke werden mit großem Erfolg in über 40 Ländern weltweit aufgeführt, vom Wiener Burgtheater bis zum Nationaltheater von Tokio und innerhalb Indiens. Im Jahr 2016 erschien sein erster Roman "An einem kalten, klaren Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts", der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde. Bis heute hat er drei Dutzend Bühnen- und Hörspiele geschrieben.
Seine Stücke sind in 20 Sprachen übersetzt worden. Im Sommer 2010 wurde er mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet, der als höchste Auszeichnung für einen deutschsprachigen Dramatiker gilt. Zu den bisherigen Preisträgern gehören die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und der ostdeutsche Dramatiker Heiner Müller.
Das Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Mumbai hat zusammen mit Herrn Schimmelpfennig ein Übersetzungsprojekt "Junge deutsche Dramatik in südasiatischen Sprachen" durchgeführt, in dem seine acht Stücke zusammen mit anderen zeitgenössischen deutschen Dramatikern in verschiedene südasiatische Sprachen übersetzt werden.
Preise und Auszeichnungen:
- Else-Lasker-Schüler-Preis für „Fisch um Fisch“ (1997)
- Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises von Baden-Württemberg (1998)
- Einladung zu den Mülheimer Theatertagen 2000, 2001 und 2002
- Nestroy-Preis 2002 als bester Nachwuchsautor
- Einladung zu den Mülheimer Theatertagen 2003 mit dem Stück Vorher/Nachher
- Einladung zu den Mülheimer Theatertagen 2005 mit dem Stück Die Frau von früher
- Einladung zu den Mülheimer Theatertagen 2009 mit dem Stück Hier und Jetzt
- Nestroy-Theaterpreis für das beste Stück (Besuch bei dem Vater), 2009
- Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2010
- Einladung und Preis der Mülheimer Theatertage 2010 mit Der goldene Drache
- „Der goldene Drache“ ist Stück des Jahres 2010 in der Jahrbuch-Umfrage der Zeitschrift Theater Heute
- 2012 Einladung zu den Mülheimer Theatertagen mit "Das fliegende Kind"
Der goldene Drache
Im Mittelpunkt steht das China-Vietnam-Thai-Schnellrestaurant „Der goldene Drache“.
Hier wird in der winzigen Küche zwischen zischenden Gaskochern einem jungen Chinesen ohne Aufenthaltsgenehmigung ein furchtbar schmerzender Schneidezahn mit einer Rohrzange gezogen.
Und dieser Zahn gelangt auf dem Weg der Thai-Suppe, in der er aus Versehen landete, in den Mund einer Stewardess, Stammkundin im Schnellrestaurant, welches die Anwohner der Umgebung mit seinen asiatischen Schnellgerichten auch als Take-Away zu versorgen weiß.
Und dann erzählt jemand von der hungrigen Grille, die im Winter zum Opfer der geschäftstüchtigen Ameise wird. Die den ganzen dunklen Winter von den anderen Ameisen missbraucht wird, ohne zu merken, dass längst Frühling ist.
Und schmerzhaft vertraut erscheint das Schicksal der kleinen Asiatin, die beim Verlassen ihres dunklen Zimmerchens dem betrunkenen Kumpel des Lebensmittelhändlers in die Arme läuft. Der doch nur mal ein bisschen von ihrer Fremdheit kosten wollte. Leider etwas unachtsam. So was Zartes geht halt schnell kaputt.
Und als der junge Chinese nach der Rohrzangenoperation verblutet, wickelt man ihn in einen großen Drachenteppich und wirft ihn in den Fluss. Von dort schwimmt er endlich wieder nach Hause, nach China, leider tot und leider ohne die Schwester, die zu finden das erklärte Ziel seiner Reise war.
Roland Schimmelpfennig betrachtet die Verhältnisse im und um den Goldenen Drachen aus den verschiedensten Perspektiven. Jedes Verhaltensmuster bekommt durch einen Kunstgriff andere Färbungen, denn die Männer sollen hier von den Frauen, die Frauen von den Männern, die Jungen von den Alten und die Alten von den Jungen gespielt werden. Das Ergebnis ist poetisch, brutal, rätselhaft und berührend.
(Fischerverlag, Theater und Medien)
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