Goethe in Basra Ein Kulturprojekt als Mittel für Kommunikation und Verständigung

Ein deutsch-französisches Kulturprojekt im Irak als Mittel für Kommunikation und Verständigung
Birgit Svensson

Besser konnte es niemand auf den Punkt bringen als der deutsche Botschafter im Irak, Franz Josef Kremp: „Die Literatur als Vehikel für Kommunikation, als Mittel der Verständigung.“ 

Im südirakischen Basra war seine These fünf Tage lang gelebte Realität, als sich deutsche, französische und irakische Schriftstellerinnen trafen, um sich kennenzulernen und auszutauschen.

Im Rahmen eines deutsch-französischen Kulturprojekts eröffneten der französische Botschafter im Irak, Marc Baréty, und sein deutscher Kollege am 17. Mai eine von Frankreich und Deutschland finanzierte Literaturkonferenz im neuen Museum in Basra.

Unter dem Motto „Schreiben für das Leben“ trafen irakische Schriftsteller und Schriftstellerinnen, darunter Talib Abdel Aziz und Muntaha Omran aus Basra, sowie die deutsche Schriftstellerin Hannah Dübgen und die französische Schriftstellerin Elise Fontenaille zusammen, um über Rolle und Stellung von Frauen in der Literatur und in der Gesellschaft zu diskutieren. Thomas Kössler, Leiter des Goethe-Instituts im Irak, war ebenfalls mit von der Partie. 
 
Vorausgegangen war eine Schreibwerkstatt, in der es um Netzwerke für weibliche Schriftsteller, um den Vertrieb ihrer Bücher und alles rund ums Schreiben ging. Die Irakerinnen wollten Tipps von ihren europäischen Kolleginnen, wie man sich und seine Werke in einer globalisierten Welt vermarktet, wie man auf sich aufmerksam macht. Die Frage, ob man vom Schreiben leben kann, tauchte immer wieder auf. Noch zu Zeiten Saddam Husseins war der Literaturbetrieb im Irak staatlich reglementiert. Es herrschte strenge Zensur, aber auch finanzielle Sicherheit für diejenigen, die sich dem System unterordneten. Seit dem Sturz des Diktators 2003 ist alles anders. Die sozialen Netze für Schriftsteller sind weggebrochen, Verlagswesen und Vertriebssysteme müssen neu entwickelt werden. Die alten Schriftstellerverbände existieren zwar noch, doch immer mehr Autoren wenden sich von ihnen ab und gründen neue, eigene Initiativen.
 
Ausgangslage für die Konferenz in Basra war die Anthologie „Mit den Augen von Inana“, Lyrik und Kurzprosa zeitgenössischer Autorinnen aus dem Irak“ - erschienen in Arabisch 2013, Deutsch 2015 und Französisch 2016. Initiiert und finanziert vom Goethe Institut Irak, Deutsche Botschaft Bagdad, Französische Botschaft Bagdad und der Journalistin Birgit Svensson.
 
Mit der Anthologie in drei Sprachen werden nun erstmals die Stimmen irakischer Frauen in der Literatur synchron in drei Ländern zugänglich gemacht: im Irak, in Frankreich und Deutschland. „Inana“ gibt den irakischen Frauen eine Stimme auf dem internationalen Parkett. Die enge Zusammenarbeit zwischen der französischen und der deutschen Botschaft, dem Institut Français und dem Goethe-Institut machen es möglich, das von Birgit Svensson initiierte Projekt in einem „literarischen Trialog“ zwischen Irak, Frankreich und Deutschland fortzuführen. Die Konferenz in Basra Mitte Mai war ein wichtiger Teil davon, ebenso die Reise irakischer Schriftstellerinnen nach Paris im März. Der dritte Teil dieses Trialogs wird dann in Deutschland stattfinden: Drei Schriftstellerinnen aus dem Irak besuchen als Vertreterinnen des Projekts „Inana: Schreiben für das Leben“ die Frankfurter Buchmesse im Oktober 2017.