Workshop Schreibwerkstatt für Frauen im südirakischen Basra

Teilnehmerinnen des Workshops in Basra 2016
Foto: Svensson

An dem Workshop in Basra vom 28. Februar bis zum 2. März 2016 haben Frauen aus verschiedenen Städten des Iraks teilgenommen. Er wurde vom Verbindungsbüro des Goethe-Instituts im Irak in Zusammenarbeit mit dem Felsberg-Institut durchgeführt. Es namen vier Frauen aus Bagdad, vier Frauen aus Sulaimaniya und am ersten Tag neun Frauen aus Basra teil. Im Laufe des ersten Tages kamen weitere Frauen aus Basra hinzu. Am zweiten Tag waren es insgesamt sogar 22 Teilnehmerinnen, die sich mit kreativem Schreiben und mit dessen Umsetzung in Poesie beschäftigen. Die Verbreitung der Informationen über den Workshop kamen nicht rechtzeitig bei allen interessierten Frauen an, sprachen sich nach dem Start aber sofort herum. Die Anzahl der Teilnehmerinnen wäre sicher größer gewesen, aber die Anzahl war ursprünglich auf 20 begrenzt worden. Der Bedarf nach Austausch und dem Erfahren, Erlernen von neuem ist riesig. Die Möglichkeit für Frauen an Veranstaltungen teilzunehmen, die ihre kreativen und literarischen Fähigkeiten weiterentwickeln, ist im Irak denkbar begrenzt.
 
„Als ich die Nachricht vom Workshop von einem Freund erfahren habe, war ich voller Hoffnung weil wir schon seit langem schreiben, und gerne kennenlernen wollten, was andere schreiben. Gleichzeitig möchten wir unsere eigenen Texte anderen zu Gehör bringen. Ich habe sehr auf Austausch gehofft und bin nicht enttäuscht worden.“ Eine 50jährige Teilnehmerin.
 
Der Mangel an diesen Möglichkeiten ist natürlich auch in einem von Männern dominierten Literaturbetrieb zu suchen. In den Verbänden von Dichtern und Literaten können sich Frauen kaum bis gar nicht durchsetzen. Andererseits ist der Mangel sicherlich auch ein Ergebnis der langjährigen Isolation des Landes, das nicht nur durch das Embargo seit 1991 von Waren abgeschnitten war, sondern auch von Entwicklungen im künstlerischen, wissenschaftlichen und selbst pädagogischen Bereich. Zudem hat sich der Irak durch die Flucht seiner Landsleute in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls stark verändert. Der Aufbau der Zivilgesellschaft braucht dringend Unterstützung in jedem Bereich, auch im künstlerischen und akademischen Austausch.
 
Der Erfolg des Workshops ist durch zwei Faktoren bedingt. Zum einen ist es für die Frauen sehr wichtig, dass sie sich nur unter Frauen treffen, dadurch können sie offen sprechen und sich gemeinsam über Ideen und Gefühle auseinandersetzen. Der zweite Faktor für den Erfolg ist die Möglichkeit, sich gleichberechtigt zu artikulieren. Der Workshop setzt auf die Beteiligung der Frauen und es musste eine offene Lernatmosphäre geschaffen werden.
Hierfür wurde von den Organisatoren selbst die Tischdekoration organisiert. Die Stadtbibliothek in Basra ist als ein Ort des Lernens eingerichtet, ein Ort der Rezeption, aber nicht als ein Ort der Kreativität und des Ausdrucks der Lernenden. Diese Atmosphäre wurde durch das Team hergestellt. Den Teilnehmerinnen wurde dadurch Anerkennung und Wertschätzung vermittelt, was Ihre Offenheit wiederum entscheidend förderte.
 
„Der Workshop ist sehr wichtig für mich, ich habe wunderbare Dinge erfahren. Durch die Kommunikation unter den Frauen habe ich gelernt auf einem direkten Weg meine Gefühle auszudrücken. Das war für mich vorher schwierig“, so eine 23jährige Teilnehmerin.
 
Die Beteiligung an einem Lernprozess ist immer auch ein demokratischer Akt. Er ist geprägt von Anerkennung des Anderen und vom Erfahren von Offenheit und Toleranz. Diese Prozesse ermöglichen die Entwicklung von Individualität und Stärke. Neben der Arbeit an der eigenen Kreativität und Ausdrucksfähigkeit ist die demokratische Erfahrung eines nicht hierarchischen Prozesses wichtig für das eigene Handeln in der Gesellschaft. 
 
„Dieser Workshop war anders als alle Workshops, die ich bisher gemacht habe. Die Workshops, die ich bisher besucht habe, liefen nach Schema F. Sie waren  traditionell und dadurch langweilig. Dieser Workshop regt die inneren Prozesse und regt die Sinne an. Dadurch werden bisher bestehende Hindernisse oder Sperren zwischen den einzelnen Teilnehmerinnen überwunden und ich denke, dass wir in den vier Tagen viel erreicht und erfahren haben. Wir haben viel miteinander diskutiert und konnten unsere  Meinung frei äußern. Ich wünsche mir sehr, dass es weiterhin solche wertvollen Workshops gibt. Ich hoffe, dass es auch Workshops für Kinder geben wird. Die Kinder sind unsere Zukunft, wir Erwachsenen sind immer noch in der Blase der Vergangenheit. Ich bedanke mich bei allen, die beteiligt waren, diesen Workshop zu organisieren und hoffe auf weitere zukünftige Workshops.“ Eine 42jährige Teilnehmerin.
 
Der Workshop wurde mit einer öffentlichen Präsentation abgeschlossen, zu der 87 Gäste erschienen waren. Zwei irakische Fernsehstationen, zwei Rundfunksender und eine Tageszeitung berichteten darüber. Die Teilnehmerinnen des Workshops präsentierten am letzten Tag Arbeiten, die sie in den vorangegangenen Tagen entwickelt hatten. Die Veranstaltung fand ebenfalls in der Stadtbibliothek von Basra statt.
 
Neben den positiven Effekten für die schreibenden Frauen entwickelt sich jetzt auch eine Reaktivierung von existierenden Netzwerken, die sich durch solche Initiativen aktiv in die Gesellschaft einbringen. So kann der Durchbruch der Lethargie beginnen, die sich durch Kriege und Terror über die Kultur im Irak gelegt hat und allgegenwärtig ist.