TANZ Padmini Chettur: Philosophical Enactment 1

March dance © Goethe-Institut Chennai

So, 22.03.2020

Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Auditorium

No.4 5th Street, Rutland Gate
Chennai
600 006 Chennai

MARCH DANCE 2020

Das Werk
 
“Aber was soll das bedeuten?” ist die wohl häufigste Reaktion auf jegliche Tanz-Performance, die nicht selbst eine Bedeutung vorschlägt.  Vor einigen Jahren schrieb der Kurator Zasha Colah: „Beim Betrachten von Chetturs Werken wird die Komplexität des Imaginären im Jetzt für uns greifbar. Dadurch stellt Chetturs Arbeit eine neue philosophische Form dar, die mit dem Nachdenken über Ideen beginnt, zu einer intensiven Beschreibung dieser fortschreitet und schließlich zu einer philosophischen Verkörperung dieser Ideen wird.“ Zu Beginn des Projekts Philsophical Enactment 1 las ich viele Rezensionen, die während der letzten zwanzig Jahre zu meine Arbeiten veröffentlicht worden waren, und bekam das Gefühl, dass das Publikum oft mit der dichten, abstrakten Art meiner Formsprache überfordert war. Etwa zur selben Zeit begann ich meine Gespräche mit Aveek Sen, einem in Indien für seine Texte über Fotografie und bildende Kunst weithin bekannten Autor. Wir fanden ein geteiltes Interesse an der Entwicklung eines Skripts, das vielleicht die körperlichen Abläufe und flüchtigen Momente, mit denen meine Tanzpraxis sich befasst, artikulieren könnte.  Der ‚Körper‘ des Werks imaginiert übereinander gelagerte Kreise und Bögen, die um eine zentrale Achse kreisen. Diese rotierenden Bewegungsmöglichkeiten werden manchmal direktional eingesetzt, sodass der Körper sich bewegen kann, und manchmal als Opposition, sodass der Körper zu einem dynamischen Stillstand kommt. Philosophical Enactment 1 spielt zur Begleitung von sanften Tempo-Verschiebungen in der Klangpartitur von Maarten Visser unablässig mit motorischen Ideen zu den Kapazitäten des Körpers, sich auszudehnen oder zurückzuweichen. Klang und Text werden übereinander gelegt, um Bewegungen zu ‚beschreiben‘, doch umgekehrt beschreiben die Bewegungen auch manchmal die Klänge und Texte. Dieses Weben textueller Bilder, sowohl buchstäbliche als auch  abstrakte, eröffnet dem Publikum eine Vielzahl an Zugangspunkten und Perspektiven. Philosophical Enactment 1 ist eine Tänzerin und Schriftstellerin auf der Suche nach Form. Eine Artikulation des nicht Artikulierbaren, ein Infragestellen der Frage „Was soll das bedeuten?“
 
Nach der Performance folgt ein Gespräch mit Chettur und Sen.
 
Credits
Choreographie und Tanz: Padmini Chettur
Musik: Maarten Visser
Text und Begleitkommentar: Aveek Sen
Besonderer Dank an das Anandam Dancetheatre
Dauer: 27min
 
Künstlerinnen-Biografie
 
Padmini Chettur begann ihre Karriere im zeitgenössischen Tanz 1990 als Mitglied der Gruppe von Chandralekha, dem radikalen modernistischen Bharatanatyam-Choreographen, dessen eigenes Werk sich vor allem mit der Dekonstruktion von Bharatanatyam befasste. Nach ihrem Bruch mit Chandralekhas Arbeit 2001 entwickelte Padmini eine Formsprache, die choreographische Traditionen in eine minimalistische Sprache übersetzt und philosophische Konzepte von Ort und Zeit visuell in Zusammenhang mit der modernen Existenz bringt. Indem sie Vokabularien aus der Phänomenologie, Kulturwissenschaft, Astronomie und Physiotherapie, sowie dem Sport generell und den Bewegungen von Insekten übernahm, kreierte sie eine gespannte visuelle Sprache, die den engen Begrenzungen der Bühne entkommt. Während ihrer Karriere als Choreographin, welche seit fast zwei Jahrzehnten andauert, hat sie für die Realisierung ihrer Projekte mit Bildhauern, Beleuchtungskünstlern, Filmemachern und Klangkünstlern zusammengearbeitet.
Zasha Colah – ‘Body Luggage’

 
Aveek Sen ist leitender Redaktionsassistent bei The Telegraph, Kolkata. 2009 wurde er vom International Center of Photography in New York mit dem Infinity Award for Writing on Photography ausgezeichnet.
 

Zurück