musikalische Darbietung Powada - Aufführung

Powada Aufführung Photo: Project 88

Do, 30.03.2023

18:00 Uhr IST

Project 88

Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung "Black Masks on Roller Skates"

Die Ausstellung Black Masks on Roller Skates - derzeit bei Project 88 zu sehen - ist ein Teil des größeren Projektes von Amol Patil, das auf der Documenta Fifteen ausgestellt wurde. Diese Ausstellung umfasst kinetische Skulpturen, holografische Videos, Musik und Performance. Landkartenlinien der Migration und Transformation umreißen eine Bühne, auf der die Tänzer wie unter der Oberfläche wirken. Sie atmen, beobachten das Land, leben, bewegen sich. Es ist eine Wellenbewegung zwischen den Orten. Die Ausstellung ist bis zum 29. April zu sehen. 

"Ich schwinge mit einem Erbe", sagt Patil. Es gibt eine rebellische Geschichte, aus der der Künstler stammt. In dieser Ausstellung erweckt er sie wieder zum Leben. Patil stützt sich auf die Theater- und Aufführungstraditionen in den Arbeitervierteln von Mumbai sowie auf seine eigene Familiengeschichte. Sein Großvater war ein antikolonialer Powada-Performer, der seine Kritik am Imperium mit der Kritik an der Gewalt vermischte, die in der abgestuften Ungleichheit des Kastensystems eingebettet ist, das nicht nur die Arbeit, sondern auch die Arbeiter hierarchisch unterteilt. Sein Vater, ein avantgardistischer Schriftsteller, schrieb und produzierte Protesttheater, kritisierte die Zeit der Arbeitssirenen und des Schichtdienstes und verstärkte dieses experimentelle, emanzipatorische Ethos. In den Skripten seines Vaters finden sich Kommaabschnitte, mit Gesten und Stimmungen. Patil greift auf diese Hinweise, diese andere Körpersprache zurück.

 
Am 30. März um 18 Uhr, wird Patil in Zusammenarbeit mit der Yalgaar Sanskrutik Manch eine "Powada"-Performance im Projekt 88 präsentieren. 
 
"Powada", ist eine musikalische Darbietung reisender Truppen und geht auf das dreizehnte Jahrhundert zurück, als an den Höfen der Könige Dichter Lieder zum Lob der Götter komponierten. In Maharashtra verwandelte die Dalit-Bewegung im letzten Jahrhundert diese Hingabe in ein radikales Idiom, um die Gesellschaft mit Gleichheit und neuen Ideen von Brüderlichkeit neu zu gestalten. Ein Tumult revolutionärer Lyrik provoziert eine Neuordnung von Öffentlichkeiten und Schauplätzen. Viele Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichem Hintergrund fanden sich plötzlich in den Gassen zusammen, bauten verstellbare Bühnen, traten auf und probten erneut. Patil lädt zu einer zeitlichen Zusammenarbeit ein. Junge Powada-Autoren und -Musiker, die Yalgaar Sanskrutik Manch, verweben ihre Texte mit denen seines Großvaters. Es ist eine Art, das Jetzt zu denken, indem man das Harte und das Höfliche, das Süße und das Stille miteinander verbindet und eine Kritik an der Landpolitik und der sozialen Trennung übt.
 
Black Masks on Roller Skates wird vom Kiran Nadar Museum of Art und dem Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Mumbai unterstützt.
Powada Performance wird durch das Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Mumbai unterstützt.

Vergessen Sie nicht, die Ausstellung zu besuchen!
   

Zur Person:

Amol K Patil (geb. 1987) ist ein in Mumbai lebender Konzept- und Performancekünstler. Nach seiner Ausbildung in Bildender Kunst an der Rachana Sansad Academy of Fine Arts and Crafts, Mumbai, erforscht er in seiner Arbeit die Schnittmenge von Performancekunst, Theater, Musik, kinetischer Kunst und Videoinstallation. Er hat mehrere kollektive Praktiken initiiert und war an ihnen beteiligt und hat seit 2013 an Ausstellungen in der ganzen Welt teilgenommen.

Patils Arbeit erforscht Familientraditionen: Sein Großvater war ein Dolmetscher und Dichter (Powada Shahir, ein Troubadour, der epische Geschichten erzählte, während er von einem Dorf zum anderen zog); sein Vater war ein avantgardistischer Dramatiker, der in seinen Stücken Themen wie die verheerenden Auswirkungen der Einwanderung und ihre Traumata durch absurde Situationen thematisierte. Patil, und vor ihm seine Familie, hat die Kunst als eine Methode des Widerstands betrachtet. In seinen jüngsten Arbeiten untersucht er die Prozesse der Urbanisierung und die Unsichtbarkeit der Arbeiterklasse in der städtischen Vorstellungswelt. Seine Projekte bilden eine Gegenerinnerung und widersprüchliche Erzählungen, die die Beziehung zwischen Gemeinschaften und ihrer Umgebung beschreiben und stören.

Patils Arbeiten wurden auf der Kochi-Muziris Biennale, Kochi (2022- 2023), gezeigt, sowie auf der  Documenta fifteen, Kassel (2022), Yokohama Triennale, Yokohama 2020), Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan, Delhi (2019), The Showroom, London (2018), Tensta Konsthall, Stockholm (2017), Centre Pompidou, Paris (2017), Pune Biennale Habit-co Habit, Pune, (2017), Dakar Biennale, Dakar (2016), Stedelijk Museum, Amsterdam (2015), ParaSite, Hong Kong (2014) und Kadist Art Foundation, Paris (2013).


Yalgaar Sanskrutik Kala Manch ist ein Kollektiv, das die kulturelle Bewegung in ländlichen und vorstädtischen Gebieten in Maharashtra initiiert und anregt. Diese Plattform unternimmt strategische Anstrengungen, um den Geist der Bewegungen wiederzubeleben und den stimmlosen Gruppen der Gesellschaft eine Stimme zu geben. Die Plattform trägt dazu bei ein Bewusstsein zu schaffen für die Randbereiche der Gesellschaft und fördert die Jugend in der Schaffung von Performances und in Forschungsarbeiten im Kontext von Kunst, Politik und sozialen Bewegungen. Sie trägt dazu bei, die neue Generation für die praktischen Anwendungen zu sensibilisieren, und auch im akademischen Bereich eine Hilfestellung zu leisten.

Der Hauptzweck dieser Gruppe besteht darin, verschiedene Künstler und Kulturaktivisten auf einer einzigen Plattform zusammenzubringen und dadurch den kulturellen Aktivismus zu politischen und sozialen Themen zu stärken. Diese Plattform zielt ebenso darauf ab Festivals auf nationaler und internationaler Ebene zu fördern, Teilnehmer aus der ganzen Welt einzubinden und neue Künstler zu ermutigen, ihre Kunst in die Welt zu tragen. Die Plattform ermöglicht  sowohl Online- als auch Offline-Performances. Wir haben ein Interview mit Yalgaar-Künstlern geführt und einige Lieder dokumentiert, die bei anderen Veranstaltungen vorgeführt wurden.

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